Einsammelbuch Notate
Themenbereich: Notate von Maximillian Buddenbohm
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Im Lauf der Jahre gesammelte Fundstücke aus dem Weblog des
Hamburger Tagebuchbloggers, Flaneurs und Schriftstellers
Maximillian Buddenbohm
"Die maximal Verwirrten aller Art, welche man in der Mitte aller Großstädte immer zahlreich antrifft."
(Maximillian Buddenbohm)
"... dass ich rückenschmerzbedingt einfach viel langsamer mit allem war und bin. Dass ich also nicht mehr im wieselflinken Gewusel durch den Alltag wimmle, nicht mehr im gazellenartigen Galopp die Gewerke abarbeite, sondern eher mit dem überschaubaren Furor eines Faultiers voranschreite."
(Maximillian Buddenbohm)
"Eine Frau ist es, die dort allein sitzt. Wobei sie ein Buch liest, das sie so hält, wie alle Menschen, die in der Öffentlichkeit lesen, ihre Bücher gefälligst immer halten sollten. Nämlich derart, dass man als Passant den Titel erkennen kann, und zwar ohne lästige oder gar peinliche Verrenkungen machen zu müssen und ohne dem lesenden Menschen dabei unpassend nahe kommen zu müssen."
(Maximillian Buddenbohm)
"In Husum stieg ich erleichtert aus dem Zug und staunte kurz über den immer noch heruntergekommenen Bahnhof, an dessen maroden Bahnsteigen man auch Filme über die Ostblockvergangenheit anderer Staaten drehen könnte."
(Maximillian Buddenbohm)
"Mein Lieblingsort auf dieser Welt ist womöglich gar nicht auf Karten
verzeichnet. Er liegt vielleicht eher irgendwo in der Gesamtausgabe
von Fontane." (Maximillian Buddenbohm)
"Dreiklang mit abnehmendem Gegenwartsbezug (...): Ein Altenheim, eine Kirche, ein Friedhof."
(Maximillian Buddenbohm)
"Was man so macht. Als eingespieltes Paar mit drei, vier unschönen Dauerthemen und mit einigen vom Schicksal launig weiter zugespielten Ereigniskarten aus der 2025er Edition des Spiels."
(Maximillian Buddenbohm)
Lesen "gehört entschieden zu den wenigen Tätigkeiten im Leben, denen keinerlei Reue nachschleicht, tatsächlich niemals."
(Maximillian Buddenbohm)
"... gab es bei diesen Sportlerinnen und Sportlern eine seltsame Entwicklung zu
beobachten (...): das Verschwinden der Farben aus der Modellpalette.
Alles lief ninjaoptimiert in schwarzer Montur, manchmal auch in Betontönen, in Variationen von Schlamm, Lehm, Sand und Granit.
(Maximillian Buddenbohm)
Man könnte glatt darauf wetten, /
Überall belegte Sofas und Betten. /
Überall das Marzipan im Magen, /
Überall das Wohlbehagen. /
Überall wird weihnachtlich umnachtet /
Sehr besinnlich Raufaser betrachtet. //
(Maximillian Buddenbohm)
"Die Stadt legt die ungewohnte, nur geliehene Edelverkleidung hastig ab und präsentiert sich wieder im betont gewöhnlichen, vollkommen freudlosen Januarkostüm, wie wir es seit vielen Jahren kennen. Auf sämtlichen Gesichtern sieht man den hier allgemein üblichen Gesichtsausdruck, standard-unfroh."
(Maximillian Buddenbohm)
Ebenfalls beim
Hamburger Blogger
gelesen: "Vorsicht bei der Wahl der Gemütslage." - Als ob man Gefühle auswählen könnte. Schön wärs's.
Jeder Therapeut würde Luftsprünge machen.
"Wenn Sie gerade problembeladen wie immer an den Start gehen, händeringend und hadernd mit Ihrer seltsamen Rolle in diesem fordernden Alltag und Ihrer manchmal ungünstig wirkenden Verortung in der Welt und in der Geschichte, wenn Sie zwischen sorgendem Overthinking, zagender Anxiety und existential Angst im routinierten Schlingerkurs durch die Stunden navigieren..."
Egal, was
Maximillian Buddenbohm
dem folgen ließ, dieser Satzanfang allein ist es schon wert, mantrahaft einem beliebigen Tag vorangestellt
zu werden.
"Die protestantische Arbeitsethik erreicht Stellen im Hirn, da kommt bloße Motivation gar nicht hin."
(Maximillian Buddenbohm)
Maximillian Buddenbohm
beschreibt
einen Zustand der Hilflosigkeit, Überforderung, dieses "Gefühl, "an das
Ende aller Zusammenrissmöglichkeiten" geraten zu können, das bei mir
Vermeidung auslöst, Wegschieben und möglichst Verdrängen. Angesichts
Behördenpost, wenn irgendwelche Anträge auszufüllen sind, entsteht bei
mir dieses Ohnmachtsempfinden. Oder, pars pro toto: 10 Jahre alter PC,
muß neuen kaufen, aber eben: Betriebssystem muß drauf, Internet muß gehen,
sonst nix Inbetriebnahme. Also prokrastiniere ich den Neukauf und arbeite
lieber mit Handkurbel am immer lahmarschiger werdenden schaltgreisen.
Täglich, wenn Avast Free Antivirus meckert und die "10 kritischen Probleme"
apokalyptisch mahnend an mich heranträgt, die Zumutung und sofortige
Panik und Versagensgewißtheit, dem nicht gerecht werden zu können.
Um ehrlich zu sein, hat sich Schwellenangst in fast alle Belange meines
Lebens eingeschlichen. Vor jedem bevorstehenden Termin
erstarre
ich. Allerlei Skrupel, Bedenken und zwanghafte Gedanken durchströmen und
blockieren mich. Um diesen unangenehmen mentalen Streß zu vermeiden,
vermeide ich den Termin, die Aufgabe, das Vorhaben lieber als solches.
Solange es irgend geht. Inzwischen darüber hinaus. Nicht nur Verschieben,
sondern Verschludern von Terminen. Im Oktober lief mein Personalausweis
ab. Weil ich unter der Woche Tagesklinik hatte, "vergaß" ich diess
Problem. In meinem Hirn türmen sich die Widerstände auf. Wie bekomme
ich einen Termin beim Bürgeramt? Und wenn das nun so lange dauert? Und
wenn ich den verpasse? Und was brauche ich alles? Welche Paßfotos sind
nötig? Wo kriege ich die her? Kapiere ich, wenn ich sie an einem
Automaten machen muß, die Bedienung? So bei nahezu allem, was über
den Supermarkteinkauf hinaus geht. Bevor ich auch nur ansatzweise
beginnen kann, eine Aufgabe in Angriff zu nehmen und Infos
zusammenzutragen, steht da die Vermutung bzw. bereits als Tatsache
angenommene Hemmschwelle: 'Markus, laß es, das wird doch sowieso nix!'.
Menschen auf der winterlichen Straße mit "leicht eingekrümmter Frostschutzhaltung".
(Maximillian Buddenbohm)
"Alles dennoch machen." Diese bei Maximillian Buddenbohm gelesene Grundbockigkeit nehme ich für mich ebenso in Anspruch.
"... unsere der Dystopie zugeneigten Zeiten." (Maximillian Buddenbohm)
... eingehendes Studium der Bösartigkeit unserer Wirklichkeit."
(Maximillian Buddenbohm)
"... Verzicht. Der früher in Verbindung mit der Moral recht naheliegend war und in allen Modellen der Weltausdeutung vollkommen üblicherweise vorkam, heute aber eher unter Gottseibeiuns fällt."
(Maximillian Buddenbohm)
Im Blog vom verehrten Maximillian Buddenbohm, der letztens überlegte, ob und wie
er seinen Söhnen das Krawattebinden beibringen soll, kommentierte einer:
"Zum Krawattenbinden fällt mir jedesmal die Geschichte ein (...) von dem Mann,
der einen anderen fremden Mann bittet, ihm die Kravatte zu binden, und der
andere sagt: 'Gern, aber Sie müßten sich dazu hinlegen - ich bin Bestatter und kann es nicht anders.'"
Als Tages-, Wochen-, Monats, Jahres- oder gar als Lebensmotto bestens geeignet:
spielfreudig voranscheitern,
by Maximillian Buddenbohm.
"Tage in stoischem Leistungswillen beginnen" ..., "ohne dabei auf die Umwelt unangemessen euphorisch oder streberhaft zu wirken."
(Maximillian Buddenbohm)
"Es ist eine Unordnung in der Welt, an der Menschen mit Sinn für Systeme verzweifeln müssen."
(Maximillian Buddenbohm)
"Ich bedauere das allerdings nicht, weil die Welt und die Kultur untergehen, denn das tun sie nicht, oder zumindest noch nicht. Sie werden wie immer nur anders. Ich bedaure das nur, weil ich auch aus dieser alten Zeit komme und mir eine Art geistiges Heimweh also sehr wohl zusteht, durch abgelebte Jahrzehnte erwirtschaftet." -
Nicht nur weil
Herr Buddenbohm
und ich gleichaltrig sind, kann ich das unterschreibe.
Maximillian Buddenbohm
gebraucht
den Begriff Existenzadministration für all jene
Tätigkeiten, die das heimatliche Büro erfordert. Den PC am Laufen halten, damit
Online-Banking, Steuererklärung, Versicherungen, Social Media u.v.m. machbar sind.
Paßwörer und Accounts verwalten, Updates aufspielen und konfigurieren.
All das okkupiert immer mehr Zeit und Aufmerksamkeit und kostet unglaublich viele Nerven.
In den Kommentaren des Blogeintrages schrieb Katja: "Linuxuser sind die Veganer
unter den Computernutzern."
"Am 4. Dezember beendet die erste Kollegin den Call über verschiedene Standorte hinweg mit 'Ja, dann: Frohes Fest!' Womit wir plangemäß die nächste Eskalationsstufe erreichen und rechts und links die Menschen aus den Büros und Home-Offices wahlweise in saisonale Krankheiten oder Resturlaube wegbrechen, alternativ aber auch unter der Restarbeit zusammen."
(Maximillian Buddenbohm)
"Die Strohblumen entscheiden sich allerdings nach Kontakt mit dem Wasser in der Vase größtenteils für den spontanen Freitod und lassen sich final hängen.
Es ist nicht immer einfach, den Alltag verlässlich aufzuhellen."
(Maximillian Buddenbohm)
"Ich habe beim Pessimismus keinen besonderen Höhepunkt zu verzeichnen, die letzten Jahre haben mich auf alles gut vorbereitet. Ich bin lediglich unaufgeregt normalfatalistisch."
(Maximillian Buddenbohm) -
Dazu noch
aus dem Archiv: ""Man wird den Wirren der Welt nicht zugeneigter mit den Jahren."
"Ich wurde als Vertreter der Elternvertreterinnen gewählt, mit einer Zustimmungsrate wie in besonders unverschämten Diktaturen."
(Maximillian Buddenbohm)
Unbedingt die "anschwellende Loseblattsammlung 'Zeichen des Niedergangs'"
im Auge behalten, für die
Maximillian Buddenbohm
plädiert bzw. gar selbst eine beginnen / führen.
"Der Montag ansonsten wieder ungeheuer schwergängig. Es ist hier zu Beginn der Woche stets ein enormer Kraftakt, den Alltag wieder aufzurichten, alle Routinen zu installieren, die Kulissen zurechtzuschieben, die Requisiten auszuteilen."
(Maximillian Buddenbohm)
Herr Buddenbohm
mahnt
beim Herbstgenießen zur Eile:
"Es eilt auch, wie immer eilt es alles schon. Denn die ersten Bäume,
ich sehe es im schwächer werdenden Gegenlicht des Sonnenuntergangs,
sind fast kahl, nackte Äste sind bereits zu sehen. Einige dramatisch
zitternde letzte Blätter, die aus ihrem Fallen eine große Show machen,
die Grandezza des Verfalls. Eine Show, der man gerne zusieht, auch
wenn es eine Wiederholung ist, auch wenn wir wissen, wie es ausgeht."
"Während ein Sohn gerade für eine Deutscharbeit lernt, was eine Alliteration ist, schmilzt der Schnee schnell auf den Scheiben der Dachfenster über ihm, ein glasiges Geschmier."
(Maximillian Buddenbohm)
Herr Buddenbohm war
beim Notar
zwecks Testament und Patientenverfügung.
Sein Notar - wir befinden uns in Norddeutschland, wo man
"arm an Pathos" ist -, meinte: "Wir regeln jetzt also tot und halbtot."
"Ich finde doch oft nicht einmal die richtige Einstellung auf meinem Smartphone.
Wie soll es mir da im Gehirn gelingen, das viel unübersichtlicher aufgebaut ist.
Da gibt es dermaßen schlimm verschachtelte Untermenüs, also wenn man mit denen erst einmal anfängt.
(...)
Eine Einstellung finden. Wo habe ich bloß den Stoizismus hingelegt, wer hat den fröhlichen Fatalismus verräumt, wieso ist die konstruktive Grundhaltung nicht mehr an ihrem Platz und neulich war die gute Laune noch genau dort, wo ich sie hingelegt hatte. Ich weiß, dass sie da war, ich habe sie mehrfach im Vorbeigehen gesehen."
(Maximillian Buddenbohm)
"... seelisch runtergerockt, jahresendverbraucht und dezent angebittert..."
(Maximillian Buddenbohm)
"Vor allem aber, wenn man die Lage der Wirklichkeit bedenkt, träume ich insgesamt verblüffend erbaulich."
(Maximillian Buddenbohm)
"Nachrichten lieber nur als Text oder als Audioversion, kommt das Bild dazu, ist es Überlast."
(Maximillian Buddenbohm)
"Es muss genug vom Tag eher unbelastet sein, dann kann mit dem Rest besser umgegangen werden."
(Maximillian Buddenbohm)
"Wir können aus den Geschichtsbüchern keinen Berechtigungsschein auf eine uns genehme und sich progressiv entwickelnde Weltlage ableiten."
(Maximillian Buddenbohm)
"Ich aber habe ein volles Tiefkühlfach zuhause. Ich lebe im Widerstand gegen die Gemeinheiten des Alltags und komme irgendwie durch."
(Maximillian Buddenbohm)
"Kleine Kinder mit sehr weit gestellter Aufmerksamkeit, mit ungeheuer offener Weltbetrachtung."
(Maximillian Buddenbohm)
"Weitermachen und ab und zu rausgehen. Dann hat man sich ausreichend Mühe gegeben. Der Rest ist Schicksal."
(Maximillian Buddenbohm)
"Vor dem Sushi-Lieferdienst 'Rollmops' liegt eine tote Ratte mitten auf dem Gehweg, eine erste Wespe seziert gerade ihre Nase."
(Maximillian Buddenbohm)
"In Husum stieg ich erleichtert aus dem Zug und staunte kurz über den immer noch heruntergekommenen Bahnhof, an dessen maroden Bahnsteigen man auch Filme über die Ostblockvergangenheit anderer Staaten drehen könnte."
(Maximillian Buddenbohm)
"Die Stadt legt die ungewohnte, nur geliehene Edelverkleidung hastig ab und präsentiert sich wieder im betont gewöhnlichen, vollkommen freudlosen Januarkostüm, wie wir es seit vielen Jahren kennen. Auf sämtlichen Gesichtern sieht man den hier allgemein üblichen Gesichtsausdruck, standard-unfroh."
(Maximillian Buddenbohm)
"Man könnte glatt darauf wetten, /
Überall belegte Sofas und Betten. /
Überall das Marzipan im Magen, /
Überall das Wohlbehagen. /
Überall wird weihnachtlich umnachtet /
Sehr besinnlich Raufaser betrachtet." //
(Maximillian Buddenbohm)
"... gab es bei diesen Sportlerinnen und Sportlern eine seltsame Entwicklung zu
beobachten (...): das Verschwinden der Farben aus der Modellpalette.
Alles lief ninjaoptimiert in schwarzer Montur, manchmal auch in Betontönen, in Variationen von Schlamm, Lehm, Sand und Granit.
(Maximillian Buddenbohm)
"Was man so macht. Als eingespieltes Paar mit drei, vier unschönen Dauerthemen und mit einigen vom Schicksal launig weiter zugespielten Ereigniskarten aus der 2025er Edition des Spiels."
(Maximillian Buddenbohm)
"Am 4. Dezember beendet die erste Kollegin den Call über verschiedene Standorte hinweg mit 'Ja, dann: Frohes Fest!' Womit wir plangemäß die nächste Eskalationsstufe erreichen und rechts und links die Menschen aus den Büros und Home-Offices wahlweise in saisonale Krankheiten oder Resturlaube wegbrechen, alternativ aber auch unter der Restarbeit zusammen."
"Maximillian Buddenbohm)
"... Verzicht. Der früher in Verbindung mit der Moral recht naheliegend war und in allen Modellen der Weltausdeutung vollkommen üblicherweise vorkam, heute aber eher unter Gottseibeiuns fällt."
(Maximillian Buddenbohm)
... eingehendes Studium der Bösartigkeit unserer Wirklichkeit."
(Maximillian Buddenbohm)
Herr Buddenbohm
mahnt
beim Herbstgenießen zur Eile:
"Es eilt auch, wie immer eilt es alles schon. Denn die ersten Bäume, ich sehe es im schwächer werdenden Gegenlicht des Sonnenuntergangs, sind fast kahl, nackte Äste sind bereits zu sehen. Einige dramatisch zitternde letzte Blätter, die aus ihrem Fallen eine große Show machen, die Grandezza des Verfalls. Eine Show, der man gerne zusieht, auch wenn es eine Wiederholung ist, auch wenn wir wissen, wie es ausgeht."
"Die Strohblumen entscheiden sich allerdings nach Kontakt mit dem Wasser in der Vase größtenteils für den spontanen Freitod und lassen sich final hängen.
Es ist nicht immer einfach, den Alltag verlässlich aufzuhellen." (Maximillian Buddenbohm)
"Es gehört auch zum Menschsein, denke ich, es macht uns auch aus, dass wir in der Lage sind, die eigene Art knalldumm und furchtbar zu finden. Ich glaube nicht, dass andere Lebewesen auf diesem Planeten dazu auch nur ansatzweise befähigt sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Ameise in ihrer rastlosen Arbeit irgendwann innehält, ihre Verwandten ansieht und skeptisch denkt: 'Was sind wir denn bitte für eine schauderhafte Gurkentruppe.'"
(Maximillian Buddenbohm)
"... blüht die Akelei unter dem Flieder in einem gediegenen Lilaton, in einer ausgesprochen vornehmen Farbe. Diese Blume vielleicht lieber siezen, sie sieht danach aus."
(Maximillian Buddenbohm)
"Die Kartoffeln dagegen geben sich unverwüstlich und dienstbeflissen wie immer. (...)
Die Robustheit der Kartoffeln ist so beeindruckend wie beim Löwenzahn, ein einziges pflanzliches Dennoch. (...)
Er wirkt im Moment doch etwas überambitioniert, dieser Rasen, er ist sichtlich dschungelwillig."
(Maximillian Buddenbohm)
"Am lilafarbenen Flieder neben der Laube flattert ein orangeweißer Aurorafalter. Er lässt sich von Blüte zu Blüte treiben, und ist es nicht schön und dankenswert, wenn man Farbkombinationen sieht, die uns nicht sofort an Parteien erinnern? Bitte weiterhin nichts mit Lilaweißorange gründen."
(Maximillian Buddenbohm)
"Entscheidet man sich für die positive Gefühlslage, dann lastet besonders viel Druck auf diesem Tag, dann muss da verdammt viel Genuss in die wenigen Stunden, Sommergefühle wie damals, oder weit, weit fortgeschrittene Frühlingsgefühle zumindest, Gartenspaß oder Spaziergangslust, das finde ich schon wieder etwas herausfordernd und neige spontan eher zum Trotz, ob all dieser unvermuteten Anforderungen. Der Freundeskreis Reaktanz zieht sich wie immer zunächst schmollend zurück.
Ich mach doch nicht was, nur weil Wetter!"
(Maximillian Buddenbohm)
"Draußen jetzt bei 12 Grad auch wieder um Blöcke kurvende Cabrio-Fahrer, die so gucken, als hätten sie den ganzen Frühling selbst bezahlt."
(Maximillian Buddenbohm)
"Kleine Kinder mit sehr weit gestellter Aufmerksamkeit, mit ungeheuer offener Weltbetrachtung."
(Maximillian Buddenbohm)
"Ich aber habe ein volles Tiefkühlfach zuhause. Ich lebe im Widerstand gegen die Gemeinheiten des Alltags und komme irgendwie durch."
(Maximillian Buddenbohm)
"Auf dem durchweichten Acker neben dem Haus der Eltern der
Herzdame sehen wir dann gleich drei Störche, sie staksen
langsam durch den Schlamm. Man hat es in manchen Zugvogelkreisen
in den Zeiten des Klimawandels nicht mehr so mit der
mühseligen Reise in den Süden." (Maximillian Buddenbohm)
"Die Weser hat dort [in Minden] ... heute Amazonasambitionen." (Maximillian Buddenbohm)
"Man hat da so einen Tag, 24 lange Stunden, die, machen wir uns
nichts vor, zu einem erheblichen Teil aus vollkommen unsagbaren
Inhalten bestehen, die aus verschiedenen Gründen keineswegs in
die Öffentlichkeit gehören, die zu einem anderen und manchmal
nicht eben kleinen Teil aus erzlangweiligen, steingrauen
Wiederholungen bestehen, für die man schon weit fortgeschritten
im Zen-Geist sein müsste, um sie wirklich genießen zu können."
(Maximillian Buddenbohm) --
Hier fiel mir Wim Wenders noch zu sehender Film
"Perfect Days",
der ein Leben und Alltag eines Toilettenreiniger
zeigt
und ebensolche Wiederholungen gerade im Land des Zen-Geistes.
"Dunkelkalendarisches" (Totensonntag, Volkstrauertag, Allerseelen, Raunächte) - this made my november, december, january...
- Kann man die Heiligsprechung von
Maximillian Buddenbohm
eventuell schon praehum in die Wege leiten?
"Einige Bäume auf dem Spielplatz vor unserem Haus verlieren heute ihr Laub in einer Geschwindigkeit, als müssten sie zwingend pünktlich zum 1. November kahl sein, es regnet bei jedem Windstoß Hunderte Blätter herunter und es sieht überzeugend so aus, als sei der goldene Herbst für uns in diesem Jahr nur für einen einzigen Tag buchbar gewesen. Es wird schon alles wieder abgeräumt, Kulissenwechsel, nächstes Bild Winter.
(Maximillian Buddenbohm)
"Der Januar ist kurz vor Schluss doch noch eingerastet, was sich in grundlos schlechter Stimmung ausdrückt, die sich, ich habe da Erfahrungswerte, im dümmsten Fall noch bis in den rettenden März ziehen wird. Kalendarisch abrufbare chronische Katastrophenstimmung, abgekürzt einfach KACK."
(Maximillian Buddenbohm)
"Ich setze mich in einen Sessel und gucke vor mich hin, was sich sofort sensationell bescheuert anfühlt. Und dazu gleich auch die obligatorischen Loriot-Soundfiles im Kopf, „Lies doch was!“ und dergleichen, man kann das ja in meiner Generation alles zuverlässig aufsagen und ehrlich gesagt, so großartig Loriot war, es kann auch die wahre Gedankenpest sein, was er alles für die Ewigkeit geschrieben hat." (Maximillian Buddenbohm)
"Anfang August ist das Jahr aber schon klar abschüssig, da läuft ja alles schon auf den Frühherbst zu, da sieht man es in der Natur schon kippen, also normalerweise jedenfalls. Da ist es tagsüber noch heiß, aber abends vielleicht schon nicht mehr, es wird auch schon wieder früher dunkel usw., Sie kennen das. Der Sommer hat da bereits diese gewisse Ahnung von Endlichkeit, und mit jedem Tag wird sie deutlicher, bis man sich endlich Anfang September hinsetzt und mit viel Ach und wohligem Weh im Herzen wieder Herbstgedichte schreibt."
(Maximillian Buddenbohm)
"Ich schneide einen Meter weiter das Braune im Erdbeerbeet weg. Das ist eine simple Regel, das Braune muss weg, das gilt anderswo genauso schlicht. Kein Gartentag ohne Metaphern, alte Regel."
(Maximillian Buddenbohm)
"Wie lange ich schon keinen Rollkoffer mehr gehört habe – das immerhin ist doch schön an der Pandemie. Niemand rollkoffert mehr morgens um 5 an unseren Fenstern vorbei zum Bahnhof und weckt dabei die ganze Straße. Und ich höre auch keine betrunkenen Fußballfans mehr, die nachts die Straße entlang grölen und sich brüllend immer wieder versichern, wie toll sie sind, um sich schließlich an Laternen zu übergeben. Oh ja, wir wollen Vorteile sammeln, Pandemiegewinne."
(Maximillian Buddenbohm)
"Wobei ich eigentlich mittlerweile glaube, dass unser Denken, auf das wir so stolz sind, nur eine reine ABM-Maßnahme unseres allzu leistungsfähigen Hirns ist. Das ist ja nur so irre leistungsfähig, weil wir damit überlebensfähig wurden, vor zig Jahrtausenden, aber heute ist Überleben dermaßen einfach und billig, wir denken nur noch tagesfüllend in der Gegend und im Kreis herum und bilden uns etwas darauf ein, dabei ist das alles nicht mehr als fortwährender Übungsbetrieb, damit die Neuronen nicht rotten."
(Maximillian Buddenbohm)
"Ich stand also stoisch auf und warf mich in meinen Anzug wie ein Kriegsheld in seine Uniform. Ich schritt zackig durch die übliche Morgenroutine und niemand hätte mir auch nur das geringste Zögern oder Zagen angemerkt, vermute ich jedenfalls. Nur ich ging an diesem Morgen los, die anderen Familienmitglieder hatten noch verschiedene Formen von frei. Nur ich stand zur Unzeit früh auf und spielte mit einer Intensität Alltag, als sei das die Rolle meines Lebens. Nur ich ging auf die Minute pünktlich aus der Tür und stellte mir dabei lebhaft die Bewunderung der anderen drei Buddenbohms vor, von denen aber, wie ich erst später am Tage erfuhr, keiner auch nur aufgewacht war, um meinen mustergültigen Abgang zu erleben."
(Maximillian Buddenbohm)
"Es war regnerisch, es wurde kühler (...), ich passte für einen Moment nicht auf und brach mir prompt die Stimmung.
(...) Hätte ich ein wenig mehr Neigung zur exaltierten Aktion, es wäre ein
Tag fürs permanente Händeringen und lautes Hadern gewesen."
(Maximillian Buddenbohm)
Man weiß heute nicht recht, ob man nach zwei, drei Stunden ohne Ticker irgendeine fatale Weltenwendung womöglich verpasst hat, und dann steht man doof da, während um einen herum schon alle die Koffer packen und flüchten. Oder Sonnenblumenöl kaufen."
(Maximillian Buddenbohm)
"Heute die Sonne, heute raus, eine Stimmung wie beim Osterspaziergang, auch mal wieder Goethe lesen, nein, deklamieren. Die Menschen treten aus den Häusern und eilen in die Parks und auf die Grünflächen, man zeigt auf Krokusse, man macht nach alter Regel alberne Krokuspluralwitze, hält sein Gesicht in die Sonne, sagt "Ah!" und bastelt am Vitamin D. Die nächste Tablette vielleicht doch mal weglassen."
(Maximillian Buddenbohm)
"Das ist nämlich eine nicht zu unterschätzende Bereicherung durch das Lesen: Anderes für grundsätzlich möglich halten." (Maximillian Buddenbohm)
"Krähen haben, ist Ihnen das schon einmal aufgefallen, einen besonders schönen Abflughupf. Sie hüpfen in die Luft und lasse sich dann dermaßen butterweich in die ausgebreiteten Flügel fallen – es muss wunderschön sein, so etwas zu können. Unser erdgebundenes Losgehen ist dagegen gar nichts, eine unvergnügliche Bewegung ohne jede Eleganz. Man muss auch erkennen, wo man nicht mithalten kann."
(Maximillian Buddenbohm)
"Ich bin weiterhin enorm leicht zeitlich zu verwirren. Sagen Sie mir einen Wochentag, ich nehme ihn."
(Maximillian Buddenbohm)
"Anfang August ist das Jahr aber schon klar abschüssig, da läuft ja alles schon auf den Frühherbst zu, da sieht man es in der Natur schon kippen, also normalerweise jedenfalls. Da ist es tagsüber noch heiß, aber abends vielleicht schon nicht mehr, es wird auch schon wieder früher dunkel usw., Sie kennen das. Der Sommer hat da bereits diese gewisse Ahnung von Endlichkeit, und mit jedem Tag wird sie deutlicher, bis man sich endlich Anfang September hinsetzt und mit viel Ach und wohligem Weh im Herzen wieder Herbstgedichte schreibt."
(Maximillian Buddenbohm)
"Nur Unsinn fürs Leben gelernt! Das aber gründlich." (Maximillian Buddenbohm)
"Ich schneide einen Meter weiter das Braune im Erdbeerbeet weg. Das ist eine simple Regel, das Braune muss weg, das gilt anderswo genauso schlicht. Kein Gartentag ohne Metaphern, alte Regel."
(Maximillian Buddenbohm)
"Wobei ich eigentlich mittlerweile glaube, dass unser Denken, auf das wir so stolz sind, nur eine reine ABM-Maßnahme unseres allzu leistungsfähigen Hirns ist. Das ist ja nur so irre leistungsfähig, weil wir damit überlebensfähig wurden, vor zig Jahrtausenden, aber heute ist Überleben dermaßen einfach und billig, wir denken nur noch tagesfüllend in der Gegend und im Kreis herum und bilden uns etwas darauf ein, dabei ist das alles nicht mehr als fortwährender Übungsbetrieb, damit die Neuronen nicht rotten."
(Maximillian Buddenbohm)
"Wie lange ich schon keinen Rollkoffer mehr gehört habe – das immerhin ist doch schön an der Pandemie. Niemand rollkoffert mehr morgens um 5 an unseren Fenstern vorbei zum Bahnhof und weckt dabei die ganze Straße. Und ich höre auch keine betrunkenen Fußballfans mehr, die nachts die Straße entlang grölen und sich brüllend immer wieder versichern, wie toll sie sind, um sich schließlich an Laternen zu übergeben. Oh ja, wir wollen Vorteile sammeln, Pandemiegewinne."
(Maximillian Buddenbohm)
"Jede Verschrobenheit ist irgendwie positiv zu nutzen." (Maximillian Buddenbohm)
"Es war regnerisch, es wurde kühler (...), ich passte für einen Moment nicht auf und brach mir prompt die Stimmung.
(...) Hätte ich ein wenig mehr Neigung zur exaltierten Aktion, es wäre ein
Tag fürs permanente Händeringen und lautes Hadern gewesen."
(Maximillian Buddenbohm)
"sich wie seelisch frisch durchgeharkt fühlen." (Maximillian Buddenbohm)
"Ich stand also stoisch auf und warf mich in meinen Anzug wie ein Kriegsheld in seine Uniform. Ich schritt zackig durch die übliche Morgenroutine und niemand hätte mir auch nur das geringste Zögern oder Zagen angemerkt, vermute ich jedenfalls. Nur ich ging an diesem Morgen los, die anderen Familienmitglieder hatten noch verschiedene Formen von frei. Nur ich stand zur Unzeit früh auf und spielte mit einer Intensität Alltag, als sei das die Rolle meines Lebens. Nur ich ging auf die Minute pünktlich aus der Tür und stellte mir dabei lebhaft die Bewunderung der anderen drei Buddenbohms vor, von denen aber, wie ich erst später am Tage erfuhr, keiner auch nur aufgewacht war, um meinen mustergültigen Abgang zu erleben."
(Maximillian Buddenbohm)
"Auf der Kätzchenweide, das sind diese kleinen Bäumchen mit den
hängenden Ästen, sitzt oben wieder die Heckenbraunelle und singt
und singt. Die Heckenbraunelle sieht aus wie ein stark abgemagerter
Spatz, sie macht beim besten Willen nicht viel her, sie ist
die Unscheinbarkeit in Vogelperson. Aber der Gesang! Der wird
allgemein gar nicht genug gewürdigt, glaube ich, dabei ist die
Heckenbraunelle so etwas wie eine Uptempo-Nachtigall. Schmissige
Melodien ohne diesen nächtlichen Wehmutschmacht, ohne diesen
bei der Nachtigall immer mitklingenden und tendenziell
runterziehenden Anflug von Trauer und Mondsucht. Eher treibend
vorwärts, eher schmetternd, eher licht, wenn nicht sogar
vergnügt. Ich lese die Lebensweise der Heckenbraunelle auf dem Handy nach. Sie hat ein etwas beliebig wirkendes Liebesleben, so lese ich. Sie lebt als Männchen eventuell mit mehreren Weibchen zusammen, als Weibchen aber auch vielleicht mit mehreren Männchen und die Variante, dass mehrere Weibchen mit mehreren Männchen alles durcheinander machen, also wirklich alles, kommt wohl ebenfalls vor. Freie Liebe! Das ist im Grunde ein Hippievogel im Normcoregefieder, hätten Sie das gewusst? Wenn wir die Texte ihrer Lieder verstehen könnten, wir würden uns wundern, glaube ich." -
Es ist inmitten der Tristesse und Traurigkeit ein Vergnügen, Maximillian Buddenbohm
zu lesen.
... fast hätte ich ein Ausrufezeichen gesetzt, quasi Hanseatenekstase." (Maximillian Buddenbohm)
"Ich werde ungnädig, das wird es sein, der Weg zum Nörgelrentner liegt klar vor mir. Dazu passt auch meine phänomenal schlechte Laune heute, für die mir nicht einmal ein plausibler Grund einfallen wollte, der Tag war einfach nicht meiner, aber es wollte ihn mir auch keiner abnehmen."
(Maximillian Buddenbohm)
"Mir fehlt eher der Friseurbesuch, denn meiner ist ausgebucht
bis weit in den Juni und hat mir neulich, als ich ihn auf
der Straße traf, kurz freundlich zugerufen: 'Sieht doch noch
gut aus!' Ja, okay. Wenn man Robinson Crusoe als Modell
nimmt vielleicht."
(Maximillian Buddenbohm)
"Es ist ja auch so, für den Rest unserer Leben werden wir alle, wann immer eine Gegend, eine Straße oder ein Ort eigentümlich leer sein werden, unweigerlich “Das sieht ja aus wie damals bei Corona” sagen müssen – und die Enkel werden irgendwann die Augen rollen dabei und leise stöhnen: 'Ja, ja, ist gut.'"
(Maximillian Buddenbohm)
"Anmerkung zur Stochastik",
wieder ein Glanzlicht von Maximillian Buddenbohm. Solche Texte
wird man später in einem seiner Bücher vorfinden.
"Laut der Wikipedia ist die Komfortzone (...) nur ein
Begriff der Populärpsychologie, das ist schon einmal
eine wunderschöne Begriffsbeleidigung, die nicht in
jeder Fachrichtung klappt."
(Maximillian Buddenbohm)
"... wird auf vielfachen Wunsch abends im Kinderzimmer
die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens vorgelesen.
(...)
Wir haben (...) gemeinsam festgestellt, dass etwa Nebel,
der in einem Buch beschrieben wird, nur richtig gut
dargestellt ist, wenn man beim Lesen die Decken
unwillkürlich fester um sich zieht."
(Maximillian Buddenbohm)
"Im Gegensatz zu Sohn I schläft die Herzdame gerne ein, während ich vorlese, ein immer etwas zweifelhaftes Kompliment für Vorleser."
(Maximillian Buddenbohm)
"An der Straße vor dem Büro hängen Werbeplakate für
Konzerte von Angelo Branduardi und Shakin’ Stevens,
das ist erstens in dieser Kombination wirklich
unpassend und wirkt zweitens auch verunsichernd
bezüglich der aktuellen Jahreszahl."
(Buddenbohm)
"...lieber in der Laube geschlafen, die kühlt abends wenigstens etwas runter, wenn man alle Fenster öffnet, wobei dabei allerdings auch interessante Tiere in spannenden Formaten ins Haus kommen."
(Buddenbohms)
Buchgeschäfte sind immerhin so etwas wie die Pandabären des Einzelhandels. Alle finden sie schön und süß und keiner darf ihnen etwas tun, auch wenn ringsum alles andere zum Teufel geht und es immer schwieriger wird, sie am Leben zu erhalten. (Maximillian Buddenbohm)
Stevenson meisterhaft wie immer, ich habe es dennoch wieder weggelegt. Das klingt übrigens immer noch besser und gepflegter als wieder weggeklickt, nicht wahr? Tatsächlich wurde es sogar eher weggewischt, wenn man es sprachlich genau nimmt. Ein Zeigefingerstrich durchs Menü. Am Ende ist das Lesen auf dem Tablet vielleicht doch etwas herabwürdigend für die Werke, wer weiß. (Maximilian Buddenbohm)
Ich trage das Kind auf den Schultern, der Weg nach Hause ist gar nicht mal so kurz. Im Gegenteil, der ist sogar ziemlich lang. Der Sohn ist schlapp und hat keine rechte Körperspannung, er hängt mir im Nacken wie ein nasser Mehlsack. Kinder ohne Körperspannung haben doppeltes Gewicht, alte Regel. Gottseidank ist er erst vier Jahre alt, damit kommt man noch eine Weile zurecht. Sein sechsjähriger Bruder wäre noch ein ganz anderes Problem, denn Kinder in dem Alter kann man nur im Film meilenweit tragen, in der Wirklichkeit braucht man bereits nach einem Block einen Orthopäden. Oder eine Sackkarre.
(Maximilian Buddenbohm)
"Dein Lieblings-Wochenends-Ritual? - Mittagsschlaf. Das klingt vielleicht wie ein Scherz, ist aber vollkommen ernst gemeint. Das Leben wäre ein wenig schöner, gäbe es nur mehr Mittagsschlaf. Nickerchen werden in der modernen Gesellschaft aber leider dramatisch unterschätzt. Die Herzdame gehört in diesem Sinne auch zur modernen Gesellschaft, die Söhne sowieso, die sind sogar extrem modern und lehnen Schlaf generell ab." (Maximilian Buddenbohm)
"Benennungszauber. All die Namen wissen und murmeln, das ist auch mal schön.
(...) Es gibt, das habe ich mehrfach gelesen, einen Zusammenhang zwischen
diesem Benennenkönnen und der Wahrnehmung, das ist auch gut vorstellbar. Was wir nicht mehr bezeichnen können, das fällt aus unserer Wahrnehmung – und damit auch aus der zugemessenen Wichtigkeit. Das ist dann eben nur noch Straßenbegleitgrün und dergleichen, und es ist uns eher egal."
(Maximillian Buddenbohm)
"Man ist mit seinen Erfahrungen, auch mit den kleinteiligen, immer noch weniger allein, als man ohnehin schon denkt." (Maximillian Buddenbohm)
"Das liegt natürlich an meinem Jahrgang und ist der Lauf der Welt, man wird immer konservativer in Kleinigkeiten, langsamer in der Anpassung auch, und viele Dinge und Prozesse sollen allmählich bitte so bleiben, wie sie sind, denn ich sah, es war gut." (Maximillian Buddenbohm)
"Ich habe sehr schlecht geträumt, ungewöhnlich schlecht. Auf eine spektakuläre Art schlecht, der man ein ganzes Kapitel in einem Psychologiebuch widmen könnte."
(Maximillian Buddenbohm)
"Vermögende Menschen haben immer schon, quer durch alle Zeiten, Menschen mit wesentlich weniger Geld gerne nette Tipps gegeben, wie es sich bescheiden gut leben lässt."
(Maximillian Buddenbohm)
Maximillian Buddenbohm
hatte einen Geschichtslehrer, "der ab und zu im Unterricht taumelnd nach einem Stuhl griff und sagte:
'Gestatten Sie bitte, dass ich mich setze, ob Ihrer Dummheit.'"
"Zusammensuchen, was einem noch guttut, das wird jetzt wichtiger." (Maximillian Buddenbohm)
"Ich habe unseren Nachnamen auf Grabsteinen gelesen, so etwas erdet auch." (Maximillian Buddenbohm)
"Spartaner stehen im September vor Stollen und gucken sparsam." (Maximillian Buddenbohm)
"Ich bin fast den ganzen Tag allein in der Wohnung und ich liebe es.
Schreiben, Lesen, Gucken und Denken, fast planlos, fast zeitverschwendend.
(...) Mir fehlen solche Tage sehr, und ich denke zwischendurch, wenn ich
nur ein paar mehr dieser Art hätte, ich wüsste doch etwas besser, wer ich
bin. Man kommt nicht nur zu nichts, man kommt auch nicht zu sich."
(Maximillian Buddenbohm)
"Auf dem durchweichten Acker neben dem Haus der Eltern der
Herzdame sehen wir dann gleich drei Störche, sie staksen
langsam durch den Schlamm. Man hat es in manchen Zugvogelkreisen
in den Zeiten des Klimawandels nicht mehr so mit der
mühseligen Reise in den Süden." (Maximillian Buddenbohm)
"Der innere Grinch ist stark in mir in diesem Jahr, ich halte mich nur mühsam zurück und garantiere im weiteren Verlauf für nichts. Nie schienen mir Besinnlichkeitsmarketing, Weltlage und eigene Verfassung inkompatibler."
(Maximillian Buddenbohm)
"Die Weser hat dort [in Minden] ... heute Amazonasambitionen." (Maximillian Buddenbohm)
"Ich bin nicht der Kandidat der Wahl, wenn es um lockere Spontaneität geht. Ich bin eher der Typ Schienenfahrzeug."
(Maximillian Buddenbohm)
"Es gehört auch zum Menschsein, denke ich, es macht uns auch aus, dass wir in der Lage sind, die eigene Art knalldumm und furchtbar zu finden. Ich glaube nicht, dass andere Lebewesen auf diesem Planeten dazu auch nur ansatzweise befähigt sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Ameise in ihrer rastlosen Arbeit irgendwann innehält, ihre Verwandten ansieht und skeptisch denkt: 'Was sind wir denn bitte für eine schauderhafte Gurkentruppe.'"
(Maximillian Buddenbohm)
"... blüht die Akelei unter dem Flieder in einem gediegenen Lilaton, in einer ausgesprochen vornehmen Farbe. Diese Blume vielleicht lieber siezen, sie sieht danach aus."
(Maximillian Buddenbohm)
"Die Kartoffeln dagegen geben sich unverwüstlich und dienstbeflissen wie immer. (...)
Die Robustheit der Kartoffeln ist so beeindruckend wie beim Löwenzahn, ein einziges pflanzliches Dennoch."
(Maximillian Buddenbohm)
"Um Thomas Mann uhrzeitgerecht aus der Küche heraus zu zitieren: 'Unordnung und frühes Leid.'" (Maximillian Buddenbohm)
"Am lilafarbenen Flieder neben der Laube flattert ein orangeweißer Aurorafalter. Er
lässt sich von Blüte zu Blüte treiben, und ist es nicht schön und dankenswert,
wenn man Farbkombinationen sieht, die uns nicht sofort an Parteien erinnern?
Bitte weiterhin nichts mit Lilaweißorange gründen. (...)
Die Pfingstrose scheint wieder gewaltig nachzugehen, sehe ich beim Abschreiten
der Beete. Es ist eine selten undisziplinierte Pflanze und es ist ihr empörend
gleichgültig, wie oft man das anspricht. Staudenführung ist auch nicht einfach."
(Maximillian Buddenbohm)
"Entscheidet man sich für die positive Gefühlslage, dann lastet besonders viel Druck auf diesem Tag, dann muss da verdammt viel Genuss in die wenigen Stunden, Sommergefühle wie damals, oder weit, weit fortgeschrittene Frühlingsgefühle zumindest, Gartenspaß oder Spaziergangslust, das finde ich schon wieder etwas herausfordernd und neige spontan eher zum Trotz, ob all dieser unvermuteten Anforderungen. Der Freundeskreis Reaktanz zieht sich wie immer zunächst schmollend zurück.
Ich mach doch nicht was, nur weil Wetter!"
(Maximillian Buddenbohm)
"Man wird den Wirren der Welt nicht zugeneigter mit den Jahren." (Maximillian Buddenbohm)
"Draußen jetzt bei 12 Grad auch wieder um Blöcke kurvende Cabrio-Fahrer, die so gucken, als hätten sie den ganzen Frühling selbst bezahlt."
(Maximillian Buddenbohm)
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