Notate: Rebloggeria

Themenbereich: Bemerkenswerte Notate aus Weblogs


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Was anderswo oft untergeht, in Archiven verschwindet - beispielsweise Getwittertes - diese kleinen Notate sollen hier thematisch gesammelt werden. An dieser Stelle Fundstücke aus Weblogs, die ich für gutbe/fand.


  "Die Menschen hier würden ihre Haare als Privatsphäre verwenden; wenn sie allein sein möchten, senken sie die Köpfe und lassen sich von ihren Haaren umgeben." (Camp Catatonia)

  "... den Rest des Tages mit einem solide betrübten Schleier verbracht." (Hmbl-Blog) -

  "... bat eine fremde Person einen Freund von mir um Geld. Die fremde Person war mehrere Köpfe kleiner, deutlich schmächtiger und auch allgemein in einem eklatant weniger vitalen Zustand als der Freund, leitete ihre Ansprache dennoch mit den Worten 'keine Angst, ich tu nichts!' ein. Der Freund antwortete nach einem Moment Stille in einem Tonfall, der 99% Gelassenheit und 1 % Amüsement enthielt: 'Davon ging ich aus'." (Novemberregen)

  "Sie ist (...) so vernebelt wie ich es sonst nur Jugendlichen nachsehe, die noch nicht wissen, dass die Wirklichkeit immer komplexer als die einfachste Lösung ist." (Betonflüsterer)

  "Große Menschheitsfragen gibt es nicht viele. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin und was für ne Scheisse ist dazwischen. Das war’s dann grob." (Kluges & Scheiß)

  "Auch mentales Training hab‘ ich schon probiert. Dabei stellt man sich vor, der Schmerz löse sich auf oder assoziiert ihn mit einem angenehmen Gefühl, etwa einer sich ausbreitenden Wärme. Funktioniert so mittelschlecht, obwohl ich auf diesem Gebiet einst den schwarzen Gürtel trug. Mein Bootcamp Zahnarztbesuche, und wer braucht schon Peitschenhiebe, wenn er auch eine Wurzelbehandlung haben kann." (Kluges & Scheiß)

  "In der Umkleidekabine war dann eine unfreundliche Frau. Normalerweise sind da alle Frauen immer sehr nett, wir grüßen uns, wünschen schönes Schwimmen oder schönen Abend oder was auch immer. (...) Wenn verschiedene Menschen sich auf relativ beengtem Raum mit wenig Abstellfläche halbnackt und häufig nass auf rutschigem Boden begegnen, halte ich die freundliche Haltung generell für eine vorausschauende Wahl." (Novemberregen)

  "Ich hörte von einer Freundin, die den Salon anzündete, nein, nein, nur verließ, als ihr die postmenopausale lila Strähne in der Kurzhaarfrisur angeboten wurde." (Novemberregen)

  "Der irre Ivan, der seiner versklavten, gehirngewaschenen Bevölkerung nordkoreanesk das Internet abdreht..." (Mr. Müllbeutel)

  Beim Kiezschreiber eine witzige Replik auf die derzeitige Teuerung: "Katholische Kirche beschließt: Preis für die letzte Ölung steigt um dreißig Prozent."

  "Beim Münchner Oktoberfest wird in diesem Jahr zum ersten Mal ein Grüner 'O’zapft is' rufen. Wird ein Smoothie aus dem Zapfhahn kommen?" (Kiezschreiber)

  "Der Tag endet früh, ich seh noch eine Folge einer Serie auf dem Tablet, dann ist der Sandmann erfolgreich." (DerEmil)

  "Proktologen sind ausnahmslos haarige, bärtige und grimmig dreinschauende Männer. Das mag jetzt wie ein Witz klingen, aber einige Stunden nach dem Besuch der zahlreichen Webseiten hatte ich keine Beschwerden mehr." (mequito)

  "Der Mensch ist der Willkür des Lebens ausgesetzt und versucht nun im Laufe seines Daseins alles was ihm begegnet, in kaubare Stücke zu portionieren." (Frau Klugscheißer)

  "Ein hoher Geräuschpegel, grelles Licht oder ungewöhnliche Menschendichte schlägt in meinem inneren Equilibrium so heftig aus wie eine Schiffschaukel kurz vor dem Überschlag. Trigger für eine starke Aktivierung des Sympathikus, mit dem dann entweder die Flucht oder unterschiedlichste Kampfformate initiiert werden, sind aber, wie jüngst konstatiert, nicht nur negative Auslöser. Selbst eine so schöne Sache wie Vorfreude oder inniges Vermissen führen zu völliger Übersteuerung meiner Reizamplitude. Wo in Liebesliedern rosa getöntes Licht und Schmetterlinge im Bauch auftauchen, habe ich schon Kamikazebomber im Anflug bei Stroboskopbeleuchtung." (Frau Klugscheißer)

  "Ich habe keinen Respekt mehr vor dem Alter, es sei denn sie sind körperlich beeinträchtigt, was Berliner Drängelrentner aber nie sind. Diejenigen, denen man noch Respekt zollen konnte, ohne sich danach unbedingt duschen zu wollen, sind in den goldenen 50ern sozialisiert worden und längst tot oder zumindest siech. Jetzt haben die Egoratten einer sozial verwahrlosten Generation Boomer den Tatterstab übernommen und benehmen sich daneben, in der irrigen Annahme der höchsteigenen Wichtigkeit." (Betonflüsterer)

  "Aus den Boxen spielen sie russische Lieder. Auch Armeelieder. Die Sympathien zu diesem kriegerischen Konflikt ein paar tausend Kilometer weiter östlich sind klar verteilt. Ich trinke russisches Baltika aus St. Petersburg, das es wie auch immer geschafft hat, die Sanktionsschranken zu überwinden, esse russischen Fischsalat, Wareniki, Pelmeni und zum nächsten Aufguss spielen sie Korobeiniki und Katjusha. Der deutsche Südosten hält dem Russen nicht nur die kulinarische Stange. Sollten Sie das alte Deutschland vermissen, weil es bei Ihnen nicht mehr da ist, dann empfiehlt sich das Erzgebirge. Auch wenn die Demografiefrage landesweit längst beantwortet ist, wird der Rest an altem Deutschland aus der Zeit, zu der Sie zur Schule gegangen sind, noch lange hier oben im Erzgebirge überleben. Als Reservat vielleicht. Mit ihren Räuchermännchen. Weihnachtspyramiden. Schwibbögen. Glück auf." (Betonflüsterer)

  "Ohne Frühstück und Kaffee wäre ich eine Gefahr für die Allgemeinheit. “Nüchtern zur Blutabnahme erscheinen” ist der Horror und wäre eigentlich eine NINA Warnung für meine Umgebung wert." (Sigourney)

  "Große Glaubtierfütterung in der katholischen Kirche. Jeder bekommt eine Oblate in den Mund gesteckt." (Kiezschreiber)

  "Der Gatte behauptet, im Katastrophenfall sei ein Überleben ohne Espresso zwar möglich, aber nicht erstrebenswert." (Landlebenblog)

  Da ich zu nix komme, lese ich Blogs meist mit enormer Verzögerung nach, so daß ihr heute in den Genuß von Neujahrs-Content kommt: "... bin ich inzwischen auch der Meinung, dass nicht die Knallkörper, sondern die Knallköppe das Problem sind." (Landlebenblog) -- "2026. 2026. 20fünfundnein26." (Hmbl-Blog)

  "Unser Backofen backt auf der rechten Seite grundsätzlich mehr als auf der linken. Rechts wird alles braun. Ein Ofen mit politischer Botschaft." (Vanessa Giese)

  "Es gibt ja noch die weichen Benefits: Freigetränke, das flüssige Gold der Gaukler, Vorleser, und Fahrensleute." (Uli Hahnemann)

  "Im Grunde genommen sind Studenten der Geisteswissenschaften wie Tauben. Keiner braucht sie, aber man findet sie in jeder Stadt. Sie picken sinnlos vor sich hin und trotzdem ernährt sie der liebe Gott. Niemand hat je einen toten Kunststudenten im Park liegen sehen." (Kiezschreiber)

  "Die eiligen Vorboten der Heiligen Drei Könige sind schon auf dem Weg nach Bethlehem, und sie heißen Hektik, Stress und Schnappatmung." (Landlebenblog)

  "Is schon ganz schön hier, wo wir wohnen, würde der Gatte jetzt sagen, das ist die verschärfte Form der Begeisterung, zu der er sich nur selten hinreißen lässt." (Landlebenblog)

  "Ich mag Schornsteine im tiefen Winter, aus denen weißer Rauch aufsteigt, als habe jedes Heim seinen eigenen Papst gewählt." (Glumm)

  "So bleibt die Abendrunde, wie die Morgenrunde auch, (und wenn es eine Nachmittagsrunde geben würde, dann auch die), mir vorbehalten. Und dem Hund natürlich, dessen Anwesenheit das Gassi Gehen erst offiziell macht. Ohne Hund macht man sich ja verdächtig, wenn man Abend für Abend auf Gummistiefeln durchs stadtnahe Gebüsch strolcht, angeblich mit Minirockblick." (Glumm)

  "Das Licht typisch dezemberlich, mein Gemüt verschattete sich jahreszeitsgemäß." (Kaltmamsell)

  "Es war November. Es war Montag. Die Selbstaufmunterung musste zu verschärften Mitteln greifen." (Kaltmamsell)

  "Bei allem, was man am Universum zurzeit beklagen kann: Der Herbst ist in diesem Jahr besonders wohlgeraten." (Alltägliches & Ausgedachtes)

  "Auf der Wiese im Rheinauenpark graste eine größere Gruppe Wildgänse. Nun also ihr, dachte ich im Vorbeigehen und rief ihnen gedanklich 'Bleibt gesund!' zu. Was heute Stallpflicht für Geflügel ist, hieß für uns vor fünf Jahren - so lange ist das schon her, unglaublich - Homeoffice." (Alltägliches & Ausgedachtes)

  "...überholte mich ein Läufer mit großflächig tätowierter Wade. So etwas sollte meines Erachtens auch in die aktuelle Stadtbild-Diskussion mit einfließen." (Alltägliches & Ausgedachtes)

  "Sensationeller Durchbruch in der Kryptologie: erste Arztunterschrift entziffert." (Kiezschreiber)

  "'Was ist denn hier los?' fragte Gott, als er mal wieder im Sonnensystem war." (Kiezschreiber)

  "Ich bin so deutsch, ich frage AfD-Mitglieder, wo sie ursprünglich herkommen." (Kiezschreiber)

  "Auf dem Fußweg zum Werk begegnete mir eine etwas abgerissene Person unklarer Binärität, vertieft ins Selbstgespräch mit verteilten Rollen." (Alltägliches + Ausgedachtes)

  "Es schraffiert meine Laune halt gleich mal grau, wenn ich zu Regen aufstehe und unterm Schirm in die Arbeit marschiere muss." (Kaltmamsell)

  "Die Wörter 'zuviel' und 'Käse' in einem Satz sind unzulässig." (anjesagt)

  "Früher nannte man den Niedriglohnsektor 'dienstbare Geister'. Das klang doch viel besser, oder?" (Kiezschreiber)

  "Immer wenn man denkt, dass Ausflüchte nicht mehr dümmer werden können, drücken sie im Fahrstuhl den Knopf für eine weitere Etage abwärts." (maschinist)

  "Mit viel Glück könnte der 3. Weltkrieg in sieben Jahren schon vorbei sein." (Christian Köllerer)

  "... zeigte ein Infekt sein komplettes Leistungsportfolio." (Vanessa Giese)

  "Selbstkritik darf man von der Teflongarde der Bundespolitik nicht erwarten." (Kiezschreiber)

  Rot ist die Farbe der Liebe und der Sozialdemokratie, was uns klar machen sollte, dass Farben völlig bedeutungslos sind." (Kiezschreiber)

  "Ein Plakat bewirbt ein Mittel zur "Augenbefeuchtung der Profis", darauf einige junge Männer abgebildet, mutmaßlich Fußballprofis, ich kenne mich da nicht aus. Profis bevorzugen zur Befeuchtung der Augen also ein Drogerieprodukt. Amateure schauen sich dafür Wahlergebnisse an." (Carsten Kubicki)

  Der Tag war sonnig, jedoch windig. Mistral trieb die Wolken nach Süden und lutschte sie dabei klein." (Alltägliches & Ausgedachtes)

  "Es ist nicht immer von Vorteil, von Dingen Ahnung zu haben, wenn es nur eine Ahnung ist." (Alltägliches & Ausgedachtes)

  "Ein weiteres Detail, das dem Hotel allenfalls als gewisse Hellhörigkeit anzulasten ist, waren Kopulationsjuchzer aus dem Nebenzimmer in der Morgenstunde. Beim Frühstück hielt ich Ausschau, wem dieses Vergnügen möglicherweise zuzuordnen wäre." (Carsten Kubicki)

  "Nach meinem Empfinden (...) ist es zurzeit juniunangemessen kalt, was (noch) schlichtere Gemüter auf die Idee bringen könnte, das mit der Klimaerwärmung sei nur grünes Geraune." (Carsten Kubicki)

  Tauben als "SUV der Lüfte". (Anke Gröner)

  "Sagen wir mal einer Person, die sich gerade komplett zwischen Pflege von Angehörigen, Geldsorgen und Job zerreibt 'Carpe Diem!' oder, weniger hoch aufgehängt, jemandem mit akut Magen-Darm. Ich denke, es reicht, wenn wir es immer noch bis zum nächsten Tag schaffen. Wunderbar, wenn es klappt, Spaß dabei zu haben. 'Carpe Diem!' ist ein Luxus für Leute, die nicht wirklich was zu tun haben." (Novemberregen)

  "Jenaer Busfahrer sind hingegen sehr gechillt und warten mit dem Anfahren, bis Sie sich ordentlich gesetzt haben. Bei mir zuhause in Berlin fliegen Sie noch in der Sekunde, in der Sie einen Fuß in den Fahrgastraum gesetzt haben, quer durch selbigen und werden dafür auch noch angeschissen. KANNZA NICH MA FESTHALTN’N! KANNZA? HALTAMAFESTMANN!" (maschinist)

  "Eine Kaffeebude bietet 'Kaffee’s' an, mit dem berühmtesten Bildungsverliererapostroph der Welt." (maschinist)

  "Während ich nach dem Frühstück lesend auf dem Sofa weilte, vernahm ich aus der Küche folgenden Dialog: Siri: 'Was kann ich für dich tun?' - Der Geliebte: 'Mich am A... lecken.' - Siri: 'Ich weiß nicht, was ich darauf sagen soll.'" (Alltägliches + Ausgedachtes)

  "Der Tag begann mit Schlummertastenterror. Ich benutze diese zweifelhafte Weckerfunktion nie, da sie meines Erachtens das Leiden der Lakenvertreibung nur unnötig verlängert." (Alltägliches + Ausgedachtes)

  "Der Meeresspiegel steigt und Noah ist 2023 schon wieder der beliebteste Name für neugeborene Jungs." (Kiezschreiber)

  "Die begleitenden Gespräche blieben im Rahmen meines ostwestfälischen Redebedarfs." (Alltägliches + Ausgedachtes)

  "Der Waschstraßenbesuch kam mir als Entspannungsprogramm gelegen, mein Tag enthielt in weiten Teilen sehr unerwartete Elemente, ich habe manchmal den Eindruck, dass mein Berufsleben irgendeine Netflix-Serie nachspielt, die ich nicht kenne." (Novemberregen)

  "Der Abschluss der Feierlichkeiten am 25. um 13 Uhr fühlte sich für mich so an, wie 'Klassenarbeit frühzeitig abgeben' - alle anderen noch superbusy und ich habe in diesem Moment rein gar nichts zu tun aber auch niemanden zum Spielen." (Novemberregen)

  "Lustig, wie Doofheit sich über die Generationen gar nicht rausmendelt." (Frau Herzbruch)

  "Das arme Kind, ich hoffe, er hat später einen guten Job und einen guten Psychiater, den er an der Kasse vorbei bezahlen kann, die Schlangen werden lang sein, wenn die Generation Pandemie-und-Krieg erst mal selbständig ist." (Frau Herzbruch)

  "In die S-Bahn hat die Anstalt für sozial Inadäquate wie immer ihre Freigänger entlassen. (...) All die Akustikverschmutzer in Berlins stinkendem öffentlichen Nahverkehr." (maschinist)

  "AFD = blauer Voldemort" (maschinist)

  "Falls sie ein richtiges Leben haben, dass sie ausfüllt, und gut zu tun haben, bzw. wenigstens ein Hobby leidenschaftlich nachgegangen und beinahe, lesen sie hier lieber nicht. Ich schaffe nicht einen Absatz ohne Grauen. Inwendig wie von eher außerhalb. Brutal was die Welt derzeit an Tragödien und Grauslichkeiten ausspuckt. Diese Menschheit, in Kombination mit der Natur, wie Don Camillo & Peppone, wie zwei Himmelhunde auf dem Weg zu Hölle. Eine Höllenbrut. Diese Menschheit." (Der Schizophrenist)

  "Winterzeit in einem Herbst aus Sommer" (ANH im Arbeitsjournal zur Zeitumstellung am Sonntag).

  "Besonders ärgerlich an dieser ganzen Corona-Situation ist ja, dass es sich sehr schlecht mit meiner sehr ausgeprägten Kompetitivität verträgt. Ich möchte ja immer gerne Erste sein, und wenn das nicht erreichbar ist, dann ist Letzte für mich eine erstrebenswerte Variante. Ich bin mal im Unterrather Entenrennen – da kaufen Menschen für 5 Euro lustig bemalte Quietscheentchen und setzen sie in den Kittelbach, und dann schwimmen sie da zwei Stunden, und wenn man Glück hat, hat man irgendwas gewonnen – da jedenfalls hatte ich mal eine wirklich sehr wenig performante Ente gekauft, dann war ich lange Zeit im hinteren Mittelfeld, und dann zeichnete sich ab, dass meine Ente von Hunderten von Enten als letzte ankommt, und dann war das für mich auch okay. Hintenraus wurde meine Ente dann Zweitletzte, das hat mich traurig gemacht." (Herzbruch)

  "Die Jugend trägt unsere Fackel der Idiotie weiter." (maschinist)

  "... daß es immer noch so läuft, wie es immer läuft: Oben kackt nach unten." (maschinist)

  "In der Arbeit große Klötze geschoben, gut weitergekommen. (Inkl. dem Klassiker: überraschend ungestörte intensive Produktivität wegen versehentlich auf AB umgeschaltetem Telefon.)" (Kaltmamsell)

  "Die meisten, die heute Maßnahmen des Staates 'kritisch hinterfragen' und sich auf der Straße zusammenrotten, hat es jahrzehntelang einen Dreck interessiert, was der Staat so alles macht oder nicht macht. Vorratsdatenspeicherung, NSA, DSVGO, Staatstrojaner, Organspende Opt-Out, NSU-Affäre, Online-Durchsuchung... alles egal, alles fein, wer wird denn gleich? Pfff, mich betrifft's ja nicht. Wer nichts zu verbergen hat... Klar, Demos hat es hier und da gegeben, aber kein Vergleich mit der Spaziergeisterbahn, die momentan abgeht. Jetzt, wo es um einen kostenlos bereitgestellten Impfstoff zur Eindämmung einer Pandemie geht und wo ausnahmsweise der Einzelne mal gefordert ist, was zu tun, werden plötzlich alle zu scharfen Kritikern, die aber sowas von genau hinschauen und sich zu Opfern eines von ihnen herbeihalluzinierten faschistischen Staates aufspielen." (Fliegende Bretter)

  Hefeteig ist nichts für straffe Zeitpläne. (Kaltmamsell)

  "So geht das Jahr wundgescheuert zu Ende. Unerträglicher noch als das letzte Seuchenjahr. Dünnhäutiger. Lauter. Verzerrter. Entzündeter. Noch unlogischer. Ihr alter Gesellschaftsentwurf ist in dieser ersten echten Bewährungsprobe eine Havarie. So viele Gesichtsverluste. Blanke Nerven. So viele zerschnittene Tischtücher. Krakeele. Gekloppe. So viel Fanatismus. Übergeschnapptheit. Alles unerträglich laut. Eine fürchterliche Zeit." (maschinist)

  "Komisch, dass ich die Pizza noch schmecken kann, die ich mir paypalbezahlt habe kommen lassen vom Pizzamann, den ich aus Fairnessgründen von weitem gewarnt habe: Vorsicht. Ich habe Corinna. Legen Sie die Pizza auf den Treppenabsatz. Ich rolle Ihnen das Trinkgeld rüber. Doch er wollte das Trinkgeld nicht, sondern flüchtete. Will wohl nicht sterben, der Mann. Ich versuche, es nicht persönlich zu nehmen. Er hat ja Recht. Reicht ja wenn einer stirbt. Als lockerer erwies sich der DHL-Mann, der mir endlich den Rammsteinwhisky gebracht hat. Bleiben Sie besser auf Abstand, sage ich zu dem Albaner. Ich bin bald tot. Ich hab‘ Coronner. Egal, sagt der. Machsu kein Sorrrge. Hattisch schon zwei Mal. Was? Und Sie leben noch? Siehstudoch. Lebischnoch. Hahaha. Krass, diese Albaner. Tollkühne Typen aus Stahl. Kein Wunder, dass die bei DHL die Polen abgelöst haben, die die Deutschen abgelöst haben." (maschinist)

  Der maschinist hat Corona bekommen und führt ein Tagebuch: "Ich möchte gerne mit einem hässlichen Potpourri voller Düsternis, Trübsal und Tränenschwärze abtreten. (...) Ich weiß gar nicht, wie man das alles organisiert. Ich weiß auch gar nicht, wie man das regelt. Vorher bezahlt. Ich weiß mal wieder gar nix. Die Friedhofsverwaltung anrufen? Das Bezirksamt? Die Kirche? Da bin ich gar nicht mehr Mitglied. Ausgetreten vor Jahren schon. Als erster (und vermutlich bis heute einziger) dieser chronisch stupidreligiösen Familie, der ich entstamme. Lassen die mich überhaupt auf ihren Friedhof? Ungeimpft und unreligiös? Ich muss das klären. Ich muss alles klären. Ich habe nicht mehr viel Zeit." - Bitte entschuldigt, wenn ich ob seiner Schreibe lachen mußte!

  "Wahltag ist Zahltag. Und die Deutschen wechselten nur Kleingeld." (Der Schizophrenist)

  Das "Dickicht des Narzisstischen (...), das wie eine dicke Nebelbank über allen Beziehungs-Versuchen liegt." (Der Schizophrenist)

  "Der Metzger auf dem Wochenmarkt ist wieder da: eine neue Hüfte hat er bekommen, allerhöchste Zeit war's. Der Eingriff wurde unter lokaler Anästhesie durchgeführt, alles bei vollem Bewußtsein; Schneiden, Auslösen, Sägen, Fräsen, Hämmern: es ist schon was, sich einen chirurgischen Eingriff von einem Metzgermeister schildern zu lassen, er ist ja quasi vom Fach." (mouches volantes)

  "... jene Spur Humor, die man an den Tag legt, wenn reines Mitgefühl dem Gegenüber zu deutlich zeigen würde, dass wenig Hoffnung besteht. (...) Überhaupt ist es eine schöne Stimme. Die Mischung aus Mitgefühl, Beschwichtigung und einem Hauch Ironie, weil die Fernanalyse emotional handelnder Personen noch nie etwas gebracht hat." (Mitzi Irsaj)


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