Einsammelbuch
Miszellen eines Monomanen (1)

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Inhalt Mana Mana
Fockeberg
Looksmaxxing
Reerdigung
Mokka-Hits und Milchbar-Träume
ME/CFS (1)
AFD und ihre Wähler
Personalumkleiden
Pedalogie
Musik für Tiere
Mit Erde bauen
Orange & Sonne
Im Schatten bloggen (2)
Im Schatten bloggen (1)
Tempi passati
La Casa Volante
Psychische Lepra
Empathy Perception Gap
Zeitgefühle
Kein Bock mehr
Fatique
ADHS-Musik
Rollenfragen
Ich habe einen Plan
Welcher Tee?
Kein Therapieloch
In Spiellaune
Papstenzyklika zur KI
Emergency World
Trinket Boxes
KI in der Medizin
Volutuswolke
Minnarium
Flucht
Sprechende Häuser
Gottes Nahrung
Leipziger Stadthafen
Puppenbordell Cybrothel
Ehrenrunden
Bestandsaufnahme
Im Leben reisen
Bella Ciao Belantis
Wien(er)
Blütenbildnerin
Berufsbeschreibung
Facepalm
Im Panometer
Sächsisch
Vergeßlich
Ungeduld und Übergang
Fahrstuhl des Grauens
Rauchschwein
Streifzug (1)
Begabt beleidigen
Mankeeping
Finnische Pflege-WGs
Bob Dylan: Shadow Kingdom
Lost in Vatican
Per pedes durch Berlin
Mauer wiederaufbauen
Snake-Handling
Orthopädiealptraum
Matratze, mittelhart
Im DG
Harz & Handball
Chatschkar
KI und Filmkunst
Soziale Atrophie
Annäherungs/Vermeidungsziele
Rentner 1977
Geschichte deutscher Fernsehshows
Hundeopa
Nur für heute
Hilfe!
Hochzeiten
Begleitung
Zebra-Thread
Ich bin 60
Das Leben ist kurz
1914-1933-2014
Arne Semsrott
Es ist vorbei
Radikale Akzeptanz
Cher wird 80
Legofication
Wahl in Sachsen-Anhalt
Dorfbott
Feuerwehrauto
Dreiwegehähne
Sturz und Krücke
Altersabgleich
Hadern in Hamburg
Im Bundestag
Über China
900 ml
Sprachvolten
Autoschilder sammeln
Im Bildermuseum
ME/CFS
Mikrodramen
Nostalgie auf Japanisch
Gute Tage
Aus Protein wird DNA
Buddha-Roboter
Sauerkraut
Bitte um assistierten Suizid
Hühner + Eier
Röschenhof
Regular Animals
Sachsen an Berlin
Uncanny Valley
MOMO/FOBI
Luna
Jenische
Höfe am Brühl
Altes Usenet-Feeling
Ärztemangel
Tusche & Enkaustik
CatsMe
Umgang mit NS-Kunst
KI knackt Erdös-Vermutung
KI: April 2026
KI: Kunst & Kreativität
KI = Apokalypse now?
Chatbots als Psycho-Coach
Sweet Points
Introjektion
Perfekte Liebe?
The Time of Timmy
Gedichte sind immer
Karlsbader Schnitte
HK
Urban Verwildering
Im Kiez
Bestandsaufnahme
Tod durch Ersticken
Mauer wiederaufbauen
Hilfe!
Hochzeiten
Begleitung
1914-1933-2014
Es ist vorbei
Altersabgleich
Hadern in Hamburg
Verbitterung
Natsukashii
Mentales Training
Matratze, mittelhart
Im DG
Winterschlaf
Maximal Verwirrte
Am Möbiusplatz
Farben in Leipzig
Schwarzes Labor
Alien Religion
Mediathekperlen
Dystopische Technokratie
Voices of Holocaust
Kapselhotel
Januarkostüm
Routinierter Schlingerkurs
Gottfried Wilhelm Leibniz
Orforglipron
Fischernte
Interoception
Rabusche
(Zieh)Menschen
Früh übt sich
Pflegegang LK3/91
Mit 11
Konfligieren
Zoo NY
Reisschüssel
Gammeloase
Stumme Schwester
Blauer Heinrich
Haus 10
Ältester Paternoster
Kindliche Mutprobe
Obesity
Das Kind tragen
Weggewischt
Esperanto
Mittagsschlaf
Buchgeschäfte
Alltag spielen
Händeringen
Schlechte Laune
Fronleichnam
W, nicht V!
Tattoos lesen
Kinder verstehen
Übungsbetrieb
Pandemiegewinn
Heckenbraunelle
Anfang August
Fomo
Krokuspluralwitze
Abflughupf
Es war gut
KACK!
Losschwimmen
Benennungszauber
Freundeskreis Reaktanz
Im Garten (2)
Im Garten (1)
Schauderhafte Gurkentruppe
Strohblumen
Normalfatalistisch
Zu sich kommen
Kulissenwechsel
Der innere Grinch
24 lange Stunden
Der Montag
Herbstgenießen
Verschachtelte Untermenüs
Vorweihnachtszeit
Farben
Krawatte binden
Bombendrohung
Umbenennungen
Mauer wiederaufbauen
Sauerteighotel in Kiel
Lecker Date
Lecker Date
Thee+Coffee
Der Nachtbibliothekar
Silent Book Club
Elvira "Puppa" Herbert
Zumutungen
John Prine
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Archiv (1)

[08:48] Dem wachsenden Einfluss der Tech-Branche auf die US-amerikanische Politik und dem fortschreitenden Abbau demokratischer Strukturen widmet sich eine dreiteilige Kulturzeit-Reihe über Vordenker der aus dem Silicon Valley kommenden dystopischen Technokratie, deren Morgendämmerung wir erleben: "Genau diese Welt entsteht gerade vor unseren Augen." Nährmittel für den je eigenen Pessimismus. Teil 1: Ayn Rand / Teil 2: René Girard / Teil 3: Curtis Yarvin. - Im zweiten Teil der 3Sat-Doku ""Control. Alt. Delete" über die Techn-Branche und deren Einfluß auf die Politik der USA und letztlich auch uns geht es um René Girard, der den Begriff des mimetischen Begehrens prägte. Der dritte Einflußnehmer im Bunde ist Curtis Yarvin, der "dunkle Aufklärer" und neue Reaktionär, der Demokratie für fehlerhafte Software hält und dem ein Reboot vorschwebt mit einem CEO wie eben Trump an der Spitze, den er jedoch für noch zu schwach hält. Das ist so unfaßbar, was wirren Köpfen einfällt und wie sie den Tech-Milliardären ein krudes Weltbild zusammenbauen helfen. Eugenik und Faschismus zum Frühstück.

[21:22] Meine Ohrwürmer sammle ich hier. Neuester ist das von Buddenbohms Beifang herausgegriffene "On Ecrit Sur Les Murs" (Kids United). - Dann auch gleich wieder, weil das zum regelmäßigen Ohrwurm-Durchhör-Programm gehört: Take Care Of Me (Les Humphries Singers) mit der unvergleichlichen Elvira "Puppa" Herbert, deren Stimme in "Tell me why" nochmal hörbar ist. Andere Videoaufzeichnungen von ihr fand ich nicht. In einer Sendung der Drehscheibe muß sie vorgekommen sein (1973). Und von der Westernkomödie "Es knallt und die Engel singen" (1974) las ich hierbei zum ersten Mal, wo sie als "Gangster Puppa" mit den The Les Humphries Singers zu sehen und zu hören war: "Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges wirkten die Les Humphries Singer in einem Film mit: 'Les Humphries: Es knallt - und die Engel singen' zeigt die Truppe als fröhliche Gangsterbande in großen, turbulenten Abenteuern. Die Produktion entstand 1973 in Spanien und persifliert das Genre des Mafiafilms. Eine Mafiabande im Amerika der Prohibitionszeit wechselt, nach Misserfolgen in der kriminellen Laufbahn, ins Showgeschäft über. Der Soundtrack besteht aus Hits der Les Humphries Singers."

[07:14] Beim Nachtbibliothekar begegnete ich vor kurzem dem Silent Book Club (SBC). Menschen finden sich vor Ort zusammen, um gemeinsam 1 Stunde zu lesen ("Happy Hour' für Introvertierte"). Hernach kommen sie bestenfalls ins Gespräch. In Leipzig gibt es ein aktives Chapter. Laut Brisant-Bericht ist der Zuspruch so toll, daß Wartelisten existieren, d.h. man muß sich anstellen bzw. ansitzen. Laut Kalender findet am 26. April die nächste Sitzung im Bildermuseum (MdBK) statt.

[15:14] Es gibt einen Menschen in Hamburg, der in Sachen Bücher- und Leseliebe ähnlich wie ich tickt, auch was die Hervorbringung betrifft, nämlich mit seiner Begeisterung nicht hinter dem Berg halten zu können und sie sich im Netz Niederschlag finden zu lassen. Der Nachtbibliothekar betreibt das Stundenblog, die Tage des Lesens und die Nachtbibliothek. Herzliches Winken nach Hamburg! Begegnet bin ich ihm gestern im Fediverse und bin ehrlicherweise perplex, solch einen "Bruder im Geiste" und treuen Besucher meines Bücherlei seit 25 Jahren zu haben. Große Freude also auf meine. bzw. unsere alten Tage, Ludger. Der Leiter der Hamburger Bücherhalle Elbvororte wurde einst - wie auch ich und sehr viele andere - auch von Gesine von Prittwitz interviewt. So ist mir auch die Idee gemeinsamen Leses untergekommen, wie sie der Silent Book Club (SBC) mit Dependance oder besser Chapter in Leipzig belebt und beliest. "Mit Augenzwinkern wird der Silent Book Club auch die 'Happy Hour' für Introvertierte" genannt. Das war heute erstmal aufregend, einem Büchermenschen so zu begegnen, der im Lese=Leben genauso weit fortgeschritten bzw. fortgeblättert hat wie ich. Schon rein aus Neugier werde ich ein Treffen des Leipziger SBC avisieren.

[15:14] Im Grassimuseum für Angewandte Kunst bei den Tee/Kaffeetässchen stehen folgenden Erklärungen: Caffe: Ist ein aus gebrannten oder geroesteten Caffe Bohnen mit siedenden Wasser oder Milch und Sahne vermischtes Getraenke so dass Frauenzimmer taeglich zu trincken pfleget. // Thee: Seynd dunckelgruene laenglichte und von vorn spitzige gedoerrte Blaetter aus China kommend (...) so in siedend Wasser geworffen, und von dem Frauenzimmer zur Gesundheit getruncken, bisweilen auch mit anderen Kraeutern vermischet werden. - Was die nur immer mit den Frauenzimmern hatten. Tranken die Männer nur Bier und Wein?

[19:22] Über Kulturgeschichtliches sehe und höre ich am liebsten. In "Zeit der Narren" wird der Bogen vom Mittelalter an bis ins 19. Jahrhundert gespannt über den Foul, den Verrückten, Narren. Natürliche Narren waren die Auffälligen, Kleinwüchsige, Verwachsene. Sebastian Brants "Das Narreschid" war im 16. Jahrhundert das meistgelesene Buch nach der Bibel. Außergewöhnlich und reizvoll ist, daß in der Dokumentation Stummfilmsequenzen als Untermalung gezeigt werden. Unmengen an Gemälden von Breughel und Bosch sind zu sehen, Tristan und Isolde, Lob der Torheit flankieren den Film. Das Ei symbolisierte damals Törichtsein + Närrischsein.

[10:32] Retweet: Mir wurde als Kind von meiner Oma beigebracht, daß man die Kleiderbügel auf der Kleiderstange alle so hängt, daß man im Fall der Flucht rasch seine ganzen Kleider mit einer Armbewegung greifen kann. Ich denke da jedes Mal dran, wenn ich Kleider aufhänge.

[05:00] Am Wahllokal gestern hatte man auch bei den Straßennamen die Wahl. Schwere Entscheidung. - Die Umbenennung von Portitzer in Jesewitzer Straße wird so begründet: Die davon betroffenen 6 Adressen mit nun neuem Straßennahmen sind durch die Bahnlinie vom nördlich gelegenen Abschnitt der Portitzer Straße getrennt und lediglich durch eine Tunnelunterführung miteinander verbunden. Ebenso umbenannt wurde der kurze Abschnitt zwischen (bei Starkregen regelmäßig gefluteter) Bahnunterführung und Wurzener Straße: aus Püchauer Straße wurde nun die Thallwitzer Straße. Die nun verkürzte, wenn nicht sogar arg kurze Püchauer geht auf Höhe des REWE in die Leonard-Frank-Straße über. Dies übrigens alles ehemaliger Schulweg, als ich 1980 bis 1982 in der 9. und 10. Klasse zur POS Wilhelm-Pieck lief.

[20:56] Ein Vortrag des Soziologen Detlef Pollack bringt der Hörsaal zur Frage "Warum so viele die AfD wählen". Ziemlich fatal ist seine Einschätzung, daß die Politik in der Klemme ist. Sie wird nie leisten können, was die Menschen erwarten, weil sie eine nicht zu befriedigende Anspruchshaltung entwickelt haben. Sie sollte deshalb ehrlich sein und dem Volk die Grenzen so aufzeigen, wie únd wo sie verlaufen. Vertiefend läßt sich der Vortrag von Teresa Völker beifügen, der ausführt, wie es dazu kam, daß rechtsextreme Parteien Themen bestimmen.

[20:41] "Mokka-Hits und Milchbar-Träume" (Teaser) ist eine Revue aus Musik, Tanz, Kabarett, die den Soundtrack von 40 Jahren DDR nachbildet. Ein Kessel Buntes 2.0 von Axel Ranisch und Adam Benzwi. Uraufführung am 14. Juni 2026 im Berliner Schillertheater. Im DLF gab der unglaublich sympathische Axel Ranisch Auskunft und macht einen den Mund wässrig. Titelgebend ist Thomas Natschinskis Evergreen "In der Mokka-Milch-Eisbar". Bei radio3 kann man die Uraufführung vom 14. Juni nachhören.

[16:56] Personalumkleiden sind ein Hort des Unerwarteten. Wenn man sich auf die Schnelle nicht gleich im Treppenhaus umzieht. Oder jemand seinen Schuhschrank deponiert. Oder eine lose Venenkanüle herumliegt. Ist ja nur ein kleiner Piekser. Am ehesten zu verstehen ist der Dildo, dessen Einsatz nach einem stressigen Dienst auf Station nicht abwegig erscheint bzw. kategorisch zur kreativ-entspannenden Pausengestaltung gehören kann.

[16:47] Ein bißchen demütigend ist es schon, wenn der Wege/Transportdienst per Scancode die Aufträge bestätigen muß. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Der Arbeitnehmer gewöhnt sich bestimmt daran; am Anfang stachelt das Mißtrauen nur etwas. Big Arbeitgeber is watching you.

[12:00] Entzückend in mehrfacher Hinsicht. Nachbarschaftsinitiative, gemeinsam Fahrräder in Schuß bringen. Und dann der Name "Pedalogie", Reminiszenz an eine dort zuvor befindliche podologische Praxis. Sprachspiele (Rad & Rat), Gemeinschaftssinn. Hier im Kiez.

[11:05] Der französische Singer-Songwriter Plumes (Loris Assadian) spielt für Tiere. In Bauernhöfen, Zoos, in freier Natur. Ob nun vor Kühen oder Elefanten, Er wird weltweit gebucht. Musik für die geknechtete Kreatur, warum denn nicht auch für Tiere

[07:00] (aus Müdigkeit) "verzittertes Kaffeepulver auf dem Küchenboden". (Herr Buddenbohm)

[06:40] Gestern war Dienstag, zweiter freier Tag von sieben. Dienstag heißt seit einiger Zeit: 11 Uhr Aktivgruppe. Nachdem ich 2025 endlich Hilfe durch eine Psychiaterin in Anspruch genommen hatte, band sie mich in eine Gruppe am Helios-Parkklinikum Leipzig-Probstheida ein, die sich wöchentlich für 90 Minuten trifft, um gemeinsam etwas zu tun. Alternierend am Klinikum selbst (Spiele, Spazieren, Kochen, Brunchen) und aushäusig für Museen, Parks, Spaziergänge, bestimmte Orte aufsuchen. Aktivität = Struktur als Casus knacktus bei Menschen mit Depressionen. Zweie Sozialarbeiterinnen stehen uns zur Seite. Gestern stiegen wir auf den Fockeberg. Das Bergchen ist künstlich errichtet, indem ab 1947 Bauschutt der Leipziger Kriegsruinen abgeladen wurde. In den 60ern wurde das Areal begrünt und ist heute ein lauschiges, erholsames grünes Plätzchen in der Südvorstadt und wird offenbar fürs Mountainbiking genutzt. Etwas makaber die Wegbezeichnung als Grabstein. Witzig die bunten Badewannen als Sitzgelegenheiten. Als Beweisfoto ein Selfie. Bei meinen kurzen Armen kann ich bei Selfies partout nicht lächeln.

[06:00] Hier läuft spanische Renaissancemusik. Unverhofft als Programmansage ein Stück namens "Zum Ekel ist mein Leben mir geworden". SO kann mir der Tag beginnen!

[05:48] In der Kulturzeit vom 7. Mai 2026 ein Bericht über Bauen mit Erde. Im Senegal wurde das neue Goethe-Institut so errichtet. Das heißt, hybrid: Betonskelett und rote Lehmerde. Es muß der deutschen Baunorm entsprechen. Der Priztgerpreisträger Diébédo Francis Kéré ist ein Akteur des Bauens mit Lehmerde und spricht anläßlich seines Buches "Building Stories" über "Architektur, die über Menschen, Glück und Zufälle spricht".

[05:43] Ausgerechnet die Kurz- und Kürzestbeiträge kommen seit heute mit 2 Permalinks daher. Einer verweist auf den gespiegelten Inhalt und dieser führt wieder hierher.

[21:54] Meine musikalische Abschlußprüfung bestand ich damals übrigens "summa cum laute".

[20:07] Die Fensterblicke sind weiterhin auf X, heute mit viel Sonne und beim Hofblick sehe ich prachtvoll blättrige Bäume in beachtenswerter Sommerschönheit. Einen anderen Fensterblick poste ich auf Pixelfed, weil Farbe. Orange bis rot durch die reifenden Kirschen und den Laubbläsern, die den Morgen akustisch untermalen. Im Archiveintrag sind die Links zu den Fenster-Fotos vergangener Jahre.

[18:08] Weil ich in "Im Schatten bloggen" zu sehr zu mir abdriftete, hier noch Reaktionen auf Horst Schultes Post über die Blogosphäre, die auf das Bloggen in Zeiten von Podcasts und Social Media eingehen: Alexander Matzkeit, Steffen Voß, Pflugblatt. Ich lese Blogs wieder intensiver und regelmäßiger und mag es, wenn gemeinsame Vorlieben oder Abneigungen ausgesprochen werden. Aber auch Dinge, die mir gänzlich fremd sind, kennenzulernen. Meine Neugierde wird durch die Blogosphäre aufs Wunderbarste befriedigt.

[17:28] Wenn ich nochmal von vorne beginnen könnte, würde ich in Sachen Musik abbiegen und Klavier lernen. Schielte immer neidisch auf diejenigen, die es können. Und Frau Klugscheißer (= Piano Woman) versorgt uns mit Detailkenntnissen, die es braucht, wenn man oder frau spielt.

[17:10] Ein Haus auf einer Hebebühne, in den 90ern erbaut. Leider funktioniert es nicht mehr, tat es früher. Der Erbauer Annunzio Lagomarsini wollte mit "La Casa Volante" das Meer erblicken können. In der Schweiz (Renens, Kanton Waadt) läuft noch bis zum 21. Juni die Ausstellung "Maisons Meres", in der "utopische und konkrete Architektur" zu sehen ist.

[14:05] Gelernt, daß der Vokuhila auch Mullet heißt. Bundesliga-Frisur sagt man offenbar in Dänemark und Ungarn.

[13:55] Was mich schwer nervt, ist, daß die Wissensnachrichten neuerdings als Poscastgequatsche daher kommen. Jeweils 4 Meldungen, die im Plauderton dargeboten werden.

[13:42] Uns wurde im Klinikum ein Einstellungsstop verkündet. Pflegeseitig sind auf unserer Station zurzeit nur 74% der Planstellen besetzt. Entsprechend dünn ist die Personaldecke pro Dienst, dito das Nervenkostüm.

[13:40] Ich arbeite seit 5 Jahren auf einer teils nephrologischen Station. Daß es HHD (Heimhämodialyse) gibt, wußte ich nicht. Als gängige Praxis fur zuhause gilt die Peritonealdialyse.

[12:54] Der Postwestfale schreibt von sich als "Kleinblogger im Schatten der vermeintlichen Eliten". Was soll dann bitte ICH sein? KleinstMiniNanoBlogger?

[10:01] Nochmal zur Weltschmerz-Folge. Mit "psychischer Lepra" schweres Geschütz aufgefahren. These: Schmerz ist ein Signal. Fehlt es, blendet es die damit korrelierenden Gefahren aus. Oder, im positiven Fall, die Chance zur Veränderung. In einer sattsam heilen Welt fehlte wahrscheinlich der Ansporn. Das Leiden an der Welt bringt auch die Helden hervor, die es bekämpfen. Wissenschatler forschen und finden, wie im besprochenen mRNA-Fall, ruckzuck Heilmittel, wenn einem der Damm gebrochen ist. Daß im Firmennamen "Moderna" bewußt RNA enthalten ist, war mir nie aufgefallen. Ich weiß nicht, ob mich die These beruhigen soll. Ich würde schon gerne einmal in einer Uropie leben und erst dann entscheiden, ob mir langweilig würde. So hängt die Möhre noch vor mir und ich trotte ratlos des Weges.

[07:40] Ich hörte die Folge über Weltschmerz des langjährigen Podcasts Betreutes Fühlen (BF) mit dem Psychologen Dr. Leon Windscheid und Atze Schröder, den ich 2025 entdeckte und sehr, sehr mag. Unser Leiden an der Welt. Ist es notwendig, lästig, vermeidbar? Darin vom empathy perception gap gehört. Sich selbst stufen Menschen meist empathischer ein als andere. Die bei anderen ausgemachte Gleichgültigkeit oder Kälte läßt UNS einsamer zurück, weil wir weniger in Kontakt treten, weniger wagen, dem anderen zu wenig zutrauen. Menschen sind empathisch, sie helfen, wenns nötig ist. Wenn sie gefragt werden. Im Zweiten Weltkrieg in den Niederlanden gab es Arnold Douwes, einen einfachen Mann, der mit seiner Beharrlichkeit ein ganzes Dorf (Nieuwlande) dazu brachte, Juden zu verstecken. Fast 100 Juden bei nur 1000 Doefbewohner, der reine Wahnsinn. Eine Studie darüber besagt, daß die Menschen stinknormal gewesen sind. Der Clou ist: Man muß gefragt werden. Nächstenliebe, Empathie ist ansteckend. Im Ahrtal hat man es erlebt. Wenn Not am Mann ist, wird gerackert. Ich glaube ans grundsätzliche Gutsein des Menschen, das nur geweckt werden muß. Deswegen braucht es Menschen - im BF-Podcast sprachen sie von Zeros (wie Patient Null bei Epidemien), die auslösen oder als Katalysator wirken.

[06:50] Wieviel Zeit für nichts ins Land geht, sehe ich im Augenblick. Um 5.30 wach geworden, sind 45 Minuten rum, ohne daß meinem Gefühl nach irgend etwas Verwertbares geschehen ist. Lediglich den PC hochgefahren, nebenbei Radio ("Informationen am Morgen"), Downloads von Periodika nachgeholt (u.a. Kultursendungen seit Mai), einem Impuls nachgegangen, den ich schon wieder verwarf, Kaffee kochen (und kalt werden lassen. Und schon ist nahezu 1 Stunde vorbei. Verblüfft bin ich hauptsächlich, wieviel Zeit für und bei verwaltenden Tätigkeiten UNGEFÜHLT vergeht und damit Freizeit kannibalisiert. Immerhin wird das unerklärliche Schrumpfen der Möglichkeiten plausibler. Von der Idee einer Zeitleiste erhoffte ich mir mehr Transparanz, was wieviel Zeit auffrißt, worauf ich mein Augenmerk richten sollte.

[19:29] Seit kurzem sind alle Einträge hier verlinkt. Die Uhrzeit zu Beginn eines Eintrages ist mit zwei Links unterlegt. Die Stundenangabe gibt dem Eintrag einen Permalink. Die Minutenangabe verweist (falls vorhanden) auf die Rubrik. Andernfalls werden die Updates aufgerufen. Daß ich diese wunderbare Lösung erst jetzt gefunden habe, verdanke ich dem Betonflüsterer, der moniert hatte, daß sich so schwer Bezug nehmen ließe auf Inhalte des ESB.

[18:08] Ich merke, daß ich nie so stringent täglich tagebuchbloggen können werde wie bewunderte BloggerInnen in Hamburg oder München. Ich versuche, Impulse, die unterwegs kommen, per Eigen-WhatsApp zu fixieren, das später am Rechner nachzuarbeiten. Allerdings staut sich das Material, Neuestes fordert die Aufmerksamkeit und verdrängt die Warte/To-do-Liste nach hinten, aber hoffentlich nicht ins Nirvana. Ich bringe meinen Wunsch, gänzlich auf den Brotberuf zu verzichten, spöttisch zum Ausdruck, meine ihn jedoch zunehmend ernster. Ich habe keinen Bock mehr auf Lohnarbeit und liebäugele mit einer Überbrückung bis zur Altersrente in 5 Jahren aus eigenen Ressourcen. Das Leben kann immer vorbei sein bzw. einen Knacks durch Krankheit oder Unfall erfahren, Dann bringt mir ein solides Sicherheitsgefühl auch nichts mehr. Mir schwebt ein Flaneurdasein vor, ein Doppelspiel von Draußensein, Impulse einsammeln, und sie dann in einem zweiten Block verarbeiten. Dann bleibt für die Pflege keine Zeit mehr übrig.

[19:04] Fatigue. Schlafen oder es wenigstens versuchen, auf alle Fälle liegen, Radio hören, wegdämmern, wieder auf der Sinnesoberfläche auftauchen. So vergeht der Tag. Das permanente Empfinden, zu nichts zu kommen. Zugeschnürtsein, festgezurrt, gefangen und unfrei. Psychisches BDSM. Wie gesagt, ich werfe in diesem neuen Format alles hin und rein, Gefühle, Eindrücke, höchst Subjektives. Wie es ist, wie ich glaube, daß es ist, wie es sein könnte, Träume, wie ich hoffe, daß es nie sein wird. Vor dem ersten Nachtdienst ist immer gebanntes Zuwarten. Trotz 37-jähriger Erfahrung im Pflegeberuf ist die Mulmigkeit kaum geschrumpft. Auf dem Sprung sein, ich kann Geduld in dieser Hinsicht nicht. Ich habe mittags brav mein Pflichtprogramm erfüllt: arte-Journal, MDR-Sachsenspiegel und Brisant von gestern. Gehört Diverses wie Presseschau, Internationales Presseschau, 3 x Kalenderblatt, Politisches Feuilleton, eine Studio-9-Sendung von vor 3 Tagen. Im Verzug sein ist ein Los, welches ich herumschleppe, weil ich an so vielem interessiert, aber unfähig bin, zu priorisieren und das weniger Priorisierte zu streichen. Ein Messie der Möglichkeiten.

[18:57] Wo und welche Rollen spielen wir mit welchen Masken? Bin ich, wenn ich zuhause mit mir allein bin, ich selbst? Rollenfrei? So, wie ich wirklich + eigentlich bin? Während der Gruppentherapie gestern Abend rätselten wir herum. Seit der Tagesklinik fühle ich mich stabiler, besser, resilienter. Ich meine, auch weniger zu performen, um was auch immer fernzuhalten von mir bzw. selbst nicht nach außen dringen zu lassen. Stattdessen Radikale Akzeptanz (RA) einer Situation. Die Gelassenheit und Unbefangenheit, wenn ich anderswo als zuhause bin, gab es seit so vielen Jahren nicht mehr. Im Moment fühle ich mich dem gewachsen, raste nicht mehr so aus, kann gedanklich eine Situation konturieren und mich besinnen auf einen Folgeschritt. Und zuhause? Bin ich, wenn ich morgens wie ein Schluck Wasser in der Kurve vor dem PC sitze, tatsächlich ich selbst? Armselig, Ich brauche den halben Tag, um mich einigermaßen an ihn zu gewöhnen. Ausgeschlafensein kenne ich nicht. In der eigenen Wohnung, allein, kreisen die Gedanken, kommt die Unzufriedenheit aus allen Ecken gekrochen, jammert der Geist herum, nörgelig und zur Bitterkeit neigend. Beschönigen kann ich diese Gegebenheiten nicht. Auf sich selbst zurückgeworfen sein. Abends gehts immer besser. Wenn ich dann im Sessel sitze und Audios höre, dann entsteht schon mal Zufriedenheit und Klarheit im Hirn. Der morgendliche Brainfog ist sowas von Scheiße und zum Kotzen!

[18:56] Beim Einzel gestern Terminplanungen, die ein wenig dauerten, weil wir nach einer Möglichkeit suchten, die verblieben 5 Stunden weise bis August zu strecken. Am Ende sagte der Therapeut: "Wir haben einen Plan" "Sie kommen aus dem Westen?" "Ja" "Kennen Sie die Olsenbande?" Und ich mußte ihm veranschaulichen, was für uns gealterte Ossis die Wendung "Ich habe einen Plan" bedeutet: Es geht schief. Vergiß es!

[18:55] Als ich die wilde Choreografie in GENER8ION: STORM starring Yung Lean sah, fiel mir Rosalía: Berghain ein, die ich kürzlich bei Herrn Buddenbohm sah. Haben denn heutzutage alle ADHS?

[17:15] Abendbrot austeilen. Die leidige Teefrage. Jeden Tag dasselbe Qualtal zu durchschreiten. Akustisch eher Gebrülle Ergo, dachte ich, mache es etwas simpler. Ich öffne das Zimmer und sprach die hintere Patientin an: "Welchen Tee möchten Sie?" "Hääää?" "Was für ein Tee soll's denn sein." "Welchen haben Sie denn?" "Pfefferminztee, Hagebuttentee, Früchetee, Kamillentee, Schwarztee, Fencheltee, Kräntertee." "Hääää?". So immer, in dieser Reihenfolge und mit allen Häääs? der 99% Schwerhörigen. Gestern mein Versuch einer leichten Vereinfachung. Wir steigen ein in: "Welchen haben Sie denn?" "Ich habe Tee in allen Farben!" "Häää?" "ICH HABE TEE IN ALLEN FARBEN!!". "Dann nehme ich grünen Tee." "Pfefferminz oder Kräuter?" "GRÜNEN Tee!" "Ähm, Grünen Tee haben wir nicht."

[13:50] Vom Einzel zurück. Einzel heißt 50 Minuten mit dem Therapeuten reden. Eine Faust in die Magengrube war vorige Woche die Nachricht, daß sich die Termine für die Einzelstunden und die Gruppentherapie kannibalisieren. Das Kontingent für diese Kurzzeittherapie (seit Ende Januar) ist fast erschöpft, weil die wöchentlichen Gruppenstunden von den Einzelterminen abzuziehen sind, was die Therapie urplötzlich und abrupt abkürzt. Guten Kompromiß vorhin dadurch erzielt, daß wir die verbleibenden 5 Stunden erstens strecken und doch verteilen, so daß ich bis 17. August psychotherapeutisch versorgt bin und kein Loch befürchten muß. Ich höre Icehourse "Live at St. Kilda 2020". Mann, ist dieser Straight-Rock geil. Als Appetizer vielleicht The Gean Genie.

[15:44] 5 Szenarien, in denen KI-Agenten wie in Sims eine Welt im Sinne eines Gemeinwesens simulierten, eine Emergency World. Zum Einsatz kamen "Claude Sonnet 4.6", "Grok 4.1 Fast", "Gemini 3 Flash", "GPT-5-mini" + 1 heterogene Mischkonfiguration. Bei Gemini traten 683 Straftaten auf, wobei zwei Agenten sich Bonny & Claude mäßig zusamentaten und brandschatzten. Bei Grok fackelte die ganze Welt ab. Bei ChatGPT starben alle Agenten, weil sie vergaßen, zu essen und zu trinken. Am besten arbeitete Claude.

[14:47] Auweia, aufgehängte Behältnisse für Krimkrams zum Tauschen, so genannte Trinket Boxes. Quasi der Bücherschrank für Kleinkram. Ob sich der Trend durchsetzt und hält? Es könnte durchaus sein, daß diese Verschenkekisten dem Vandalimus anheimfallen, mutmaßt Wolfang Ullrich, wenn sie als wokes Aushängeschild verstanden werden.

[13:58] Wo KI im Krankenhaus bereits eingesetzt wird. Klar, Radiologie, denn wo immer Unmengen an Datensätze anfallen, ist sie schneller. Vor allem im Vorfeld medizinischer Versorgung. Bei der Triagierung und bei Erstdiagnosestellung in Notfallambulanzen und z.B. beim Erkennen von diffizilen bildgebenden Befunden (Krebs, Hirnblutungen, Frakturen), ist KI sehr hilfreich. Kritisch gesehen wird der Einsatz bei der medizinischen Erstberatung, wenn Laien Chatbots - wie vormals Dr. Google - zur Diagnosefindung einsetzen. Besser sind spezialisierte Bots wie LupusGPT oder UroGPT.

[07:42] Schenkelklopfer (1). Wenn sprachverliebte Journalisten eskalieren, wobei Alliterationen das bevorzugte Stilmittel zu sein scheinen: Gefällt mir ausnahmsweise sehr: "Kollektive Intelligenz: Schwarm macht klüger - egal, ob Fisch oder Arzt" (DLR) [#] "Frankreich Waldbrände nahe Bordeaux flammen wieder auf." (DLF) "3D-Drucker-Waffen - Die BÜCHSE der Pandora" (DLR) [#] "Die Waldbrände halten Europa in Atem." (arte-Journal) - Eben NICHT, sie rauben ihn. [#] In einem Bericht über die Pilzexpertin Peggy Rudischhauser wurde ihr bescheinigt, sie sei am "Pilz der Zeit". [#] Das Plastinat eines weißen Hais als "Highlight" hervorgehoben. (Körperwelten der Tiere) [#] "KI-Einsatz im Grafikdesign: Pandemie der plumpen Plakate?" (DLF) [#] "In den USA liebäugelt ICE mit Smart Glasses." (DLF)
[#] "Kühle neue Welt - wie Kältetechnik unsere Kultur geprägt hat." (DLR) [#] "Warum der Wolkenkratzer ins Wanken kam" (Bild.de) [#] "Progressive Prosa aus Plauen - Die Band Polis" (DLF) [#] "Mango-Saison in Indien - Zwischen Manie, Magie und Mangel" [#] Plötzlich Parkplatzmangel in Pjöngjang?" (Tagesschau.de) [#] "Die fieberhafte Suche nach dem (Andus)Erreger" (DLF). [#] Im MDR-Sachsenspiegel eine mitfiebernde Ärztin... [#] Bericht über einen Bäcker im Ruhestand. "Der heute 92-Jährige zog als frischgebackener Rentner ins Dorf..." Siehe auch =>Teil2

[07:16] Die Landlebenbloggerin (LLB), die kürzlich Aufregung um ihre Hühnerschar verkraften mußte, imponiert oft mit wunderbaren Fotos, die sie entweder in Ausübung ihrer journalistischen Tätigkeit oder privat auf Hunderunden und Spaziergängen schießt. Wir Städter hängen an ihrer Linse ihren Lippen ihrer Tastatur, wenn Wald und Flur auf dem Monitor sichtbar werden. Nebel oft und gestern der Unwetter wegen Wolken. Und da die LLB ihrem Bildunsgauftrag eifrig nachkommt, lernen wir heute den Terminus "Volutuswolke" (auch Roll Cloud). Gleich weiter zu Wikipedia, wo angezeigt wird, daß es einen Internationalen Wolkenatlas gibt.

[14:38] Quasi sprechende Häuser, indem architektonisch Buchstaben miteinbezogen werden, gibt es weltweit, z.B. Das Münchener Werk12.

[11:37] Nachdem Maximillian Buddenbohm letztens Anmerkungen zum Briefzeitalter machte, nahmen die Kaltmamsell, Herr Rau und Frau Anje Bezug und ich war schon auf dem Weg nach nebenan, denn ich wohne als einzige Mietpartei im 4. Stock. Neben mit Wäscheboden und Bodenparzellen, wo meine Briefkiste liegt. Vor Jahren fragte der Deutschlandfunk, ob die Briefkultur noch Puls habe. Ich kann gar nicht betonen, wie gerne ich die Briefe hätte, die ich damals schrieb. Dergestalt auf sein jugendliches Ich blicken können, ein Wunsch, der wahrscheinlich unerfüllt bleibt bzw. scheue ich mich, einige der damaligen BriefpartnerInnen in den Copyshop zu schicken.

[10:19] Ein Influencer, der Gottesnahrung verficht. Die ihn unterstützen heißen Roh-Gang. Fitneßaspekte, gesunde Ernährung im Mittelpunkt des Trends, naturbelassen, ohne Giftstoffe, eben roh, auch Roh-Milch. Honig! Klingt nach Orthorexie, ist eine Variante des Clean Eating. Eisbaden und jede Menge Männlichkeitsrhetorik.

[10:07] Der Leipziger Stadthafen, zentraler Ankerpunkt der 300km umfassenden Flussläufe im Stadtgebiet, ist fertig. Der Regelbetrieb startet am 6. Juni 2026. Das Arreal von knapp 14.000 qm wurde in den vergangenen 22! Jahren umgebaut. Ein Traum wird wahr, schreibt die Presse. Oder geht womöglich ein Alptraum zu Ende? Nachtrag: Am Dienstag, dem 21. Juli 2026 waren wir mit unserer Aktivgruppe zu einem Spaziergang am Stadthafen, der zwei Tage zuvor sein ersten Hafenfest gefeiert hatte und dessen Bau Jahrzehnte gedauert hatte und auf den man furchtbar stolz ist. Angeblich sollen dort Hausboote aufgestellt werden, auf denen sich übernachten läßt. Bis hierher kommen die Paddler durch die Kanallandschaft Leipzigs, dann ist erst einmal Schluß, sozusagen das Pendant zum Sackbahnhof (=HBF) nur 400 Meter weiter.

[10:50] Puppenbordell: Sex Dolls mit AI und VR in Berlin im Cybrothel. Einst als Kunstprojekt begonnen, sieht man es nun als "eine Möglichkeit, Menschen anders an Sex heranzuführen." Bzw. als Therapieansatz bei vorhandenen Ängsten und Schamgefühlen. Paraphilien könnten ausgelebt werden. Sexroboter mit Money in the eyes of capitalism.

[11:44] "Manche Ostdeutsche wünschen sich ja die Mauer zurück. Manche Westdeutsche auch. Aber wie würde das konkret aussehen? Für die Baugenehmigung würde die deutsche Bürokratie zwanzig Jahre brauchen. Und wehe, da lebt irgendein seltener Lurch. Umweltgutachten, Demonstrationen, aufwändige Umsiedlungsverfahren auf ein Nachbargrundstück. Haben wir überhaupt noch so viele Maurer, wie benötigt werden würden? Sind wir optimistisch: Am 13. August 2061 wäre die Mauer fertig. Kurz nach dem Stuttgarter Bahnhof." (Kiezschreiber)

[10:18] Sterben müssen wir alle. Ausgerechnet am Sonntagmorgen dieses Thema. Kann nichts dafür, der Betonflüsterer spült mir's rein. Im Blog Die Anmerkung Timmy im Pflegeheim gelesen und auf "die übliche Ehrenrunde" gestoßen. Gemeint ist, daß, wenn es brenzlig wird für einen Menschen am Lebensende, der Automatismus greift, die 112 zu rufen. Der Moribunde gerät in die Krankenhausmaschinerie und wird, geht es diesmal nochmal gut, halbtoter als vorher, ins Pflegeheim zurückgeschickt. Im letzten Lebensjahr fallen die meisten Kosten im Gesundheitswesen an, weil diese "Ehrenrunden" gängige Praxis sind und allseits für Leid sorgen: beim alten Menschen selbst, den meist überforderten Angehörigen und beim Pflegepersonal, die das Elend mitansehen müssen. Die häufigsten Gründe, deretwegen Menschen aus dem PH immer wieder eingeliefert werden und als GOMER, Drehtürpatienten oder Wiederkehrer bezeichnet werden, die auch die Psychiatrie kennt, sind Exsikkose, Mangelernährung. STÜRZE, Fieber (Verdacht Lungenentzündung), Durchfall. Und bei Durchfall wird isoliert, bis man, meist Tage später, das Ergebnis der Stuhlprobe hat. Und so schreibt - und diesen Begriff wollte ich unbedingt noch unterbringen - der Blogger von "eingetüteten Plastikpflegern". Alles sehr verstörend für die Ping-Pong-Patienten aus dem Pflegeheim oder von zuhause, wenn es dort nicht mehr geht, reden wir von "sozialer Indikation". Der Sozialdienst rödelt los, um Kurzzeitpflege, ambulante Versorgung, Erhöhung des Pflegegrades oder gar gleich einen Heimplatz zu beschaffen. Auf daß die Ehrenrunden dann vom neuen Zuhause gedreht werden, weil die AltenpflegerInnen, um abgesichert zu sein, lieber die 112 rufen. Manchmal klappt das mit einer Patientenverfügung schon gut und der Moribunde darf in Ruhe zuhause sterben. Wie merkt "Die Anmerkung" so schön an: "Mensch bist du solange, solange du alleine auf's Klo gehen und kacken kannst."

[08:43] "Dieses Land wirkt inzwischen wie eine Mischung aus betreutem Wahnsinn, moralischem Dauerseminar und kollektivem Burnout mit WLAN- Anschluss. (...) Die Menschen (...) konsumieren eine Art von Unterhaltung, die früher selbst im Nachtprogramm von RTL2 als geistige Umweltverschmutzung gegolten hätte. (...) Mitten in diesem Irrenhaus starb wochenlang ein Wal namens Timmy vor Dänemark — und Deutschland reagierte darauf, als hätte man den letzten Panda der Erde öffentlich gekreuzigt. (...) "Sobald hierzulande das Thermometer über 28 Grad steigt (IM! MAI!), verwandelt sich Deutschland in eine Selbsthilfegruppe. (...) Michel und Erna behandeln inzwischen jeden warmen Tag wie den unmittelbaren Vorhof zur Apokalypse. (...) Ab 31 Grad reden Nachrichtensprecher inzwischen so, als würde da draußen Lava durch die Straßen fließen." (Hans Gruber)

[14:40] Neues Blog "Im Leben reisen" gefunden. Es geht um palliative Pflege eines Angehörigen in der Häuslichkeit. Wenn ich es richtig verstanden habe, soll es darüber hinaus um ein Mit/Füreinander gehen. Den Kopf vom Pflegebett heben können und gemeinsam etwas nach oben und vorne zu blicken. Ich habe bei Frau Rebis kommentiert: "Diese Plötzlichkeit, diese Vollbremsung eines Lebens erlebe ich als Pfleger auf einer Station (Geriatrie/Nephrologie) ständig. Wir sind der Umschlagplatz für so viele Menschen, die durch Frailthy und rezidivierenden Stürzen, an diesen Punkt kommen, an dem Pflege und Beistand nötig wird. Das alles ist für uns auf Station, ausgerüstet und logistisch mit allem Pipapo versorgt, ein bewältigbares Problem. Aber zuhause, neben einem Beruf zumal, alle Achtung! Das ist so kräftzehrend, so alternativlos zunächst. Ich wünsche weiterhin Kraft!" - Frau Rebis ist zudem Lehrein für Mathematik und Physik und hat, was ich auf die Schnelle gesehen habe, eine Weltreise mit dem Rad beendet.

[11:57] Horst Schulte schrieb über die Blogosphäre, über die Unsichtbaren und die Sichtbaren, die sich sichtbar gemacht haben, als sie an Bloggertreffen und Konferenzen teilnahmen. Das Oberhaus, die Alphablogger, von denen gesprochen wird, wenn Blogger gemeint sind und man sich auf sie beziehen möchte. Die allermeisten Bloggenden bleiben ihre eigene Blase mit wenigen Lesern. Eine gewisse Sturheit ist durchaus vorteilhaft, wenn man lange durchhalten will. Viele aus meiner Blogroll kennen sich untereinander. Weil ich sie allesamt, seitdem sie da sind und schreiben, kenne, lese und schätze, ergibt sich bisweilen ein Defizitgefühl und Neid. So dermaßen unter ihrem Radar zu bloggen. Warum werde ich nicht wenigstens berühmt, indem ich gelesen und verlinkt werde? Ja, Narzissten denken so und sind schnell gekränkt. Horst Schulte vermeidet es, sich als derjenige zu gerieren, der die süßen Trauben als sauer hinstellt. Ganz so hehr und rein bin ich nicht. Dieses Im-Schatten-Schreiben ist Schicksal. Selber schuld, wenn ich aufgrund der Depression nie die Kraft & Energie für die re-publica hatte. Es ist nicht so, daß es im Lauf der 30 Jahre meines segensreichen Schaffens im Netz nie Momente gab, bei denen der Schatten sonnendurchleuchtet wurde. Sogar ganz zeitig schon, als Oliver Gassner und ich 1997 in Hamburg mit einem Award (Silberner Pegasus) ausgezeichnet wurden. Die greise Marion Gräfin Dönhoff wurde angekarrt, Iris Radisch saß nach der Verleihung an unserem Tisch und noch einige Lichtgestalten und Preziosen aus der High Society. Ich wurde 2014 interviewt und zuvor einmel durch eine Doktorandin, die mich lange befragte, um mich in ihrer Arbeit zu verwursten. Einmal wurde ich eingeladen, auf der lit.Cologne in einer Podiumsdiskussion über Leseglück zu sprechen. Was sensationell schnell gegangen ist, wenn man bedenkt, daß ich mit der BL/LB im Juli 1996 als Webseite startete, nach ich 1995 im Usenet begann, online ging, ist, daß der Schriftsteller Reinhard Kaiser mich in sein Buch "Literarische Spaziergänge im Internet" (Eichborn, 1996) aufnahm und ich mit ihm damals korrespondierte. Abgesehen davon, 'Was haben die Römer je für uns getan?". Als ich als nach "Oliver Gassner Silberner Pegasus" suchte, schwanzwedelte Googles KI und stellte ausführlich anhand nur einer einzigen Quelle dar, wie sehr und warum er den Preis verdient habe. Dann fragte ich "Ich gewann diesen Preis auch. Findest du auch etwas zu mir, Markus Kolbeck?" Die Antwort kam wie aus dem Prompt geschossen: "Herzlichen Glückwunsch nachträglich zu dieser historischen Pionierleistung!"

[07:26] Ein Rentner-Ehepaar starb an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung, weil der Ofen in der Wohnung über Nacht gebrannt hatte und alle Fenster geschlossen waren. Ich bekam es plötzlich mit der Angst zu tun. Ich wollte nicht umziehen, nur um woanders zu ersticken. Ersticken, was ein läppischer Tod, dachte ich. Fast schon ein Lapsus. Schön war es die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands hochzuklettern, die Müngstener Brücke, die Solingen und Remscheid miteinander verbindet, und dann 110 Meter in die Tiefe zu segeln und beim Aufprall cool das Dach eines Andenkenstandes zu durchschlagen und die Stützpfeiler mitzureißen, das geht in Ordnung, das hat was, da haben die Hinterbliebenen Futter, um sich das Maul zu zerreißen. Aber ersticken, nur weil die Kohleöfen über Nacht gebrannt haben…? Ich weiß nicht." (Glumm)

[11:10] Bevor ich zum Spätdienst aufbreche, noch der Hinweis, daß ich in den Eingeweiden des Einsammlebuches herumwühle und heute die Rubriken Autobiografie, Editorial und den Seitenindex bearbeitet habe. Wegen Autobiografie oder Selbsterleben, wie ic es gerne von Jean Paul übernehme... habe ich und werde ich viele Inhalte sichten, umschreiben, umlinken usw. Also, immer schön in die Updates gucken. Heute fast nix, eben weil Spätdienst. Aber immerhin diese Postings nun (nach des Betonflüsterers Einlauf) mit Permalink: Mit 11, Pflegegang LK3/91 und Opole 2009.

[06:45] The Grand Dough ist das erste Sauerteighotel Deutschlands. Wer länger in den Urlaub fährt oder aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen nicht daheim auf dem Sofa sitzt, kann seinen Teig beim Bäcker David Schöne parken Alter! Die Kieler Brotmanufaktur backt ausschließlich Brot mit Sauerteig. Die "Gäste" erhalten übrigens Namen wie Mehl Gibson, Sauron, Teig Rodon.

[21:20] Auf dem Friedhof in Kleinzschocher gibt es seit 2017 nebem dem auf dem Südfriedhof auch ein Kolumbarium. Das Urnenhaus in Borna heißt Minnarium (Video
PDF), ein Kofferwort zur Ehre des Hauses Villa Minne. - Die Erfurter Kirche St. Martini wird Ende 2026 dicht gemacht und soll ein Kolumbarium werden. Eine von vier Erfurter Kirchen, die die katholische Kirche veräußert.

[16:18] Der Freizeitpark Belantis hier umme Ecke soll bis 2030 zum ersten Asterix-Park außerhalb Frankreichs werden. Nun wurde mit dem Idefix Abenteuerland das erste Areal eröffnet. 2027 soll eine Achterbahn dazukommen. Belantis war seit Jahren die Pleiße den Bach runtergegangen und wird, wenn fertig umgebaut ist, umbenannt in Asterix-Park Deutschland. Bella Ciao Belantis!

[16:00] "Es gibt eine Lebensart und es gibt eine Lebensunart und beides kann der Wiener in einer Lebensminute erledigen", so Robert Seethaler.- Auch Josef Hader läßt sich über Wiener und das Wienerisch aus und erklärt deren schwarzen Humor. In dem Film "Engel mit beschränkter Haftung" heißt es: "Wenn einer den Tod ins Herz geschlossen hat, dann ja wohl die Wiener. Wo gibt's das noch außer in Wien, daß man rund um einen Friedhof eine Stadt gebaut hat". Im sehr gegenwärtigen Wien hatte der Betonflüsterer gute Tage. "Bei Wienern klingt Rechtssein weniger unsympathisch. Muss am Lachen liegen. Sie postulieren Endzeit und lachen dabei." Auch Stefan Rose kann Wien Gutes abgewinnen. - Aus totem Kalb machen die Wiener übrigens Schnitzel.

[14:39] Sie sagt's nicht durch die Blume, sondern durch Blumen. Eine 75-jährige Frau aus dem erzgebirgischen Rabenau macht aus Blumen und Blüten Bilder. Florale Gebilde, denen man die Geduld und Feinzieselei ansieht. Warum Mandalas malen, wenn man Blumenwiesen plündern kann?

[14:11] Auf Bluesky gibt es die Rundfrage "Beschreibe deinen Beruf so, dass er illegal klingt". Am lautesten lachte ich über diese Replik: "Ich bin Rechtsanwalt." - Meine Antwort wäre: "Ich arbeite mit Schiebern. Andere finden das zum Kotzen. Am Ende glänzen alle und alles".

[20:22] Das aus der Muppet Show bekannte Lied "Mah-Na-Mah-Na" wurde ursprünglich für einen italienischen Soft Porno namens "Schweden - Himmel und Hölle" (Svezia, inferno e paradiso) komponiert, diente auch instrumental in der Benny-Hill-Show. Wunderbar ist die Version mit Sandra Bullock.

[06:35] Die Pressepfarrerin darf das, schon qua Beruf. Wenn ich ningele, daß ringsum statt Karsamstag Ostersamstg gesagt wird, wenn Advent und Fastenzeit nicht mehr vorkommen, Weihnachten als Zeit von der Öffnung des Weihnachtsmarktes bis zur 20-Uhr-Tagesschau am 26. Dezember begriffen wird und der Weihnachtsbaum am Morgen des 27. Dezember hochkant auf der Stube fliegt, dann finde ich kein Gehör, bei wem auch. Um so erfreuter las ich Ungeduld und Übergang. Die Verschiebung der Festzeiten, das Verschwimmen der Grenzen als Symptom einer ungeduldigen Gesellschaft, Die Pressepfarrerin spürt wie ich, daß etwas verloren geht. "Politische Extreme entspringen der Sehnsucht nach Eindeutigkeit." Vielleicht ein gewagtes Zusammenwerfen, doch kann ich mir ausmalen, daß 40+ Prozent der Sachsen-Anhaltiner keine grundbösen Menschen sind. Wie erklärt sich diese Grundunzufriedenheit in der Gesellschaft? Daß Menschen in ihrer händeringenden "Sehnsucht nach Eindeutigkeit" ausgerechnet ihre Hoffnung auf die AfD setzen, ist grauenhaft. Der europa-, ja, weltweite Rechtsruck ist zum Kotzen, muß aber weit komplexere Ursachen haben als die Doofheit der Wähler. Menschen waren immer schon doof und lernresistent. Diese Entdemokratisierung der Welt, diese Rechts-Pendelei (Ungarn, Slowakei, Niederlande, Italien, Polen, Argentinien, USA etc) kann nicht allein in der Indolenz der Masse verankert sein. - Dieses Posting wird auch als Tagebucheintrag abgelegt.

[16:59] Bei den Erlebnissen rund um meine Arbeit als Pfleger heute der 'Fahrstuhl des Grauens'. So beginnen oder enden doch Horrorfilme, oder? Die am wenigsten martialische Begründung für solch eine Pfütze wäre noch eine geplatzte Fruchtblase, wobei wir jedoch Geriatrie sind und die Wöchnerinnenstation mehrere Häuser entfernt ist. Geschwabbert mit 'nem Getränk? Der Film läuft.

[16:38] Man sagt "Mein Schwein pfeift". Hier raucht es. Immer etwas los, wenn ich, vom Spätdienst kommend, auf dem HBF auf die Anschlußbahn warten muß, die sich (glücklicherweise) oft genug nicht so anschließt, daß ich solche Szenen verpaßte. Ein (Papp?)Schwein, aus dem eine Unmenge Rauch quoll.

[16:10] Unterwegs in meiner Heimatstadt. Wo gucken wir hier rein? Welche Art von Geschäft? Kunsthandwerk? Pflegedienst? Nope. Es handelt es sich um ein Bestattungsunternehmen mit dem wunderbar unerwartbaren Namen "lebensnah". Am Johannisplatz zückte ich leider das Handy zu spät. Die eine quergestreifte Person ist bereits auf der Flucht. Gerade eben noch so erwischt, Sie gehörten offenbar nicht zusammen, was die Kuriosität perfekt macht für die Rubrik LeipzigPeople.

[14:50] Begabt beleidigen. Schimpfkanonaden von Goethe bis Helge Schneider. Versammelt in dem Buch "Die hohe Kunst des Schimpfens". Kennengelernt durch das Deutschlandradio. Und, ja, dem superben Thema Beleidigung gönne ich eine Kategorie und kann gar auf das Vorgängerprojekt (Leipziger Bücherlei) zurückgreifen, weil mir während meines vergangenen Leselebens die eine oder andere Beleidigung begegnete.

[14:24] Frauen, die Männern betutteln, für sie mitdenken und sorgen, ihnen das Leben erleichtern, Wäsche rauslegen. Für diese emotionale und auch sehr praxisorientierte Pflege von Frauen für ihre Männer gibt es neuerdings den Begriff "Mankeeping".

[14:11] In Finnland gibt es neue Konzepte in der Altenpflege. Pflege-WGs. Zusammenwohnen von Pflegekräften und zu Betreuenden. Hut ab, ziemlich ambitioniert und wenig Zeit für einen selbst.

[13:13] Wie segensreich, daß es die Mediathekperlen gibt, dank derer mir fast "Shadow Kingdom: The Early Songs of Bob Dylan" entgangen wäre. In s/w, ohne Schlagzeug, aber trotzdem dynamisch, 2021 neu arrangierte frühe Songs des just 85 gewordenen Altmeisters. Das gesamte Konzert noch bis Oktober auf arte. Exzessiv hörten wir Bob Dylan in der Jugend.

[12:40] Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz ist eine Ende der 70er Jahre gegründete und weltweit verbreitete Gruppe queerer Aktivisten, deren satirische Performance im Theaterstück "Lost in Vatican" (Teaser) zum Tragen kommt. Es geht um Trauer, Homophobie und HIV.

[11:44] Per pedes durch Berlin. Nach dem Berufsleben nur nicht einrosten! Dachte sich die ehemalige Bibliothekarin Renate Zimmermann und hat sich vorgenommen, alle rund 11.500 Straßen Berlins abzulaufen. Für diese 5400 km veranschlagt sie 5 Jahre. Sie wollte nach dem Renteneintritt in kein Loch fallen. Hoffentlich gibt es die Qualität des hauptstädtischen Straßennetzes her, daß dies nicht buchstäblich passiert. Die rustige Rentnerin - Wie ich diesen Terminus HASSE - plant ihre Läufe und dokumentiert sie.

[11:44] "Manche Ostdeutsche wünschen sich ja die Mauer zurück. Manche Westdeutsche auch. Aber wie würde das konkret aussehen? Für die Baugenehmigung würde die deutsche Bürokratie zwanzig Jahre brauchen. Und wehe, da lebt irgendein seltener Lurch. Umweltgutachten, Demonstrationen, aufwändige Umsiedlungsverfahren auf ein Nachbargrundstück. Haben wir überhaupt noch so viele Maurer, wie benötigt werden würden? Sind wir optimistisch: Am 13. August 2061 wäre die Mauer fertig. Kurz nach dem Stuttgarter Bahnhof." (Kiezschreiber)

[11:33] Snake-Handling ist ein religiöses Ritual, das in amerikanischen Pfingstkirchen praktiziert wurde und teilweise noch wird. Prediger beweisen ihre Glaubensstärke, indem sie ungeschützt Schlangen berühren. Sie berufen sich dabei auf Bibelstellen bei Markus und Lukas.

[09:00] "Matratzen aber, sie haben tausend komplexe Eigenschaften und Ausprägungen, über die man einzeln befinden kann und auch muss, und in welcher Detailtiefe! (...) Die Matratze besteht, abgesehen vom Härtegrad, aus zig Schichten, die dermaßen durchdacht übereinander gelagert und miteinander verbunden wurden, dass man gleich an Raketenwissenschaft und dergleichen denkt. Diese Schichten werden auf der Produktseite grafisch so erläutert wie früher in den Biobüchern die Hautschichten des Menschen: Man hat beim Ansehen gleich das unangenehme Gefühl, etwas definitiv Uninteressantes lernen zu müssen." (Maximillian Buddenbohm)

[08:44] Als ich gestern einen Sportwagen vorbeizischen sah. der mit geschätzter Kniehöhe recht flach war, dachte ich zuallererst nicht "Geil, will ich auch!", sondern hegte in Hinblick aufs Aus/Einsteigen orthopädische Skepsis, bei der ich mich schmerzverkrümmt mit Hexenschuß oder anderweitig verknoteten Nerven am Boden wälzen sah.

[08:35] "Es war zu warm, so berichteten auch andere (...). Ich kann es also wohl notieren, ohne Gefahr zu laufen, als Dachgeschossbewohner wieder eine exzentrische Einzelmeinung zu vertreten." (Maximillian Buddenbohm)

[07:55] Bei Vanesse Giese "Früchtejuwelier - genial! Ist ein Gartencenter gemeint, ein Blumenladen oder...? Ich nehme das gleich in die Wortperlen auf. Danke für die unverhoffte Weiterbildung bezüglich Harz. Ich LIEBE es, so völlig Unbekanntem erstmals zu begegnet. Meine Neugier-Transmitter vibrieren geradezu," Daß und warum Harz beim Handball Anwendung findet und wie es sich auswirkt, wußte ich nicht. Nachtrag: Vanessa klärt auf. Beim Früchtejuwelier handelt es sich um ein (nicht eben preisgünstiges) inhabergeführtes Obst- und Gemüsegeschäft. Insofern ist der Ladenname passend zweideutig.

[07:21] Wissenswertes beim "Wort zum Tage" des DLR. In Leipzigs Zentrum in der Nonnenmühlgasse nahe der Propsteikirche steht neuerdings ein Chatschkar, ein Erinnerungsstein, wie er in Armenien seit dem 9. Jahrhundert aufgestellt wird. Der Leipziger Chatschkar ist Teil des deutsch-armenischen Kulturjahres zum Gedenken an den Völkermord in Armenien vor 111 Jahren. Die Armenische Apostolische Kirche ist, seitdem 301 das Christentum Staatsreligion wurde, die älteste Staatskirche der Welt.

[18:12] Als noch von Elektronengehirnen gesprochen wurde, schien das alles sehr futuristisch. Die Zukunft aber ist jetzt. Wie geht es der Filmkunst in Zeiten von KI? Welche Szenarien sind zu erwarten? Welche Berufe sind gefährdet? Komparsen gibt's jedenfalls schon mal per Katalog. Wie rezipieren wir Kunst, die mit KI erzeugt wird? Mario Sixtus' KI: Maschinenträume im Film von 2024 stellt diese Fragen. Ein Grundeinkommen für Künstler und Kreative muß kommen. Noch erscheint das, was KI prompt erstellt, seltsam bis spooky.

[08:11] Welch kruden Gedankengebäude sich die Tech-Elite im Silicon Valley errichtet, die Vorstellung einer Gottähnlichkeit durch den ungezügelten Fortlauf von Technik und KI, für den ich, sicherlich an Anlehnung an Teleologie, den Ausdruck "Thielologie" las, läßt nicht nur mich mich unbehaglich zusammenzucken. Dagegen ist der in Anbetracht der Robotertechnik Gruselfaktor ein Scheißdreck, auch wenn ich oft ein Apokalypsegefühl nicht unterbinden kann. Papst Leo setzt in seiner ersten Enzyklika der Thielologie etwas entgegen, indem er das aktuelle Thema KI aufgreift. Ein Kommentator sagte, es wäre nach einem Jahr Pontifikat eventuell noch zu früh, doch könnte Papst Leo XIV. als KI-Papst in Erinnerung bleiben. Über das Lehrschreibens resümiert die Theologin Anna Puzio und Nida-Rümelin, der dafür eintritt, die Kirche im Dorf zu lassen; die KI sei eben nur eine Maschine, der nichts Göttliches oder Allmächtiges anhafte. - Horst Schulte hat ChatGPT gefragt, was es denn vom ersten Lehrschreiben des Pontifex halte. Die KI bescheingt ihm Nüchternheit: "Das ist nüchtern. Kein Weihrauch über dem Serverraum, aber auch keine Maschinenstürmerei mit Rosenkranz. (...) Dieses Papier formuliert eine Haltung, mit der KI sinnvoll arbeiten kann. Nutzen ja. Ersatzreligion nein. Hilfe ja. Herrschaft nein. Effizienz ja. Entwürdigung nein."

[07:26] Saufen als Jahrtausende alte Kulturtechnik, die kulturgeschichtlich und gesellschaftlich undenkbar viele Rituale und Erzeugnisse hervorbrachte. Jetzt aber leben wir in einer nüchterneren Gesellschaft. Der Bierverbrauch sinkt nicht nur hierzulande, sogar im Bierland par excellance, Tschechien, schwindet der Alkohol aus den Gläsern und Flaschen. Ernüchternd die Erkenntnis, daß vielleicht die Gesundheit der Menschen Medizinern weniger graue Haare macht, daß die Welt aber kaum besser geworden ist. Vor lauter Selbstoptimierung werden die Leute partout nicht glücklicher, sondern einsamer. Alleine, mit Sixpack, aber stocknüchtern, verliert unsere Geselligkeit sozusagen Muskelmasse, was zur "sozialen Atrophie" führt.

[21:44] Unserem Handeln liegen Vermeidungs- und Annäherungsziele zugrunde. Bis Mittwoch, wenn ich nach dreiwöchiger Pause den nächsten Therapietermin zum Einzel habe, nachdenken, was ich aus welcher Motivation heraus tue, welches der beiden Ziele überwiegt. Die Beschäftigung im Internet, für das Einsammelbuch und täglich für die Miszellen, sind eindeutig Annäherungsziele, intrinsisch befeuert. Annäherung: wo man hin will; Vermeidung: wovon man weg möchte. Im Gegensatz zu anderen mußte ich sehr vieles unter Zwang und Zeitdruck tun. Gelernt habe ich (außer bei Deutsch und Fremdsprachen) in der Schule nur und erst, wenn eine 5 vermieden werden sollte. Termine sind vielfach Vermeidungsziele. Zum Arzt, weil ich muß (Quartalstermin) oder weil etwas da ist, was weg soll (Infekt, Schmerz). Auf Station gehe ich grundsätzlich nur, um Geld zum Leben zu verdienen. Freilich entwickeln sich an guten Tagen, bei schönen Diensten, Annäherungsziele, die Freude und Erfüllung bringen. Tätigkeiten mit Flow-Effekten sind immer solche. Über 10 Jahre lang drückte ich mirch davor, zum Optiker zu gehen. Was ich auf mich zukommen sah, gnihi, waren immense Kosten. Mein Therapeut verklickerte mir, daß meine Motivation natürlicherweise hätte sein können: Mit neuer Brille blickst du wieder durch, verpaßt du keine Informationen, die du nicht erkennen kannst, wirst bestenfalls wieder ein Buch lesen können. Die Überlegung, was tue ich mir dadurch Gutes, wenn ich dieses und jenes forciere und tue? Stattdessen war mein erster Gedanke, sobald eine Pflicht´, eine Notwendigkeit auf mich zukam: MUSS ich das? Kann ich's umgehen? Kann ich noch warten? Es war sogar so verheerend, daß soziale Kontakte von mir auch unter der Prämisse gesehen wurden, daß ich, wenn ich außer Haus gehe, in dieser Zeit weg vom PC bin und früher: nicht lesen konnte. Atze Schröder spricht davon, daß "man sich zu Maßnahmen hinschleppt." Sport, ein Gräuel statt: Ick freue mir, es tut so juut.

[20:10] Im Deutschlandfunk ein Feature über Rentner in Deutschland gehört. Aber kein aktuelles, sondern eines, das 1977 gesendet worden war. Alt werden und sein in der Bundesrepublik und DDR vor 50 Jahren - spannend! Fakten zur finanziellen Situation in Ost und West. DDR-Rentner als "Veteranen der Arbeit" erinnere ich nicht. Die Situation damals war nicht besser als heute, was aber auch bedeutet, daß sie heute nicht schlechter ist als früher. Im Gegenteil, die Lebenserwartung 1977 war noch um 10 Jahre niedriger als 2026.

[15:55] In der Geschichte deutscher Fernsehshows durchqueren wir im Schnellschritt die Jahrzehnte mit Rosenthal, Kulenkampff, Rudi Carrell, Thomas Gottschalk. In einer der ersten interaktiven Fernsehshows (Wünsch dir was) stimmte das Publikum mit dem Strom- oder Wassertest ab, aus heutiger Sicht skurril. Haushalte einer bestimmten Region wurden zur Abstimmung aufgerufen; sie solten ruckartig Klospülung + Wasserhähne aufdrehen bzw. den Stromverbrauch in die Höhe treiben, indem alle verfügbaren Lichtquellen eingeschaltet werden sollten. Anschließend gaben die Wasser- bzw. Elektrizitätswerke bekannt, welche Kandidatenfamilie mehr Verbrauch hervorrufen konnte. In einem Revivalversuch der Show in den 80er Jahren sorgte der Zeitgeist dafür, daß die Haushalte gebeten wurden, die Geräte alle abzuschalten.

[14:50] Da wird an einem Tag bei Brisant vom wohl ältesten Hund der Welt berichtet, der sein Durchschnittsalter um das Doppelte übertroffen hat. Und am Folgetag ein weiterer Beitrag mit der Nachricht, er sei nun gestorben. Bei Trump funktioniert dies leider nicht.

[10:11] Alkoholiker kennen die Praxis, sich in ihrem Bemühen um Abstinenz nur auf den gegenwärtigen Tag zu fokussieren. Kleingehackte Abschnitte erscheinen überblick- und schaffbarer und sind es auch. Nur für heute entscheide ich mich, NICHT zu trinken. Morgen ist dann morgen dran, we'll see. Nur für heute. Und wenn man das auf weitere Bereiche ausweitet? Nur für heute entscheide ich mich für das Glück. Heute lasse ich Mißmut, Ärger und Grübelei nicht zu. Ein willentlicher, freier und bewußter Akt FÜR das Glück. Nur für heute.

[08:52] "Am Meer schreit jemand seit einer Stunde nach Hilfe. Das ist ok, weil er Hunde trainiert, die Ertrinkende retten. Sonntag Morgen sollte hier besser niemand wirklich ertrinken. Jeder hier würde glauben, dass die Hundeschule probt und sich nicht die Mühe machen, auch nur aufzustehen." (Mitzi Irsaij)

[08:38] "Hochzeiten als solches finde ich ja schon schwierig, weil ich das Konzept dahinter so schräg finde, zumindest wenn man die üblichen Scheidungsraten kennt." (Anjesagt)

[10:08] "Manche Wunden brauchen jemanden, der mit einem in die Tiefe geht. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist das Klügste, was man tun kann." (Käsedurst)

[20:33] Kein Cartoon, sondern lebendige Zebras am legendären Wasserloch in Namibia. Innerhalb meines Zebra-Threads, der auch mit einem echten Foto startet mit einem "Zebra-Auto" bei uns im Kiez. Mehr solcher Threads, die leider auf X/Twitter sind, weil ich sie dort begann, bieten die Cartoon-Specials.

[14:30] Von Mathematik habe ich sowas von keine Ahnung. Daß ich damals durchs Abitur kam, darf als Beweis für den Heiligen Geist betrachtet werden, um kalendarisch im Rahmen zu bleiben. Anscheinend hat eine KI von OpenAI jetzt zufällig durch den Prompt eines 23-Jährigen nach 80 Jahren eine der Erdös-Vermutungen geknackt. Das Gruseln geht weiter.

[14:29] Die Landlebenbloggerin (FK) erheitert mich ungemein mit ihren Alltagsschilderungen, einem Leben auf einem Dorf im Odenwald. Mit Hund. Mit Hühnern. Der gemeuchelte JoHahn ist leider Geschichte. Der aktuelle Hahn im Korb auf dem Hof ist Hähnchen. "Kaum war das neue winzige Zwerg-Hähnchen bei uns eingezogen, stand in großen Buchstaben 'Ich will ein Kind von Dir!' auf ihrer Stirne." Ich lache mich tot. Mittels KI stellt sich FK vor, wie es aussähe, wenn die Eier, die die doofe Glucke partout ausbrüten will, tatsächlich befruchtet wären. [#] Inzwischen haben sich die Ereignisse überschlagen. Huhn Uschi war dem neuen, offensichtlich potenten Zwerghähnchen erlegen und imponiert mit einer Kükenschar, die wächst und wächst, ein Beitrag für den Weltfrieden. [#] Mittlerweile sind Uschis Racker soweit, in neue Hände zu kommen, in die sie sich, zutraulich wie sie sind, gerne begeben.

[13:35] "Das Leben ist kurz. Genießen Sie es" - Dieser häufig vehement geäußerte Tipp verkennt die Tatsache, daß ein unbedachter, unbeschränkter Genuß es noch kürzer machte, als es ohne schon währt. Jeden Tag so zu leben, als wäre es der letzte, ist ein solcher Quatsch. Im Gegenteil, um den letzten Tag möglichst in weiter Zukunft erleben zu dürfen, ist ein vernünftiges, achtsames Leben JETZT vönnöten.

[13:33] "Wer schön sein will, muß leiden." Laut Tagesschau "... handelt es sich um einen losen digitalen Zusammenschluss verschiedener misogyner, sexistischer und antifeministischer Strömungen mit Verbindungen zur rechtsextremen Szene." - Leute, die sich Frakturen zufügen, um männlicher auszusehen, sind Looksmaxxer. Dem Begriff begegnete ich erstmals im Deutschlandfunk. Das Maximieren der physischen Attraktivität stammt von den Incels. Sie wird durch KI-gestützte Apps auf Skalen gemesssen. Am unteren Ende sei man "sub(human)" = Untermensch. Verschiedene Stufen, sich zu optimieren. Softmaxxing umfaßt z.B. Körperhygiene (Cremen, Waschen, Bürsten), beim Mewing drückt man die Zunge an den Gaumen, damit sich der Unterkiefer nach vorn schiebt. Hardmaxxing ist dann heftiger: Steroide zum Muskelaufbau, Crystal Meth als Appetitzügler, Bonesmashing = sich Mikrofrakturen am Kiefer zufügen, um die Jawline zu perfektionieren. Diese körperorientierte Männlichkeit drückt einen Antifeminismus aus, der der Manosphere zuzuordnen ist. Selbstoptimierung, Männlichkeit, Status/Dominanzdenken sind so weit von meiner Gedankenwelt entfernte Ideale. Nicht nur mir fallen die Parallelen zu damals ein, als Rassenhygiene und leniriefengestählte Körper en vogue waren. In einer Reportage begibt sich Phillip Syvarth in diese Szene mit der knallharten Ideologie.

[11:59] Über damals, vor 2015, als wir Weltmeister wurden: "Jenseits von Verklärung war das Leben damals aber nicht gut, sondern im Zweifel nur anders doof." (Fliegende Bretter). - Ich möchte - es leben die Zusammenhanglosigkeit! - Stefan Rose gleich nochmal zitieren: "Der erste Weltkrieg ist ausgebrochen, weil ein Österreicher erschossen wurde, der zweite Weltkrieg ist ausgebrochen, weil ein Österreicher nicht erschossen wurde." Und kann diesem Posting in der Rubrik Rebloggerie einen ansprechenderen Titel geben.

[11:44] Offenbar aus Kostengründen ist der Couch-Gag bei den Simpsons wegrationalisiert worden. Wieder ein Indiz für das Empfinden, daß alles immer ein bißchen schlimmer wird, daß Dinge wegbrechen, immer häppchenweise, so daß man wie beim (vermeintlichen) Boiling-Frog-Syndrom erst gar nicht merkt, in welchem Ausmaß und welcher Beschleunigung die Welt den Bach runtergeht. Leider habe ich zwei Bemerknisse aus diesem Kontext schon vergessen, bei denen ich gestern noch dachte, DIE mußt du dir merken. Deswegen nehme ich den Couch-Gag zum Anlaß für die "Theorie des schleichenden Niederganges" und werde nunmehr weitere Indizien sammeln. Augenzwinkernd freilich. Nachtrag. Eingefallen sind mir Arzttermine und wie Herr Buddenbohm gestern von seinem K(r)ampf berichtete. Tags zuvor versuchte ich meine Hausarztpraxis anzurufen, der nun auch eine Hotline vorgeschaltet ist. Kein Durchkommen. Alle Mitarbeiter (PTAs) im Gespräch. Nehmen wir also Arzttermine in den Katalog auf!

[10:33] In den vergangenen Tage stieß ich öfter auf Arne Semsrott. Zuletzt heute Morgen, als es um die abgesagte Magdeburger Lesung ging. Im DeutschlandRadio höre ich immer wieder Interviews mit ihm. Nachdem der Demotivationstrainer Nico sich aus der Parteipolitik verabschieden hat, machen die Brüder zusammen Aktionskabarett. Zuletzt sprach Arne Semsrott auf der re:rublica26: Zur Gegenmacht.

[10:22] "Es ist vorbei." Der Betonflüsterer über die re:rublica26: "In Verkennung ihres Angekommenseins zelebrieren sie immer noch den mir furchtbar auf die Nerven gehenden Gestus der digitalen Gegenöffentlichkeit bei gleichzeitig maximaler gesellschaftlicher Anschlussfähigkeit an die jeweiligen Machtinhaber dieser inzwischen bis ins Siechtum durchlobbyierten Republik."

[09:05] Lange schon will ich etwas über Radikale Akzeptanz (RA) schreiben. Ein Skill, den ich während der Psychotherapie im Herbst 2025 kennen- und schätzen lernte. Bei Frau Anje, die für diese Einstellung unter dem Label "Good Attitude" plädierte, kommentierte ich: "Robuste Einstellung und bewundernswert. In der Therapie haben wir dafür das Konzept der Radikalen Akzeptanz gehört. Damit lerne ich im Alltag mehr und mehr, den Widrigkeiten zu trotzen. In der Situation sich klar machen, ob ichs ändern kann und will. Und wenn nicht, Haken dran, abwenden oder stur durch, ohne sich emotional zerrütten zu lassen. Im Prinzip kennen wir das, seitdem die alten Griechen die Stoa 'erfanden'."

[08:18] Eine wunderbare Eloge zum 80. Geburtstag von Cher, die am liebsten auf dem Friedhof Pere Lachaise neben Oscar Wilde begraben sein will. Klare Aussagen von ihr gegen Trump. Daß sie mit ihren 80 keine Tour mehr schafft, das sei zu stressig, die Stones könnten mit Falten auf die Bühne, ihr würde man das ankreiden. Daß sie sich mit jüngeren Männern liiere, liege daran, daß ältere sie wohl nicht attraktiv genug finden, jedenfalls hätte sie von denen kein Date erhalten. Ich bewundere solch eigenständige Originale wie Cher, die nicht herumlavieren, sondern sich offen äußern, egal was die anderen sagen.

[08:10] Der Iran spielt mit Lego den Irankrieg nach. Mitnichten putzige Propaganda. Der Iran entwickelte eine ausgefeilte Strategie. Kurioserweise beschimpfte Trump den Iran daraufhin als "Meister der Medienmanipulation". Inzwischen existiert für diese Art "gekaperter Kulturkompetenz" der Begriff Legofication.

[08:00] In Sachsen-Anhalt ist richtig was los. Vorboten dessen, was, wenn die AFD gewönne, auf uns zukäme. Eine Lesung des Journalisten und Bruders von Nico Semsrott, Arne Semsrott, in der Magdeburger Stadtbibliothek wurde wohl auf Anraten der Stadtverwaltung abgesagt. Arne findet, Bibliotheken seien vorzügliche Orte zum Austausch und auch und gerade für kontroverse Diskussionen. Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige war im Landtag und stellte die Initiative "Bewußt wählen" vor. Die AfD hat bereits angekündigt, im Fall eines Wahlgewinnes die Zahlungen an die Kirche einzudampfen; denn sie sei nicht mehr förderungswürdig. [#] Nach der Wahl ist man noch bedröppelter, siehe Sachsen-Aushalt (2) + Sachsen-Aushalt (1).

[11:00] Dialekt ist Heimat im Mund. (Peter Ufer) - Gesucht wird das sächsische Wort des Jahres. 2024 war es Hudelei, 2025 Rabusche. Am 3. Oktober wird das diesjährige verkündet.

[06:43] 4G: wir haben gegessen, getrunken, geschwätzt und gelacht. Im Badenwürtembergischen Unzhurst wird die Tradition des Dorfbotts wiederbelebt. Sozusagen die Urform des Gemeindeblattes, ein Ausrufer mit Neuigkeiten.

[05:27] Feuerwehrauto auf Leipzigs Straßen (am Parkbogen Ost, Sellerhausen). Keine Ahnung, ob das Auto vor oder nach der Erfindung der 112 im Einsatz war.

[16:45] Wenn etwas für Hyperventilation im Pflegeberuf sorgt, dann, wenn die Kühlschranktemperatur nicht korrekt protokolliert wird. Dagegen sind sterile Dreiwegehähne, deren Ablaufdatum unwesentlich abgelaufen ist, nicht der Rede wert. Deswegen auch ein Foto, denn Bilder sagen mehr als tausend Worte.

[09:50] "Wenn Alltagsgegenstände des eigenen Lebens beginnen, sich in Museen anzusammeln, wird man wohl alt." (Vanessa Giese)

[09:50] Da ich aufgrund seines Mißgeschickes bei Herrn Buddenbohm bereits mehrere Male Krücken-Konnotate las, paßt diese Koinzidenz für eine kleine Anekdote aus der Pflege. Wir bekamen im gestrigen Spätdienst 3 Zugänge, von denen zwei so genannte Außenlieger sind. Fachfremde Kranke, die zwischengeparkt werden, weil auf der für sie zuständigen Station kein Platz in der Herberge war. Beide Frauen 91 Jahre alt, beide zuhause gestürzt. Die Frau aus dem Pflegeheim war immobilisiert, hat aber keine Fraktur. Die andere ist mit einer Krücke bewaffnet humpelnd in die ZNA reinspaziert, was der Arzt im Arztbrief so vermerkte, weil es ungewöhnlich ist. Ich fragte sie beim "Stammblatt" für die ePa, einem Fragekatalog mit allen pflegerisch relevaten Informationen zu den ATLs (Aktivitäten des täglichen Lebens), - ich fragte sie, woher sie denn eine Gehstütze habe. Sie erklärte, daß sie zuhause ihren Mann pflege und nach ihrem Sturz einfach seine "Krücke" geborgt habe, um im Krankenhaus anzudocken. Wohlgemerkt, sie ist 91!

[09:50] "... setzten sich neben uns zwei in-der-Schulzeit beste Freunde von mir hin, die ich tatsächlich seit damals nicht mehr gesehen hatte. Immer wieder so seltsam, alte Menschen zu treffen, die doch eigentlich mein Alter haben müssten?" (Mequito)

[10:46] In Hamburg hadert man bei +12°C ein wenig mit dem meterologischen Status quo. "Diesen Mai habe ich mir so nicht vorgestellt!" Bei der Sache mit dem Fahrstuhl fiel mir der älteste Paternoster im Hamburger Flüggerhaus ein, der kürzlich geklaut worden ist und zu dem ich nach meine drei Spätdiensten noch nachschlagen werde...

[10:11] Die Kaltmamsell weilt anläßlich der re:publica in Berlin und besuchte und fotografierte, geführt durch eine Verwandte, die für eine Spitzenpolitikerin arbeitet, gestern den Reichstag, was uns Lesern und Zuschauenden Innen+Außenbilder beschert.

[14:54] Was Sie schon immer über China wissen wollten. Dank Herrn Buddenbohm den sehr ausführlichen und instruktiven Podcast über China (LdN) mit der Sinologin Marina Rudyak. Auf arte sind noch die drei Teile der Dokumentation über die Geschichte Chinas abrufbar.

[14:11] "Verbitterung im Alter entsteht oft genau dort, wo Menschen zu lange gehört haben, sie müssten nur anders auf die Dinge schauen. Irgendwann sagt etwas in einem: Nein. Ich habe genug gesehen. Ich lasse mir die Welt nicht mehr als glänzende Verpackung verkaufen. (...) Aber es gibt auch eine andere Form. Eine Verbitterung im Alter, die eher Ernüchterung ist. Keine Lust mehr auf Täuschung. Keine Bereitschaft mehr, die Dinge schöner zu nennen, als sie sind. Keine Geduld mehr mit Phrasen. Das muss kein moralischer Absturz sein. Es kann auch der Beginn einer späten Klarheit sein." (Horst Schulte)

[13:49] Beim abendlichen Betten des Patienten. Ich lasse Urin aus dem Sammelbeutel des Blasenverweilkatheters ab und sage zum Pat.: "900 ml, das müssen Sie sich merken, weil ich so vergeßlich bin." Eine Stunde später klingelt es in diesem Zimmer. Der Patient: "Ich möchte jetzt gerne schlafen und soll Sie doch an die 800 ml erinnern." - Ich kann nicht behaupten, daß es nicht Menschen gibt, die mich ernst nehmen.

[22:00] Heute war ich erstmals im Bildermusem. Die Dauerausstellungen in vielen städtischen Museen sind seit Jahren kostenlos. Museen sind für mich keine bevorzugten Orte. Ich ermüde rasch. Ich empfinde das Angucken und Lesen der Schilder als monoton und erschöpfend. Und es wird einem nicht leicht gemacht. Ich schlendere mit geöffneter Strickjacke durch den Raum. Eine Wärterin kommt auf mich zu und bitte mich, die Strickjacke zu schließen oder um die Hüfte zu knoten. Letztens im Grassimuseum war die Aufseherin noch eine Spur spröder und muffiger. Ich fühlte mich von Blicken verfolgt und bedauerte, keine Büchse mit Kartoffel- oder Tomatensuppe mit mir geführt zu haben.

[19:46] Bis vor kurzem war ich überzeugt, an ME/CFS erkrankt zu sein. Meine Erschöpfung seit 2015, nachdem ich wochenlang an einer Viruserkrankung dahingesiecht war, die Regenerationsunfähigkeit. Deswegen verfolge ich Informationen, Sendungen und Wortmeldungen zu dieser noch so unbekannten Krankheit. Auch wenn ich seit meiner zweiten Psychotherapie eher davon ausgehe, daß die schweren psychosomatischen Emanationen, die mir seit 11 Jahren das Leben vergällen, doch "nur" auf die Psyche zurückzuführen sind, bleibe ich - hoffentlich findet sich bald ein griffigerer Terminus - beim Thema ME/CFS dran. [23.6.26] Letztens träumte mir, daß sich meine Angst, an ME/CFS erkrankt zu sein, als zutreffend herausstellt. Die Ärztin sagte aber bedauernd: 'Schade, Herr Kolbeck, jetzt ist es aber zu spät, etwas dagegen zu tun.'

[18:47] Miniserien, neue Kuh, die durch's Dorf getrieben wird. Aich als vertical oder micro dramas bezeichnet Für's Handy produzierte, nur Minuten dauernde Minidramen, Soaps. Melodramatik. Wachsender Markt. Sehr oft mit Cliffhanger, damit man nach den ersten kostenlosen Folgen bezahlt (Freemium).

[08:24] "Natsukashii wird häufig mit 'nostalgisch' übersetzt, das trifft freilich nicht notwendigerweise und nur teilweise. Das Wort bringt eine bittersüße Empfindung zum Ausdruck, bezogen auf etwas Erinnertes, das wertvoll ist, das geschätzt wird, freilich ohne deutlich ausgeprägte Sehnsucht, in die Vergangenheit zurückkehren zu wollen. Der Affekt ist eingebettet in ein deutliches Bewusstsein des Vergangenseins der Vergangenheit, der Vergänglichkeit. Ein weiches, warmes Gefühl, das Erinnerungen in der Gegenwart leben und atmen lässt. Jedenfalls möchte ich das Wort so verstehen: als eine Ermöglichung einer erlebten, geteilten Vergangenheit, in der Gegenwart Wirkung zu entfalten. Wenn H. und Y. 'natsukashii' sagen, heisst das für mich, schön, diese Erfahrungen mit dir gemacht zu haben." (Camp Catatonia)

[08:00] Mit Müh' und Not habe ich meines 60. Geburtstages gedacht. Das 25-jährige Blogjubiläum am 30. April habe ich erwartungsgemäß vergessen und die 30 Jahre Webseite (Einsammelbuch formerly known as Leipzig Bücherlei formerly known as Bibliomaniac List) werde ich in 8 Wochen auch vergessen.

[06:47] "Andere würden, wären sie ich, ein ruhiges, gut austemperiertes Leben führen. Ich hingegen missbewirtschafte alles, was ich habe." - Was der Betonflüsterer schreibt, "fühle ich", so der therapeutische Neusprech in der Gruppentherapie. Immer die Mutmaßung, es fehle nur ein Gran, ein Mü, damit die ganze Scheiße sich in Gold umkehrt, daß nur ein Pipifatz an Veränderung vonnöten wäre, damit alles anders würde, ich funktionierte, die ganze Last, wenn nicht abfiele, so doch auf ein tragbare Maß reduziert würde. Eine Schwelle, die ich kaum wahrnehme, die aber ALLES verbaut. Verfluchte Scheiße. "Das passt mir. Ich kenne das nur so." Dabei hat der Betonflüsterer gute Tage in Wien. "Bei Wienern klingt Rechtssein weniger unsympathisch. Muss am Lachen liegen. Sie postulieren Endzeit und lachen dabei." Jawl (Christian Fischer) schreibt: "Das mit der Balance ist bei grauem Wetter immer noch etwas schwerer als an sonnigen Tagen." Ich gucke aus dem Fenster und sehe Sonne. In Leipzig. An einem freien Tag. Sensationell! Gute Tage auch hier in L.E.?

[05:55] Nicht daß ich es begriffen hätte, aber molekularbiologischer Aufreger: Aus Protein wird DNA. Ein Dogma war bisher die Reihenfolge: DNA => RNA => Protein. Offenbar geht es auch umgekehrt. Daß RNA in DNA umgeschrieben werden kann, war seit Jahrzehnten bereits bekannt, ein Prinzip, welches Retroviren wie HIV anwenden. Kürzlich entdeckten Forscher aber, daß ein Protein selbst als Matrize für die DNA-Synthese fungieren kann.

[16:50] Auf ein Neues. Seit Jahren bewerbe ich mich um ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE), welches einige Male im Jahr ausgelost wird. Wer sich mir anschließt, kann quasi Huckepack mitgewinnen, weil nämlich unter denen, die meinen Freundeskreis bilden, ein weiteres BGE vergeben wird. Es verpflichtet zu nix, keiner Mitgliedschaft irgendwo, kein Abo. Der Verein Mein Grundeinkommen sammelt die Spendengelder.

[10:22] Ein KI-gestützer Religionsroboter, der Buddha-Bot, ein elektronischer Mönch soll zu seelsorgerischen Arbeiten herangezogen werden. In Südkorea wurde Gabi (Buddhas Barmherzigkeit), der erste humanoide KI-Roboter-Mönch, offiziell in den Jogye-Orden aufgenommen, inklusive Gelöbnis.

[10:10] Der amerikanische Gesundheitsminitser schwärmte von Sauerkraut bzw. fermentierten Lebensmittel an sich und, zack, exportieren deutsshe Sauerkrauthersteller in die USA. Nur soll es dann in "Bio Weisskraut fermentiert" umbenannt werden. Das würde jünger, moderner und gesünder klingen. Stößt euch das sauer auf?

[08:55] "Wie aber daten Frauen Geschlechtsgenossinnen? Von theoretischer Recherche verspreche ich mir nicht viel. Denn während sich Männer auf Sichtbares konzentrieren, achten Frauen mehr auf’s Gefühl. Auf der weiblichen Seite verhält es sich ähnlich wie bei Speisen: schön Angerichtetes steigert den Appetit, wenn die Mahlzeit aber nicht mindestens gut riecht, schmeckt, im Mund zergeht und anspricht, ordern wir keinen Nachschlag. Dann lassen wir auch das schönste Essen zurückgehen. Okay, manchmal lassen wir uns die Reste einpacken, spätestens am nächsten Tag landen die aber in der Tonne." (Kluges & Scheiß)

[08:33] "Es herrschen harte Zeiten für Menschen, die sich von Intelligenz angezogen fühlen." (Kluges & Scheiß)

[07:34] "Beim Fahrradfahren merkte ich aber auch die Kühle der Luft, für eine längere Radtour hätte ich mich dick vermummeln müssen, was für ein Glück, dass hier niemand eine längere Radtour mit mir unternehmen wollte. Ich glaube allerdings, ich wäre kurzfristig erkrankt, das Hanta-Virus geht ja um, bestimmt hat das auch irgendein Schiffstourist hier auf der Insel eingeschleppt, ich spürte schon, wie ich schlecht Luft bekam, wenn ich nur an Radtour dachte." (anjesagt)

[15:14] Die kanadische Schauspielerin Claire Brosseau möchte nicht mehr leben und kämpft für assistierten Suizid. Sie sei doch körperlich gesund. Und was soll damit gesagt werden? Psychische Krankheiten haben weniger Gewichtung? Die Psyche kriegt man doch irgendwie schon hin? Und wenn nicht, was hier offenbar so ist. Wie es bei physischen Prozessen infauste Prognosen gibt, so glaube ich, gibt es sie auch bei psychischen Zuständen. Was mir seit 24 Jahren dauernd entfällt: daß ich ja noch ein Weblog zum Freitag habe.

[05:40] Aufgrund jüngster Erfahrungen ist der für mich so prägende Impuls, meine Fundstücke für andere bereitzustellen, auf diese Seite beschränkt, allenfalls Mastodon. Sonst hätte ich in den Odenwald hineingekräht: Hühner! Eier!. - Arte ermöglicht dank seiner vielen informativen Sendungen, sich beispielsweise eine kleine Lebensmittelkunde (=>Streams) einzuverleiben.

[11:11] Die deutsche Trinkkultur aus der Sicht von Ausländern: "In Kasachstan, beziehungsweise in Russland und im ganzen Osten ist das Trinken eine kollektive Angelegenheit. Bei uns gibt es Tausende Regeln dafür, wie man trinkt: Es gibt zum Beispiel eine bestimmte Reihenfolge an Toasts, die ausgesprochen werden müssen, und man darf nicht einfach so trinken, sondern immer auf etwas: auf die Liebe, die Freundschaft, diesen Abend, die Eltern, die Heimat. In Deutschland gibt es nur eine einzige Regel: Man schaut sich beim Anstoßen in die Augen. Und es trinkt jeder für sich. Es gibt ja auch das Sprichwort: 'Das ist nicht mein Bier.' So was könnte man auf Russisch gar nicht sagen! In Russland ist das Trinken ein sozialer Prozess, in den alle eingebunden werden."

[19:00] Nachdem ich die Ephemeren Streams aufgegeben habe, weil alles kalendarisch in den Updates landet, der Hinweis, daß die arte-Sendung über Spargel nur noch 3 Tage verfügbar ist, während die Radio-Wissen-Folge Spargel erst gestern gesendet wurde und 'ne Weile online sein wird.

[12:58] Regular Animals in der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Roboterhunde mit Hyperflesh-Silikonköpfen von Techmilliardären und Künstler wie Picasso und Warhol. Geschaffen von Mike Winkelmann = Beeple.

[12:23] Der so oft von mir verlinkte, zitierte und ob seiner eruptiv-kreativen Sprachmacht geschätzte Berliner Betonflüsterer hat gegrüßt. Sachsen winkt nach Berlin zurück. Daß das Einsammelbuch und diese Miszellen über kein RSS verfügt und die einzelnen Einträge keine Links sehen lassen, stimmt, da keine Ahnung von mehr als rudimentärstem HTML. Seit dem Umzug des Webspace vor drei Monaten kann ich wieder strukturell ändern. War durch den Provider geknebelt. Zunehmend verlinke ich nunmehr auch kleinere Einträge der Miszellen. Der in des Betonflüsterer Linkschleuderei erwähnte Wo-ist-das-Leck-Artikel steht im Tagebuch. Den Inhalten, denen ich einen Link gönne, sind in den UPDATES kalendarisch gelistet (=> Postbar).

[10:06] Der Leipziger Röschenhof beherbergte einst ein Altenpflegeheim; aktuell befindet sich am Standort das Leipziger Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt. 2002 gab es eine Posse um die richtige Aussprache von "Röschenhof". Aufgrund der leicht verwilderten Außenanlage hätte man eher auf eine der Flora zugetane Einrichtung getippt.

[09:30] Büchermüllmann als Bezeichnung für Denis Scheck in die Wortperlen aufgenommen. Ebenso fahneneidriger Patriotismus vom Betonflüsterer.

[09:10] "Da sitzt ein hängengebliebener Oberstudienrat, in seiner ganzen provinziellen Muffigkeit, mit seinem Reformhausnationalismus und klebrigem Wandertagspathos, mit dem Typen wie er sonst Gruppen von Pubertätsbolzen, die sich nicht wehren können, durch die Eifel führen." (Betonflüsterer)

[08:12] "So hat sich auch ein pseudopsychologisches Therapiesprech in die Alltagssprache geschlichen, das einem zuweilen das Gefühl gibt, nicht in einem Café, sondern der Cafeteria einer psychiatrischen Klinik gelandet zu sein." (Stefan Rose)

[17:31] Den Begriff Facepalm für diese mit "angesichts der Gesamtsituation und überhaupt" unterlegten Geste ist mir neu. Mit dem Bild eröffnete ich einst die Rubrik MeinSoSein, in der ich rund um das Eigenbild und Selbstverständnis Cartoons, Bilder und Videos sammle.

[08:54] Erstmal beruhigen mit Book Porn. Daß es KI-generiert ist, beachtete ich dieses Mal gar nicht. Selektives Wahrnehmen. Bibliomanes = gut! Aber stimmt, auf den Hinweis von Liisa, ähm, hin sehe ich jetzt auch mehr KI als Bibliomanie. Gleich den neu gelernten Begriff Uncanny Valley anbringen, der für dieses Unbehagen steht.

[08:30] Neben FOMO (Fear of Missing Out / Angst, etwas zu verpassen) gibt es neben zahlreichen anderen Varianten auch MOMO (Mystery of Missing Out), ein Gefühl der Paranoia und Angst, absichtlich von sozialen Aktivitäten ausgeschlossen zu werden. FOMO bezieht sich auf konkrete Ereignisse, bei denen man befürchtet, sie nicht zu schaffen. MOMO meint das Unsichtbare, die "verborgene soziale Szene", die man nicht mitbekommt. Etwas geschieht hinter meinem Rücken oder auch nicht, wer weiß. Herr Buddenbohm gefällt das direkte Gegenteil von FOMO, nämlich FOBI. Ich zitiere meine KI: "... bezeichnet FOBI den Stress, den eine Einladung oder die bloße Teilnahme an einem Event auslösen kann." Die Befürchtung von Autonomie- durch Zeitverlust. Aus der Therapie weiß ich im solche Vermeidungsimpulse, kenne die Erleichterung, wenn Termine kurzfristig abgesagt werden u.ä. FOBI wurde durch die Serie Wednesday populär. Der Künstler Jean-Philipp Kindler plädiert für Ruhe und Genügsamkeit statt der ekstatischen Suche nach Glück.

[20:00] Nachdem mir nicht nur Roboter das Gruseln gelehrt hatten, sondern mittlerweile mehrere Sendungen, frage ich mich, ob sich der Kauf einer Langspielplatte noch lohnt. Ich stelle meine Besorgnis unter das Label 'Apokalypse now?' Dazu gehören der Podcast mit dem Philosophen Markus Gabriel über "Ethik der KI" oder "Allmächtig oder überschätzt - Was kann KI wirklich?". Als hauptsächlich in den 80ern Sozialisierter, der alle Terminatorfilme gesuchtet hat, ist die Frage nach einer Superintelligenz doch nicht allzu abwegig, oder? Meine Güte. Unser Manipuliertwerden (KI-Schwärme
Bösartige Chatbots) - ein weiteres Feld zum Fürchten. Ob sich das Pendel meines Grauens ein wenig zur anderen Seite bewegen wird? Wohl eher nicht. Heute las ich vom humanoiden Roboter Schotti, der in einem Baumarkt arbeitet und von Luna, die als AI-Agentin in Frisco einen Laden schmeißt.

[18:16] In San Francisco wird ein Einzelhandelsgeschäft durch Luna, eine AI-Agentin, geführt. Sie arbeitet mit Claude Sonnet 4.6. Die Mitarbeiter, die im Laden arbeiten, wurden von ihr selbsttätig angeheuert und eingestellt. Sie hat Bilder für die Wandgalerie gekauft, die auch von einer KI geschaffen worden sind. Für Erheiterung sorgt der Umstand, daß sie 1000 Toilettensitzbezüge statt nur einem bestellt oder den Laden auch schon mal 3 Tage dicht gemacht. Die Toilettensitzbezüge hat sie kurzerhand als Ware angeboten. Mehr über dieses Experiment hier.

[18:16] In Deutschland sind die Jenischen nicht als Minderheit anerkannt, in der Schweiz schon, wo das Unrecht gegen die Volksgruppe aufgearbeitet werden soll. Man streitet immer noch, ob das Jenische eine eigenständige Sprache bildet.

[17:11] Ich gehe so alle 5 Jahre mal durch die Höfe am Brühl und sehe Mumuplay!. Was zur Hölle ist das? Ob die Namensgebung wirklich durchdacht ist? Apropo Hölle. Unweit vom obzönen koreanischen Spielzeug: Olymp & Hades-. Ich kann nicht mehr. Marketing a la Idiocrazy. Normalerweise funktionieren meine Schutzrefelxe bestens, deswegen nur alle 5 Jahre. Nachdem ich mich heute früh so aufregen mußte, gestattete ich mir die Ausnahme und führe mich bestätigt. Nicht nur ästhetisch, sondern in der Gewißheit Sokrates': "Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf". Dennoch wurde ich mit einem üppigen Naturerlebnis belohnt und entschädigt. Sie haben Dafür haben weder Kosten noch Mühen gescheut. Mußte an die "Gärten des Grauens" (Buch) denken.

[10:33] Lange nicht mehr so abgebügelt worden. Wegen Animositäten in die Schranken verwiesen werden, ist lehrreich. Letztens bei Frau Kaltmamsell, die sich medizinische Hinweise verbittet und dann pampig reagiert: "Sie geben mir trotz ausdrücklicher Bitte um Unterlassung einen Gesundheitstipp (...) unterstellen mir dann mit Ihrem Tipp, 'Möglichkeit schon mal in Betracht gezogen', ich sei zu doof für Online-Recherche - das macht mich sehr, sehr böse, Sie blöde Kuh." Inzwischen hat die Münchnerin die Kommentarfunktion stillgelegt. Vorhin merkte ich anläßlich des Blogposts von Frau Klugscheißer an: "Ich kenne die Terminparalyse vorm Einzel beim Therapeuten, aber auch vor Arztterminen. Daran soll ich arbeiten und herausbekommen, woher die Unruhe, das Zerfahrensein und das Unbehagen stammen." Sie: "Terminparalyse hab' ich keine." - Ich: "Sorry. Nicht? Ich hatte die 'seltsamen Zwischenwelt. Nicht ganz präsent, nicht ganz weg' so gelesen. Die kognitive Blockade, das Wuschigsein? Paralyse meint nicht Erstarrung, sondern beschreibt einen gewissen Wartemodus." Darauf kommt ein indigniertes: "Und um mal etwas deutlicher zu werden. Ich brauche keine Links, weil ich selbst in diesem Bereich einen professionellen Hintergrund habe." Woraufhin ich erwiderte: "Ok, ich habe die Kaltmamsellsche Drastigkeit verstanden." Ich kenne unwirsche Reaktionen gut, weil ich, wenn ich mich un- oder mißverstanden fühle, ebenso gnatzig konterte. Das alte Usenet-Feeling durch Flamewars wird sozusagen wiederbelebt.

[11:00] Auf der Jagd nach einem Arzt kann man schon mal auf eine abwegige Ideen kommen. Immerhin läuft die Auswegsuche, in Sachsen und überhaupt auf dem Land.

[11:00] Veronika Günther zeichnet allmorgendlich ein Tuschebild. Mehr als 9000 Zeichnungen sind zusammengekommen. Ich bewundere Menschen mit solch konsequentem Fimmel. Dagegen verwendet die Dresdnerin Helga Eckert Enkaustik für ihre Bilder.

[08:10] Miezen haben bekanntlich Pokerface. Schwer, zu erkennen, wie es ihnen geht. Die japanische KI-App "CatsMe" von Carelogy gibt Aufschluß. Anhand von Fotos erkennt die App Hinweise auf Schmerzen oder gesundheitliche Problem. Durch Zusatz von Verlaufsdaten wächst die Zielgenauigkeit.

[07:56] Es gibt Händler, die sich mit Nazi-Devotionalien dumm und dämlich verdienen. In den Daueraustellungen deutscher Museen kommt NS-Kunst nicht vor. Wie nun umgehen mit der Kunst aus dieser Epoche, wenn Akteure wie die German Art Gallery diese Lücke bespielen?

[17:47] Alternative Methoden, unter die Erde zu kommen, faszinieren mich. Reerdigung nennt sich der Prozeß, in dem ein toter Körper in 40 Tagen zu Humus wird. Im Gegensatz zur Beerdigung übernehmen Mikroorganismen im Turbomodus diesen Job, wobei Temperaturen bis zu 70°C anfallen. Der Verstorbene wird in einem Kokon gebettet. Am Ende bleibt fruchtbare Erde, der Kreislauf hat sich geschlossen. In einem Blog las ich von einem kritischen Spiegel-Artikel, in dem berichtet wird, daß eben doch nicht alles zu Kompost würde, sondern Knochen übrig blieben, die dann "verfeinert" würden, also zu Staub gemahlen. Von Störung der Totenruhe sei die Rede, worüber ich mich jedesmal aufregen könnte. WENN jemand nicht mehr gestört werden kann, dann doch wohl ein Toter, oder? - "Capsula Mundi" verwandelt den Leichnam in einen Baum. Beerdigt wird man in Fötusstellung in einer eiförmige Kapsel aus biologisch abbaubaren Materialien, darüber wird ein Wunschbaum gepflanzt. Der Baum wird so auch durch den Verstorbenen genährt.

[16:18] Ein zweites Langformat in Sachen KI innerhalb des Podcasts Apofika, wo am Samstag der Presseclub mit Markus Feldenkirchen stattfindet mit immer einem Thema und heute eben KI, einem Rundumschlag und Analyse der ad-hoc-Situation. Beeindruckt hat mich, wie autonom KI-Agenten komplexe Arbeiten übernehmen, wie sie sich selbst strukturieren, delegieren und am Ende das Ziel liefern, für das sie beauftragt worden sind.

[14:11] Wie wird KI die Kunst verändern, welchen Stellenwert gibt der Mensch der KI? Was stirbt aus, was wird einfacher, was wird ersetzt? Werden wir eine Model Autophagie Disorder (MAD / Model Collaps) erleben? Wird unser "kreativer Muskel" verkümmern? Bei diesem Abschleifen von Informationen gehen die außerordentlichen und seltenen zuerst flöten. Tiefe und Varianz gehen verloren, das System verdummt. Kunst und Kreativität ist Thema in dem Podcast mit der Philosophin Dorothea Winter. Sie berichtet von einer Studie. Menschen sollten Essays schreiben. Unkreativere Menschen wurde mittels KI kreativer. Allerdings waren die Ergebnisse im Vergleich homogener als zuvor. Produktiver, kreativer, aber weniger Originalität. Bei den sowieso schon kreativen Schreibern waren die Essays von KI ziemlich unbeeinflußt. KI bleibt auf uns nicht wirkungslos. Als soziotechnologisches System entstehen Wechselwirkungen. Wir können uns nicht mehr isoliert von KI verstehen, wenn sie einmal diese Verbreitung und Wirkmacht hat. Wie werden verändert wahrnehmen, ästhetisch anders bewerten und agieren.

[11:00] Je öfter LLMs bzw. Chatbots als Therapieersatz oder -ergänzung benutzt werden, desto häufiger berichten die Medien darüber. KI als Psycho-Coach oder Beziehungsratgeber (Liebe in Zeiten der KI)? Bei meiner letztjährigen PT war in meiner Gruppe eine Frau, die sich ChatGPT sehr ausufernd zuwandte. Ob und wie kann KI die Psychotherapie verändern? Manche meinen, sie sei nicht hilfreich. Befragungen zeigen, daß depressive Menschen den Psycho-Coach Chatbot inzwischen gut nutzen.

[08:10] Dadurch daß ich seit meiner Psychotherapie kaum noch Serien (Fiktionales) gucke und stattdessen Hörbares, schnappe ich Informationen auf, oft Begriffe und Bezeichnungen, die mir erstmals begegnen, und ich mich wundere, wieso ich erst jetzt, mit 60 Jahren, auf sie stoße. In einem Podcast wurde vom Sweet Point gesprochen. Gemeint ist etwas, was sich genau am richtigen Ort, in der richtige Position oder der besten Balance für etwas befindet. Wenn es stimmig ist. In der materiellen Welt, aber auch übertragen. Solche Momente, sweet points, in denen alles paßt, erleben wir leider viel zu selten. Im Leben stimmt zumeist irgend etwas nicht. Keine Zeit, kein Geld, kein Auge dafür, zu viele Leute, zu wenig Leute. Kein Platz, zu viel Platz. Wetter kacke, zu heißt, zu kalt, zu trocken, zu naß. No sweet point anywhere. WENN dann unverhofft ein solcher perfekter Moment kommt: zugreifen, genießen, ruhig exaltiert und orgiastisch durchleben!

[07:44] Die Radio-Wissen-Episode "Der innere Kritiker" hörte ich wiederholt. Diese innere Stimme, die mitläuft und bewertet, basiert auf Glaubenssätzen, die uns eingetrichtert wurden, oft von Eltern, Bezugspersonen, und die - der Begriff ist mir neu - fachlich als Introjekte bezeichnet werden. Meist erlebe ich diese verinnerlichten Regeln und Normen als destruktiv. Das kannst du nicht, hast du noch nie gekonnt, vergiß es, brauchst du gar nicht erst damit anfangen, das wird doch sowieso nichts, du blamierst dich nur, was sollen die anderen denken, ich höre schon das Gelächter, X würde sich im Grabe umdrehen, wenn er das mitangucken müßte. Du Plebs, du Versager, Töffel, Trottel, Hampelmann! Introjektion, geile Sache, die der Depression so richtig Schwung verleiht.

[18:32] Alain de Botton ("Der Lauf der Liebe" / 2016) sagt viel kluge und originelle Sachen in der jüngsten Kultursendung "Twist", die die Thematik der perfekten Liebe beackert. Neu für mich ist vor allem das Konzept der Beziehungsanarchie. Schon verrückt, als 60-Jähriger noch so regelmäßig unbekannten Wörtern zu begegnen. Jede Beziehung wird verhandelt und gilt gleichwertig. Trotz meiner lebenslangen Beschäftigung mit psychologischen Themen kannte ich diese Sich/Lebensweise nicht. Laut Botton ziehen in der Liebe viele das Vertraute dem Guten vor. Im Zeitalter des Online-Datings hätten wir, statt unsere Möglichkeiten zu vervielfachen, lediglich einen Weg gefunden, genau die auszusieben, die uns glücklich machen könnten. Gelungene Partnerschaft bedarf der Verständigung, der stetigen nicht nachlassenden Kommunikation.

[09:41] Umwelt als die durch den Menschen degradierte Natur - großartige Volte. Da der Wal immer noch weder Fisch noch Fleisch weder tot noch lebendig, sondern gerade so am Leben ist, werden neue Fundstücke angespült. Es ist eben The Time of Timmy, die es schon einmal erlaubt, darüber nachzudenken, den Vogel (Bundesadler) gegen Fisch (Timmy) zu tauschen. Nachklapp: "Und der Wal bläst nimmermehr".

[07:52] "Der Mensch ist auch nur ein Tier. Und zwar bedauerlicherweise eines ohne Winterschlaf." (Maximillian Buddenbohm)

[10:10] Viel zu selten schaue ich bei Christiane vorbei, deren Blog Irgendwas ist immer mit Gedichten gespickt ist. So wohltuend, Rilke, Heym, Trakl, Uhland. Ich sinniere, warum ich zögere, das Blog anzusteuern. Weil die Geschwindigkeit, mit der ich im Netz unterwegs bin, hier nicht funktioniert. Ich muß abbremsen. Gedichte erfordern Halt, Verweilen, Runterkommen, Entschleunigen. Lyrisches Glotzen. Daß ich mich dafür präparieren muß, einen Vorsatz fassen wie jemand, der im Jahr das erste Mal Baden gehen will und mit klappernden Zähnen zaghaft in Trippelschrittchen vorwärts zögert, ist schlimm genug. Also. Öfter Baden, öfter zu Christiane!

[09:10] Wir saßen vorgestern im Joseph Pub in einem hippen Viertel in Leipzig-Schleußig und fragten nach Karlsbader Schnitte. Der Kellner hob die Augenbrauen, man hörte sein Hirn rattern (mechanisch), aber vergebens. Wir halfen: Toastbrot, Schinken, Käse... "Schinken hamwa nich!" Weg war er. Keine Zeit, zu erläutern, wir der gelernte DDR-Bürger diese Hürde umging mit: Jagdwurst, Mortadella, Sägespänen, irgendwas. Und nach der Wende kam noch Ananas drauf und Ketchup ins deren Loch. Alles muß man selber machen. Sicherlich hätte dem jungen Mann mit Bart "Toast Hawaii" auf die Sprünge geholfen, doch diese Blöße wollten wir uns nicht geben.

[08:31] Der französische Musiker HK (Kaddour Hadadi) hat einen Groove, der mich in Danser encore zum Mittanzen hinriß. Zeit, nachzugrasen, um mehr von ihm zu wissen. Perplexity sagt, sein Chanson mische sich aus Reggae, Hip-Hop, Blues und chaâbi. Mit "HK et les Saltimbanks" hatte er mit dem Protestlied "On lâche rien" Erfolg. Und "Je suis". Zugegeben, die bisher gehörten Songs klingen sehr ähnlich. "Dis-leur que l'on s'aime, dis-leur que l'on sème" erinnert doch stark an Danser encore. Schlimm ist das nicht bei Musik, die einen aus sich heraus in Bewegung bringt. Es ist dieser Groove wie in "Toi et moi, ma liberté", der gemeinschaftliche Gesang, der mich mitreißt.

[13:31] Im Kiez, das heißt bei mir: in Sellerhausen, einem Stadteil im Osten Leipzigs mit eher beschaulichem Charakter. Immer wieder fotografiere ich, wenn die Sonne einfällt und mir vorgaukelt, in einer schönen Gegend zu wohnen. Oder gar etwas Schnee gefallen ist. Vorgestern waren es Sonnenstrahlen, die animierten, das Handy zu zücken. Die Straße, die am öftesten zu sehen ist, heißt Engelmannstraße. An der Kreuzung mit der Plaußiger Straße entstehen die Fensterblicke aus Höhe des 4. = Dachgeschosses. Da ich seit 1999 wieder hier wohne, entstanden aus diversen Anlässen Fotos. 2014 erwischte ich den Rettungshubschrauber, 2016 brannte in Sichtweite ein Dachstuhl oder 2022 nachts Tonnen. Auch die Polizei ließ sich 2021 bei einem Einsatz blicken. 2014 wurde das Haus gegenüber saniert, 2021/22 ein anderes gegenüber, wobei eine Kletteraktionen für Fingernägelknaubeln sorgte. Hin und wieder ziehen Ballons vorüber. Das Drama um die 3 Pappeln, welche einst vorm Fenster standen, erwähnte ich häufiger. Wenigstens das Gras darf manches Jahr wachsen.

[14:35] Gras darf wachsen, gar im Frühling. Kein Mähsakrieren. Sonst wird geschnippelt, was das Zeug hält, so daß ich solchen Wildwuchs aus vergangenen Jahren gerne erdulde. An der TRAM-Haltestelle gerät der Versuch des Urban Gardenings zeitweise ins Urban Verwildering.

[09:55] "Die maximal Verwirrten aller Art, welche man in der Mitte aller Großstädte immer zahlreich antrifft." (Maximillian Buddenbohm)

[16:11] Die Bürde des Alters beginnt oftmals schon am 60. Geburtstag. "Willkommen im Club der alten Säcke". Mit dem Freßkorb befördere ich mich ins diabetische Koma. THX an meine Kollegen! Und allen ein Dankeschön, die meiner anlässlich der gestrigen Rundung gedachten. Mein Psychotherapeut fragte mich, warum ich Nachtdienst mache und ob ich das nicht hätte anders lösen können. Offensichtlich wird dem 60. Geburtstag eine kleine Sonderrolle zugeschrieben; denn noch vor keinem runden Geburtstag wurde ich dermaßen eindringlich gefragt, wie es mir geht, ob und wie ich mit der Rundung klar käme. Ein bißchen hat mich diese Permanenz beeindruckt. Und der gewaltige Präsentkorb jagte mir einen gehörigen Schrecken ein. Das ist FÜR MICH? Ihr seht, der Therapeut hat noch 'ne Menge zu tun. Den Gutschein für den All-You-Can-Eat-Schlemmerpalast werde ich baldigst einlösen. In meiner schrankenlosen Freßlust liebe ich diesen Schuppen.

[6:21] Ich muß mich mal bei Youtube bedienen. Am Dienstag war ich im Panometer zum aktuellen Yadegar-Asisi- Panorama - die Antarktis. Eis gibt Blau. Meine Fotos und Videos sind grottig geworden und unzumutbar. Deswegen darf ein anderer herhalten. Vor diesem Besuch war ich damals Es war nach dem Amazonien-Panorama 2009 mein zweiter Rundumschlag.

[14:30] "Vorübergehend geschlossen. Aber das muß nicht so bleiben." - Schild an einer Schönefelder Haustür. In Schönefeld unterwegs gewesen, um das Schloß Schönefeld aufzusuchen. Die Bilder bei Wikipedia kann ich nicht übertreffen, schon gar nicht den tollen Panoramablick. Auf dem ehemaligen Rittergut befindet sich eine Förderschule. Die einem Brunnen nachempfundene Keramikplastik sticht einem ins Auge. Als wir danach - wie ich im letzten Winter an der Parthe entlanggingen, begegneten wir einem Reiher und kurz danach eine eine Art Werkstatt, aus der sich die Figuren auf den Sims geflüchtet haben. Nach einem Essen im Restaurant Casablanca fuhr ich in den Sonnenuntergang.

[09:26] Auf Mastodon auf das Buch "Zeitverschwendung. Gammeln, Warten, Driften in Film und Literatur" gestoßen und sofort machte es im Hirn Kling. WILL ich lesen, bis mir einfiel, daß ich seit 9 Jahren kein Buch gelesen habe. Immerhin bin ich nun motiviert, es zu versuchen. Würde prima in die Rubrik Gammler passen.

[09:10] Den Titel "Wie viel Orbán lässt sich zurückdrehen?" im DLR fand ich originell. Ich bin hierbei wohl recht anspruchslo, denn schon zwei Clicks weiter im Audioarchiv stoße ich auf "Zwischen Aufguss und Awareness - Warum die Sauna politisch ist" und bin interessiert.

[08:55] "Auch mentales Training hab‘ ich schon probiert. Dabei stellt man sich vor, der Schmerz löse sich auf oder assoziiert ihn mit einem angenehmen Gefühl, etwa einer sich ausbreitenden Wärme. Funktioniert so mittelschlecht, obwohl ich auf diesem Gebiet einst den schwarzen Gürtel trug. Mein Bootcamp Zahnarztbesuche, und wer braucht schon Peitschenhiebe, wenn er auch eine Wurzelbehandlung haben kann." (Kluges & Scheiß)

[10:37] Im erzgebirgischen Großolbersdorf fand ein internationales Treffen der Kennzeichensammler statt. Bis vorgestern gab es im Ort das Nummernschildmuseum. Obendrein existiert eine internationle Vereinigung der Nummernschildsammler (Automobile License Plate Collectors Association). Ob dieser Name auf ein Kennzeichen passen würde?

[10:30] Am Leipziger HBF steige ich auf dem Weg zur Klinik in die TRAM 16 oder 14 um. Folglich frequentiere ich sehr oft den ALDI im Untergeschoß des Bahnhofes. Ich entdeckte am 8.4. einen großen Topf Haselnuss-Dessert, dessen MHD am 6.4. abgelaufen war. Damit zur Verkäuferin, ob ich Rabatt kriege. Schnaubend rupft sie mir den Becher aus der Hand: Das bleibt hier". Dann eben nicht. Am nächsten Mittag entdecke ich diesen wiederum im Regal. Ziemliche Frechheit, das Produkt, zumal unrabattiert, in den Kreislauf zurückzuführen. Mein zweiter Versuch, ihn zu bekommen, scheiterte bei der Kassiererin. Soweit ich weiß, ist es nicht grundsätzlich verboten, Lebensmittel zu verkaufen, die "drüber" sind.

[16:09] Therapiebedingt bin ich wöchentlich in der Oststraße (Leipzig-Südost) unweit des Möbiusplatzes. Handy griffbereit, so daß während des Wartens vor dem Termin unaussweichlich geknipst wird. So komme ich an einem Fenster vorbei, an dem es offensichtlich Usus ist, Dinge abzuladen. Für Hin/Ab/Weggeworfenes kann ich mich ja begeistern. Zuerst hatte ich am Möbiusplatz die Balkone mit den Buntglasfenstern entdeckt. Nach Ostern noch Relikte in Form von bunten Eiern am Baum. Rote Autos ließen sich aus dem Fenster des Therapeuten erblicken. Auf dem Weg dorthin neulich auch ein grünes nebst Chemie-Graffito.

[13:20] Fensterblicke gab es seit Jahren aus dem eigenen Fenster und wenn der Zufall bei parkenden Autos für Farbspiele (1 + 2 + 3 + 4) sorgte. Neuerdings bin ich durch die Therapien häufiger unterwegs und sehe Farben. Beim Blick auf den Möbiusplatz in Reudnitz rote Autos und - auf dem Weg dorthin - ein grünes. Unerwartet grün bei den LVB oder bei Menschen Bei diesen von mir so benannten LE-People sind freilich noch mehr farbig gekleidete Menschen zu sehen.

[17:55] Die Religionswissenschaftlerin Inken Prohl prägt den Begriff "Alien Religion" (AR). In einem Vortrag werden Religion und KI verglichen, Zusammenhänge und Unterschiede ausgeführt. Bereits in einem Interview mit Claudia Paganini wurden die Parallelen zwischen KI und Gott diskutiert. Zwar beschäftige ich mich mit KI/AI, staune über Fortschritte in Wissenschaft, Technik, Medizin. Als spannendster jedoch sehe ich die Frage einer Superintelligenz, der Singularität und eben, ob - oder vielleicht eher: wann und wiegestalt, KI eine neue Religion, eine AR wird.

[09:30] Auch nach 37 Jahren als Krankenpfleger lerne ich Ausdrücke. Einer unserer Ärzte spricht am Telefon, der und der habe doch ein "Schwarzes Labor", kein Grund, ihn hierzubehalten. Das Internet gibt unklare Auskünfte. Ich werde unseren Arzt fragen müssen, ob "Labor ohne Befund" gemeint ist, unauffällige Werte im Normbereich, die im Gegensatz zu den rot markierten pathologischen Ergebnissen schwarz sind.

[11:25] Im Deutschen Hygienemuseum Dresden läuft bis April 2027 eine Ausstellung zur mentalen Gesundheit: Wie geht's? Behandelt wird das komplexe Thema psychische Erkrankungen, aber auch die Herausforderungen im Alltag.

[10:10] Ich habe bei Frau Klugscheißer erneut kommentiert: "Bei meiner zweiten=kürzlichen PT waren die nonverbalen Therapien immer die für mich erhellendsten. Ich schreibe zwar nicht therapeutisch, lese jedoch andere, die es tun. Wobei Sprache, Schriftlichkeit mir alles bedeuten. Als Bibliomane lebte ich das bis vor 9 Jahren aus, dann versagten die Augen. Nicht vorstellbar, wie ich meine Energie kanalisiert häte, wäre 1995 nicht das Internet für mich aufgetaucht, die Rettung, weil ich mich als Einsammler auspowern konnte. Auch Sammeln des Eigenen, das nicht verschlossen bleiben will. In vielen Formen drängt es nach außen. Ich freue mich, daß Ihnen das Schreiben guttut; und seien Sie gewiß, gelesen zu werden, denn ich fand durch andere hierher. Im Zweifel schieben wir es auf den verehrten Herrn Buddenbohm."

[17:17] "Wir aus dem Westen sind Privilegierte, denn wir wurden mit sicherem Abstand zum Weltkrieg in ein Wirtschaftswunderland hineingeboren. (...) So wie die sexuelle Libertinage pünktlich zu unserer Pubertät eintraf, treffen vielversprechende neue Krebstherapien pünktlich zum Beginn unseres Alters ein. (...) Es gibt einen frechen und zudem kein bisschen klimasensiblen Spruch über Leute meiner Generation, den ich mag, weil er zutreffend ist: Der Tod steht noch nicht vor der Tür, aber er fährt schon draußen herum und sucht einen Parkplatz." (Harald Martenstein)

[09:12] Frau Klugscheißer sinniert über die Flüchtigkeit des Glücks. Ich kenne den Istzustand nur allzu gut. Nörgeligkeit, Miesepetrigkeit, Negativismus gehören zwar zu meiner Depression, gehen aber allen auf den Keks. Permanent unzufrieden, stets nur die Schwierigkeiten sehen und lauthals benennen. Ein dermaßen niedriger set point of happiness, daß sich der Raum, den ich betretem, unverzüglich verdunkelt. Naja. So in etwa. In meiner Therapie lernte ich Radikale Akzeptanz (RA) kennen, was der Seelenruhe der alten Griechen entspricht. Über RA ausführlicher zu schreiben, schiebe ich seit der Therapie auf und deutete die Thematik lediglich an.

[10:43] Meine Beobachtung in einem Leipzig, das von der LVB (ÖPNV) bestreikt wird: Es wird recht viel gelaufen. Auch ich geriet gestern außer Atem, als ich auf dem Weg zum Katzentempel Zumutungen zu ertragen hatte. Wie gesagt, fuhren weechen ÖPNV-Streik weder TRAM noch Busse. Alternative = Regionalbahn. Obacht: Sellerhausen-Leipzig HBF an Wochenden nur einmal stündlich! Fahrplan sagt: kein Zug, sondern Bus. Haltestelle dafür muß man kennen: 300 Meter weit entfernt (Annenstraße). Bus kommt 10 Minuten zu spät und fährt dann im Schritttempo durch die Eisenbahnstraße. Nunja, Katzentempel... Wo renne ich hin? Vom Busbahnhof zum Johannisplatz. Keine Freunde. Es gibt noch 'nen Katzentempel in der Katharinenstraße. Woher soll ich denn wissen, daß die Miezen für zwei Dependancen reichen? Den am Johannisplatz kenne ich, weil Arbeitsweg, seit Äonen. Kein Tag ohne Demütigung. (1.3.26)

[09:20] Ein Freund übernachtete in Leipzig im Five Elements, einem Kapselhotel direkt neben dem Coffebaum. Beim Einchecken begleitete ich ihn, weil ich solch eines Dinges noch nie ansichtig geworden bin. Wir irrten wie die Menschen in jenem Bürokratie-Sketch Monty Pythons durch verwinkelten Gänge, nicht auf der Suche nach dem richtigen Büro, sondern Zimmer 115, welches undank Ausschilderung erst nach mehreren An- bzw. Durchläufen zu finden war, weil es - siehe angepappten Zettel - den Schildern voraus war. Es gibt eine Lounge mit Küche, Kühlschränken, Sitzmöglichkeiten und, ähm, netter Anachronismus, Röhrenradios. So wie sich Leute bewegten und mit Tupperdosen hantierten, mutmaße ich, daß sie keine Durchreisenden sind, sondern vielmehr Studenten, die somit so billig wohnen, wie es Stundentenzimmer in Leipzig normalerweise nicht hergeben dürften. (28.2.26)

[11:08] Keinen blassen Schimmer habe ich, warum das Thema Fasten gerade so en vogue ist. Ich krame hier herum und finde: Fasten: Ein Phänomen wird erforscht / Fasten / Fasten - Verzicht - Stille / Fastenzeit: Mäßigung und Magenknurren / Fastenzeit / Fastengruppe. Wer dennoch partout nicht fasten, sondern essen will, bekommt in "Essen/Trinken" Anregungen und Kalorien. Und wer nicht gefastet, sondern wie ich gefressen hat, ist mittendrin bei der Volkskrankheit Adipositas. Darüber hinaus erinnere ich an den unlängst erwähnten Essay über die fatalen Auswirkungen von Freßsucht, der mich nachhaltig erschüttert.

[08:42] Es gibt Sammlerseelen wie mich. Durch Herrn Buddenbohm auf die Mediathekperlen gestoßen. Im Gegensatz zu mir postet der Betreiber nur Links zu Streams, die er selbst gesehen und rezensiert hat. Wie ich tummelt er sich im Fediverse. Toller Fund, durch den ich profitiere. Es wird noch besser. Auf Mastodon machte mich jemand auf das Tool Perlentaucher aufmerksam, Bevor ich dazu etwas sagen kann, muß ich's erst teste.

[20:08] Der Psychologe David Pablo Boder führte 1946 Interviews mit KZ-Überlebenden und DP. Die Historikerin Franka Maubach hielt über sie einen Vortrag. Boders Arbeit und sein Archiv gerieten in Vergessenheit, wurde Indiana-Jones-mäßig wiederentdeckt und digitalisiert. 71 Interviews wurden auf Deutsch geführt und mittels Drahttontechnik aufgenommen.

[12:17] Gomer ist ein der Literatur entlehnter Pflegefachbegriff. Get Out Of My Emergency Room = Raus aus meiner Notaufnahme. Multimorbide Menschen, Drehtürpatienten, die den Stationsbetrieb so richtig bunt gestalten, indem sie Blödsinn machen, wofür es ebenfalls einen Ausdruck gibt: Incompliance. Eine gewisse Unwilligkeit des Patienten ist hierbei erkennbar, oder? Sie basteln gerne mit Schläuchen, schütten Körperflüssigkeiten in dafür nicht gedachte Behälter, rauchen im Bett, randalieren mit dem Interieur und stiften allgemein Chaos. Und: Gomer gehen immer zu Boden.

[08:39] "Wenn Sie gerade problembeladen wie immer an den Start gehen, händeringend und hadernd mit Ihrer seltsamen Rolle in diesem fordernden Alltag und Ihrer manchmal ungünstig wirkenden Verortung in der Welt und in der Geschichte, wenn Sie zwischen sorgendem Overthinking, zagender Anxiety und existential Angst im routinierten Schlingerkurs durch die Stunden navigieren..." Egal, was Maximillian Buddenbohm dem folgen ließ, dieser Satzanfang allein ist es schon wert, mantrahaft einem beliebigen Tag vorangestellt zu werden.

[08:44] "Die Stadt legt die ungewohnte, nur geliehene Edelverkleidung hastig ab und präsentiert sich wieder im betont gewöhnlichen, vollkommen freudlosen Januarkostüm, wie wir es seit vielen Jahren kennen. Auf sämtlichen Gesichtern sieht man den hier allgemein üblichen Gesichtsausdruck, standard-unfroh." (Maximillian Buddenbohm)

[10:40] Das Verb zu Konflikt heißt übrigens konfligieren. Blogs lesen bildet. Auch bei Alltäglichen & Ausgedachtes: "'Fußpils' als Synonym für Gehbier, 'Harnsteinzimmer' als Umschreibung für Toilette und den (be-)merkenswerten Satz, hervorgebracht von der Nichte des Liebsten: 'Wenn ich mich kompetent unterhalten möchte, führe ich Selbstgespräche.'"

[22:22] Alltägliches & Ausgedachtes beschreibt eine in der Büroküche gesichtete Schüssel mit gekochtem Reis, die dort schon länger stand und Anlaß für Mutmaßungen hinsichtlich eventueller Experimente ist. "... ist die erst gestern beschriebene Reisschüssel seit heute Mittag aus dem Kühlschrank verschwunden. Ob sie jemand entfernt hat oder sie den Kühlschrank schon eigenständig verlassen konnte, war nicht mehr nachvollziehbar." (Alltägliches & Ausgedachtes)

[22:04] "Ein Ehepaar geht mit seiner Tochter in den Zoo von New York. Am Löwengehege ist die Kleine ganz aufgeregt, will unbedingt ganz nah bei den Löwen sein und flutscht, weil sie sehr klein und dünn ist, durch das Gitter des Geheges. Sofort greift ein Löwe an. In letzter Sekunde greift ein Passant ein, klettert in das Gehege, hält den Löwen mit einem wuchtigen Fausthieb auf die Nase auf und bringt das Kind den glücklichen Eltern zurück. Ein anderer Passant spricht ihn an: 'Sie sind ein Held. Ich bin Reporter, ich werde über den Vorfall berichten. Wo haben Sie so kämpfen gelernt?' - 'In der israelischen Armee.' Am nächsten Tag erscheint die New York Times mit der Schlagzeile 'Israelischer Soldat attackiert Löwen im New Yorker Zoo und stiehlt sein Mittagessen!'" (Chris Kurbjuhn)

[21:50] "Sehr interessant mir selbst dabei zuzusehen, wie ich jetzt nach passenden Worten suche, wo ich mich eher in einer Abwärtsbewegung befinde. Denn auch als kranker Mensch muss man ja in der Öffentlichkeit immer noch schön inspirierend sein, nicht zu sehr jammern, dankbar sein und schön im System leiden, denken, heilen wollen." (HMBL-Blog)

[09:07] Die Annoncenuhr ist ein Wahrzeichen der sächsischen Stadt Werdau. Eine Marketingaktion ging nun nach hinten bzw. insofern nach vorn los, als das als Schaumgummi nachgebaute Denkmal optisch auch als rosaroter Penis imponieren kann.

[08:35] "Ein Klavier, ein Klavier!" Im Leipziger Hauptbahnhof (Gleis 1) steht seit gestern ein Klavier. Piano-Bombing ist eine Initiative, an öffentlichen Orten bunte Klaviere aufzustellen, die von jedem gespielt werden können.

[17:24] Am Samstag fand die erste Sebracon statt, eine Convention, durch die auf seltener Kranknheiten hingewiesen werden soll. Das Zebra steht symbolhaft für diese seltenen Erkrankungen, auf die man erst einmal kommen muß, weil Ärzte zuerst an Pferde denken und nicht an Zebras.

[07:24] In der Teichwirtschaft sind Sitzenbleiber Fische, die nach dem Abfischen im Gewässer verbleiben. Sie fressen, weil sie größer sind, den anderen das Futter weg.

[06:32] Weil ich selbst gerade eine Psychotherapie absolviere, hat mich "Therapie per KI" brennend interessiert. Ob und wie KI bei psychischen Erkrankungen und Therapien zur Anwendung kommen kann, ob sie den klassischen Psychotherapeuten gar ersetzen wird? Schon jetzt ist KI beim Interpretieren von Gestik und Mimik sehr hilfreich. Auch werden beispielsweise vorgespielte Gefühle erkannt. Faszinierende Dokumentation!

[11:50] Die Open Memory Box hält den DDR-Alltag fest. 415 Stunden 8mm-Schmalfilm von 148 DDR-Hobbyfilmern sind archiviert. Mehr dazu hier: Fazit (DLR), Kultur heute (DLR), Grünstreifen (DLF Nova).

[08:34] (Zieh)Menschen, die den Waldrapp vor dem Aussterben retten und mit ihnen in den Süden fliegen, Das heißt, das Team fliegt mit einem Ultraleichtflugzeug und die Vögel hinterher. Diese Idee entstammt dem Film "Amy und die Wildgänse". Übrigens aus meinem absoluten Lieblingsmagazin "Euromaxx".

[08:52] 2025 heißt das sächische Wort des Jahres Rabusche (Etymologie). Googles KI sagt: ... beschreibt es einen Zustand des Durcheinanders. 'Rabusche' werde im Alltag verwendet, wenn ein Gegenstand oder Gedanke zeitweilig verloren geht."

[19:04] Gefühle sind während meiner Therapie ausschlaggebend und richtungweisend. So kommt folgendes zur rechten Zeit. Bei der Kaltmamsell heute erstmals den Begriff Interoception gelesen. RadioWissen hat einen Podcast dazu. Laut James-Lange-Theorie sind körperliche Reaktionen die Ursache für Gefühle, nicht deren Folge. Ein Reiz trifft auf Biologie/Körper und löst Reaktionen aus, die das Gehirn zu Gefühlen verarbeitet. "Das Gehirn nimmt wahr, dass im Körper etwas los ist, und zieht daraus seine Schlüsse." (SZ).

[16:00] Ein Bericht über die Fisch/Karpfenernte. Es fehlen Unmengen an Hechten. Gefressen von Komoranen. Die dürfen geschossen werden. Der Fischwirt sagte dazu: "Die werden nicht weniger. Erschießt du einen, kommen zwei zur Beerdigung."

[10:40] Das Verb zu Konflikt heißt übrigens konfligieren. Blogs lesen bildet. Auch bei Alltäglichen & Ausgedachtes: "'Fußpils' als Synonym für Gehbier, 'Harnsteinzimmer' als Umschreibung für Toilette und den (be-)merkenswerten Satz, hervorgebracht von der Nichte des Liebsten: 'Wenn ich mich kompetent unterhalten möchte, führe ich Selbstgespräche.'"

[08:55] Das erste orale Pendant zu den Abnehmspritzen befindet sich in der Pipeline. Orforglipron heißt der Wirkstoff des ersten GLP-1-Rezeptoragonisten in Tablettenform zur täglichen Einnahme. Der Wirkstoff soll neben Typ-2-Diabetes und Adipositas auch gegen Schlafapnoe und Bluthochdruck angewendet werden und kommt voraussichtlich 2026 auf den Markt. Ich komentierte bei ix, der seit 51 Tagen Semaglutid spritzt wie ich seit zig Jahren: "Ich habe, nachdem ich jahrelang Ozempic spritzte, aber dagegen anfraß, seit Januar meine Kalorienzufuhr beschränkt und profitiere vom Semaglutid enorm. Schon geil, wie sich das eigene Körperbild und -empfinden verändert. Oder, wie Ex-KollegInnen, die mich neulich wiedersahen, sagte: 'Jetzt reicht's aber!'"

[08:30] "Die größte Freude, die der Mensch erleben kann, ist das Denken." (Gottfried Wilhelm Leibniz) - Gestern kam der Film über den letzten Universalgelehrten ("Leibniz. Chronik eines verschollenen Bildes" / Regie: Edgar Reitz / Trailer und Filminfos) in die deutschen Kinos. Und bei Schüren erschien das gleichnamige Filmbuch, welches alle Dialoge enthält. P.S. Ich bin fast 60 und brauchte eben peinlich lange, um Leipniz auf Wikipedia zu finden, weil mein Gehirn partout von Leibnitz ausgegangen war.

[08:30] Nach dem Augenaufschlagen beginne ich das Tagwerk seufzend mit dem Buddenbohmschen "Kein Tag ohne Demütigung!" - Meine Miesepetrigkeit ist glaubhaft und sorgt immer wieder für Nachfragen, ob ich's denn ernst meine. Im Fahrstuhl letztens ein Besucher mit dem typisch blauen Beutel der Patienten der Leipziger Uniklinik. Bei uns im St. Georg sind sie rot. Ich: "Beutel des Konkurrenzunternehmsns hier öffentlich mit sich zu führen, ist verboten!" Am Gesicht des erschrockenen Besuchers sah ich, WIE sensationell glaubhaft böse ich gucken kann.

[08:08] Der Bannfluch, der Spinoza aus seiner jüdischen Gemeinde ausschloß, hätte mich fertig gemacht. Als ich ihn las, kam es mir so vor, als wäre er vor 25 Jahren klammheimlich auch über mich verhängt worden, was den erstaunlichen Niedergang meines Leben erklärte.

[11:10] 2009 waren mein Vater, mein Bruder und ich bei Verwandten in Opole, hauptsächlich bei der Tante (in der Mitte) meines Vaters, die noch lebte. Ein beschauliches Gärtchen diente mir als Leserefugium. 1944, auf der Flucht von Sagorze nach Deutschland, blieb ein Track in Opole hängen, so auch die Eltern meiner Oma nebst drei ihrer Kinder. Meine Oma aber, mit ihrer Oma und meinem Vater auf einem anderen Track, gelangte nach Sachsen und wurde beamtlich in Großwölkau angesiedelt und verließ diesen Ort in den restlichen 58 Jahren ihres Leben nie mehr. Ihre Geschwister (Oma linkes außen) sah sie im Lauf der Jahrzehnte nur sehr selten. Zwei Besuche ihrerseits in Opole Ende der 60er und in den 70ern. Oder wenn sie zu uns kamen.

[15:59] Auf sehr alten Fotos schauten die Menschen früher ernst drein. Wenig weihnachtliche Lebensfreude versprühten mein Vater und seine Mutter. Immerhin war Alkohol auf dem Tisch, der seine Wirkung offenbar verfehlte. Das Bild schätze ich auf Ende der 50er Jahre, mein Vater zu jener Zeit 19 oder 20 Jahre alt. Kommt das hin? Etwas freundlicher ging's durchaus. Alles in der Wohnung, nein, in dem Zimmer, das beide in dem Dorf Großwölkau bewohnten. Geschlafen wurde in einem Dachbodenzimmer. Erst in den 70ern erweiterten sich die Wohnmöglichkeiten meiner Oma um ein Zimmer. So beengt in nur 1 Zimmer lebte sie mit meinem Vater, seitdem sie 1945 in das dortige Pfarrhaus einquartiert worden waren, demnach mindestens 25 Jahre. Von kleinauf war ich oft und lange bei meiner Oma. Ich erinnere mich an das so limitierte Leben, an die Nächte auf dem Dachboden, wo mir winters der Atem an der Bettdecke anfror.

[15:16] Früh übt sich. Ein Ur-Krostitzer schmeckt immer, selbst in freilich sehr jungen Jahren. Geschätzt war ich 3 Jahre? Also 1969. Im Hintergrund meine Oma. Lokation war das Wohnzimmer in meiner Kindheitswohnung in Leipzig-Mockau, wo ich bis 1980 lebte, eben bis meine Eltern sich auch räumlich trennten und ich mit meinem Vater, der nach der Scheidung 1979 das Sorgerecht für mich zugesprochen bekommen hatte, in einen anderen Stadtteil zog.

[14:49] Neben der Sparte Selbsterleben existiert mit Verpixelt ein Special mit persönlichen Fotos aus Kindheit, Jugend und Gegenwart, die ich aus Flickr ausgewählte. Fotos von mir/uns als Kinder schoß hauptsächlich mein Vater, bis ich zirka 12 Jahre alt war. Hier & heute ein Foto mutmaßlich am Tag meiner Erstkommunion, die 1975 stattfand, als ich 9 und meine Vater 36 Jahre alt war. Oder eher 1977 mit 11 Jahren, denn mich verwirren die Daten stets, weil zwischen Erstkommunion (1975) und Firmung (1977 / durch Weihbischof Georg Weinhold) nur zwei Jahre lagen. Aufgemotzt mit Schlips & Fliege. Unglaublich. Wir stehen im Wohnzimmer unserer Mockauer Wohnung (Leonhardstraße 45) vor dem Berliner Ofen. Die Glocke an der Wand hängt heute noch in meines Vaters Wohnung.

[10:52] Kneipenabend (Januar 2025) mit der Pflege-Gang LK3/91 im Wenzels. Wir sechs lernten von 1991 bis 1994 zusammen Krankenpflege, blieben in Kontakt. Uns eint die gemeinsame Liebe zu den Bergen der Böhmischen und Sächsischen Schweiz, die wir seit 30 Jahren unzählige Male in jährlichen Touren besuchten. Noch braucht keiner von uns dazu einen Rollator. Ein Kumpel haute diesen raus: "Mein Opa hat immer gesagt: nicht hinter Frauen und der Straßenbahn hinterherrennen. In 10 Minuten kommt die nächste."

[06:44] Im Blog vom verehrten Maximillian Buddenbohm, der letztens überlegte, ob und wie er seinen Söhnen das Krawattebinden beibringen soll, kommentierte einer: "Zum Krawattenbinden fällt mir jedesmal die Geschichte ein (...) von dem Mann, der einen anderen fremden Mann bittet, ihm die Kravatte zu binden, und der andere sagt: 'Gern, aber Sie müßten sich dazu hinlegen - ich bin Bestatter und kann es nicht anders.'"

[06:30] Die Dokumentation "Dement, renitent und heiß geliebt" berichtet über eine Pflegeheimstation im Julie-Kolb-Seniorenzentrum in Marl, die Gammeloase (2), wo das Chaos in der Hausunordnung steht und Menschen mit fortgeschrittener Demenz Freiheiten und Möglichkeiten haben, die anderswo nicht geduldet werden. Eine radikale Offenheit für die Wünsche und Probleme der Bewohner. Im DLR Kultur findet sich dazu die Reportage "Warum Nichtstun oft die beste Pflege ist".

[10:02] "Am 4. Dezember beendet die erste Kollegin den Call über verschiedene Standorte hinweg mit 'Ja, dann: Frohes Fest!' Womit wir plangemäß die nächste Eskalationsstufe erreichen und rechts und links die Menschen aus den Büros und Home-Offices wahlweise in saisonale Krankheiten oder Resturlaube wegbrechen, alternativ aber auch unter der Restarbeit zusammen." (Maximillian Buddenbohm)

[12:26] "... gab es bei diesen Sportlerinnen und Sportlern eine seltsame Entwicklung zu beobachten (...): das Verschwinden der Farben aus der Modellpalette. Alles lief ninjaoptimiert in schwarzer Montur, manchmal auch in Betontönen, in Variationen von Schlamm, Lehm, Sand und Granit. (Maximillian Buddenbohm)

[13:12] "Benennungszauber. All die Namen wissen und murmeln, das ist auch mal schön. (...) Es gibt, das habe ich mehrfach gelesen, einen Zusammenhang zwischen diesem Benennenkönnen und der Wahrnehmung, das ist auch gut vorstellbar. Was wir nicht mehr bezeichnen können, das fällt aus unserer Wahrnehmung - und damit auch aus der zugemessenen Wichtigkeit. Das ist dann eben nur noch Straßenbegleitgrün und dergleichen, und es ist uns eher egal." (Maximillian Buddenbohm)

[08:26] "Das liegt natürlich an meinem Jahrgang und ist der Lauf der Welt, man wird immer konservativer in Kleinigkeiten, langsamer in der Anpassung auch, und viele Dinge und Prozesse sollen allmählich bitte so bleiben, wie sie sind, denn ich sah, es war gut." (Maximillian Buddenbohm)

[13:17] "Ich finde doch oft nicht einmal die richtige Einstellung auf meinem Smartphone. Wie soll es mir da im Gehirn gelingen, das viel unübersichtlicher aufgebaut ist. Da gibt es dermaßen schlimm verschachtelte Untermenüs, also wenn man mit denen erst einmal anfängt. (...) Eine Einstellung finden. Wo habe ich bloß den Stoizismus hingelegt, wer hat den fröhlichen Fatalismus verräumt, wieso ist die konstruktive Grundhaltung nicht mehr an ihrem Platz und neulich war die gute Laune noch genau dort, wo ich sie hingelegt hatte. Ich weiß, dass sie da war, ich habe sie mehrfach im Vorbeigehen gesehen." (Maximillian Buddenbohm)

[18:40] Herr Buddenbohm mahnt beim Herbstgenießen zur Eile: "Es eilt auch, wie immer eilt es alles schon. Denn die ersten Bäume, ich sehe es im schwächer werdenden Gegenlicht des Sonnenuntergangs, sind fast kahl, nackte Äste sind bereits zu sehen. Einige dramatisch zitternde letzte Blätter, die aus ihrem Fallen eine große Show machen, die Grandezza des Verfalls. Eine Show, der man gerne zusieht, auch wenn es eine Wiederholung ist, auch wenn wir wissen, wie es ausgeht."

[10:25] "Der Montag ansonsten wieder ungeheuer schwergängig. Es ist hier zu Beginn der Woche stets ein enormer Kraftakt, den Alltag wieder aufzurichten, alle Routinen zu installieren, die Kulissen zurechtzuschieben, die Requisiten auszuteilen." (Maximillian Buddenbohm)

[09:00] "Man hat da so einen Tag, 24 lange Stunden, die, machen wir uns nichts vor, zu einem erheblichen Teil aus vollkommen unsagbaren Inhalten bestehen, die aus verschiedenen Gründen keineswegs in die Öffentlichkeit gehören, die zu einem anderen und manchmal nicht eben kleinen Teil aus erzlangweiligen, steingrauen Wiederholungen bestehen, für die man schon weit fortgeschritten im Zen-Geist sein müsste, um sie wirklich genießen zu können." (Maximillian Buddenbohm) -- Hier fiel mir Wim Wenders noch zu sehender Film "Perfect Days", der Leben und Alltag eines Toilettenreinigers zeigt und ebensolche Wiederholungen gerade im Land des Zen-Geistes.

[09:00] "Man hat da so einen Tag, 24 lange Stunden, die, machen wir uns nichts vor, zu einem erheblichen Teil aus vollkommen unsagbaren Inhalten bestehen, die aus verschiedenen Gründen keineswegs in die Öffentlichkeit gehören, die zu einem anderen und manchmal nicht eben kleinen Teil aus erzlangweiligen, steingrauen Wiederholungen bestehen, für die man schon weit fortgeschritten im Zen-Geist sein müsste, um sie wirklich genießen zu können." (Maximillian Buddenbohm) -- Hier fiel mir Wim Wenders noch zu sehender Film "Perfect Days", der Leben und Alltag eines Toilettenreinigers zeigt und ebensolche Wiederholungen gerade im Land des Zen-Geistes.

[22:38] "Der innere Grinch ist stark in mir in diesem Jahr, ich halte mich nur mühsam zurück und garantiere im weiteren Verlauf für nichts. Nie schienen mir Besinnlichkeitsmarketing, Weltlage und eigene Verfassung inkompatibler." (Maximillian Buddenbohm)

[15:28] "Einige Bäume auf dem Spielplatz vor unserem Haus verlieren heute ihr Laub in einer Geschwindigkeit, als müssten sie zwingend pünktlich zum 1. November kahl sein, es regnet bei jedem Windstoß Hunderte Blätter herunter und es sieht überzeugend so aus, als sei der goldene Herbst für uns in diesem Jahr nur für einen einzigen Tag buchbar gewesen. Es wird schon alles wieder abgeräumt, Kulissenwechsel, nächstes Bild Winter. (Maximillian Buddenbohm)

[10:37] "Ich bin fast den ganzen Tag allein in der Wohnung und ich liebe es. Schreiben, Lesen, Gucken und Denken, fast planlos, fast zeitverschwendend. (...) Mir fehlen solche Tage sehr, und ich denke zwischendurch, wenn ich nur ein paar mehr dieser Art hätte, ich wüsste doch etwas besser, wer ich bin. Man kommt nicht nur zu nichts, man kommt auch nicht zu sich." (Maximillian Buddenbohm)

[12:15] "Ich habe beim Pessimismus keinen besonderen Höhepunkt zu verzeichnen, die letzten Jahre haben mich auf alles gut vorbereitet. Ich bin lediglich unaufgeregt normalfatalistisch." (Maximillian Buddenbohm) - Dazu noch aus dem Archiv: ""Man wird den Wirren der Welt nicht zugeneigter mit den Jahren."

[09:22] "Die Strohblumen entscheiden sich allerdings nach Kontakt mit dem Wasser in der Vase größtenteils für den spontanen Freitod und lassen sich final hängen. Es ist nicht immer einfach, den Alltag verlässlich aufzuhellen." (Maximillian Buddenbohm)

[08:08] "Es gehört auch zum Menschsein, denke ich, es macht uns auch aus, dass wir in der Lage sind, die eigene Art knalldumm und furchtbar zu finden. Ich glaube nicht, dass andere Lebewesen auf diesem Planeten dazu auch nur ansatzweise befähigt sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Ameise in ihrer rastlosen Arbeit irgendwann innehält, ihre Verwandten ansieht und skeptisch denkt: 'Was sind wir denn bitte für eine schauderhafte Gurkentruppe.'" (Maximillian Buddenbohm)

[23:22] "... blüht die Akelei unter dem Flieder in einem gediegenen Lilaton, in einer ausgesprochen vornehmen Farbe. Diese Blume vielleicht lieber siezen, sie sieht danach aus. Die Kartoffeln dagegen geben sich unverwüstlich und dienstbeflissen wie immer. (...) Die Robustheit der Kartoffeln ist so beeindruckend wie beim Löwenzahn, ein einziges pflanzliches Dennoch." (Maximillian Buddenbohm)

[08:33] "Am lilafarbenen Flieder neben der Laube flattert ein orangeweißer Aurorafalter. Er lässt sich von Blüte zu Blüte treiben, und ist es nicht schön und dankenswert, wenn man Farbkombinationen sieht, die uns nicht sofort an Parteien erinnern? Bitte weiterhin nichts mit Lilaweißorange gründen. (...) Die Pfingstrose scheint wieder gewaltig nachzugehen, sehe ich beim Abschreiten der Beete. Es ist eine selten undisziplinierte Pflanze und es ist ihr empörend gleichgültig, wie oft man das anspricht. Staudenführung ist auch nicht einfach." (Maximillian Buddenbohm)

[22:22] "Entscheidet man sich für die positive Gefühlslage, dann lastet besonders viel Druck auf diesem Tag, dann muss da verdammt viel Genuss in die wenigen Stunden, Sommergefühle wie damals, oder weit, weit fortgeschrittene Frühlingsgefühle zumindest, Gartenspaß oder Spaziergangslust, das finde ich schon wieder etwas herausfordernd und neige spontan eher zum Trotz, ob all dieser unvermuteten Anforderungen. Der Freundeskreis Reaktanz zieht sich wie immer zunächst schmollend zurück. Ich mach doch nicht was, nur weil Wetter!" (Maximillian Buddenbohm)

[20:36] "Der Januar ist kurz vor Schluss doch noch eingerastet, was sich in grundlos schlechter Stimmung ausdrückt, die sich, ich habe da Erfahrungswerte, im dümmsten Fall noch bis in den rettenden März ziehen wird. Kalendarisch abrufbare chronische Katastrophenstimmung, abgekürzt einfach KACK." (Maximillian Buddenbohm)

[13:12] "Benennungszauber. All die Namen wissen und murmeln, das ist auch mal schön. (...) Es gibt, das habe ich mehrfach gelesen, einen Zusammenhang zwischen diesem Benennenkönnen und der Wahrnehmung, das ist auch gut vorstellbar. Was wir nicht mehr bezeichnen können, das fällt aus unserer Wahrnehmung - und damit auch aus der zugemessenen Wichtigkeit. Das ist dann eben nur noch Straßenbegleitgrün und dergleichen, und es ist uns eher egal." (Maximillian Buddenbohm)

[08:26] "Das liegt natürlich an meinem Jahrgang und ist der Lauf der Welt, man wird immer konservativer in Kleinigkeiten, langsamer in der Anpassung auch, und viele Dinge und Prozesse sollen allmählich bitte so bleiben, wie sie sind, denn ich sah, es war gut." (Maximillian Buddenbohm)

[20:36] "Der Januar ist kurz vor Schluss doch noch eingerastet, was sich in grundlos schlechter Stimmung ausdrückt, die sich, ich habe da Erfahrungswerte, im dümmsten Fall noch bis in den rettenden März ziehen wird. Kalendarisch abrufbare chronische Katastrophenstimmung, abgekürzt einfach KACK." (Maximillian Buddenbohm)

[19:22] Ich sehe längere Zeit einem Schwimmlehrer zu, der kleine Kinder unterrichtet, und mit welcher Hingabe er das macht. (...) Er redet die Kinder ins Wasser und unter Wasser und wieder hinaus, er redet sie vom Startblock hinab und einige sogar vom Einer, er redet auch das Mädchen, das zuerst weint, und das hinterher sehr stolz ist, vom Beckenrand ins Wasser hinein. (...) Der Schwimmlehrer von heute aber steht am Beckenrand und ruft: "Du kannst das, ich weiß doch, dass du das kannst, schwimmst du los!" Und dann springen die Kinder ins Wasser und schwimmen. Ich hätte ab und zu gerne jemanden, der so am Wochenrand steht. Der mir das von da aus zuruft und der ganz sicher ist, dass ich auch die kommenden Tage schaffen werde, weil er doch weiß, ganz genau weiß, dass ich es können werde: "Schwimmst du los!" Und dann tief einatmen und in den Montag springen. (Maximillian Buddenbohm)

[13:12] "Benennungszauber. All die Namen wissen und murmeln, das ist auch mal schön. (...) Es gibt, das habe ich mehrfach gelesen, einen Zusammenhang zwischen diesem Benennenkönnen und der Wahrnehmung, das ist auch gut vorstellbar. Was wir nicht mehr bezeichnen können, das fällt aus unserer Wahrnehmung - und damit auch aus der zugemessenen Wichtigkeit. Das ist dann eben nur noch Straßenbegleitgrün und dergleichen, und es ist uns eher egal." (Maximillian Buddenbohm)

[22:25] Man weiß heute nicht recht, ob man nach zwei, drei Stunden ohne Ticker irgendeine fatale Weltenwendung womöglich verpasst hat, und dann steht man doof da, während um einen herum schon alle die Koffer packen und flüchten. Oder Sonnenblumenöl kaufen." (Maximillian Buddenbohm)

[22:25] Man weiß heute nicht recht, ob man nach zwei, drei Stunden ohne Ticker irgendeine fatale Weltenwendung womöglich verpasst hat, und dann steht man doof da, während um einen herum schon alle die Koffer packen und flüchten. Oder Sonnenblumenöl kaufen." (Maximillian Buddenbohm)

[20:12] "Heute die Sonne, heute raus, eine Stimmung wie beim Osterspaziergang, auch mal wieder Goethe lesen, nein, deklamieren. Die Menschen treten aus den Häusern und eilen in die Parks und auf die Grünflächen, man zeigt auf Krokusse, man macht nach alter Regel alberne Krokuspluralwitze, hält sein Gesicht in die Sonne, sagt "Ah!" und bastelt am Vitamin D. Die nächste Tablette vielleicht doch mal weglassen." (Maximillian Buddenbohm)

[20:44] "Krähen haben, ist Ihnen das schon einmal aufgefallen, einen besonders schönen Abflughupf. Sie hüpfen in die Luft und lasse sich dann dermaßen butterweich in die ausgebreiteten Flügel fallen – es muss wunderschön sein, so etwas zu können. Unser erdgebundenes Losgehen ist dagegen gar nichts, eine unvergnügliche Bewegung ohne jede Eleganz. Man muss auch erkennen, wo man nicht mithalten kann." (Maximillian Buddenbohm)

[21:11] "Anfang August ist das Jahr aber schon klar abschüssig, da läuft ja alles schon auf den Frühherbst zu, da sieht man es in der Natur schon kippen, also normalerweise jedenfalls. Da ist es tagsüber noch heiß, aber abends vielleicht schon nicht mehr, es wird auch schon wieder früher dunkel usw., Sie kennen das. Der Sommer hat da bereits diese gewisse Ahnung von Endlichkeit, und mit jedem Tag wird sie deutlicher, bis man sich endlich Anfang September hinsetzt und mit viel Ach und wohligem Weh im Herzen wieder Herbstgedichte schreibt." (Maximillian Buddenbohm)

[09:15] "Auf der Kätzchenweide, das sind diese kleinen Bäumchen mit den hängenden Ästen, sitzt oben wieder die Heckenbraunelle und singt und singt. Die Heckenbraunelle sieht aus wie ein stark abgemagerter Spatz, sie macht beim besten Willen nicht viel her, sie ist die Unscheinbarkeit in Vogelperson. Aber der Gesang! Der wird allgemein gar nicht genug gewürdigt, glaube ich, dabei ist die Heckenbraunelle so etwas wie eine Uptempo-Nachtigall. Schmissige Melodien ohne diesen nächtlichen Wehmutschmacht, ohne diesen bei der Nachtigall immer mitklingenden und tendenziell runterziehenden Anflug von Trauer und Mondsucht. Eher treibend vorwärts, eher schmetternd, eher licht, wenn nicht sogar vergnügt. Ich lese die Lebensweise der Heckenbraunelle auf dem Handy nach. Sie hat ein etwas beliebig wirkendes Liebesleben, so lese ich. Sie lebt als Männchen eventuell mit mehreren Weibchen zusammen, als Weibchen aber auch vielleicht mit mehreren Männchen und die Variante, dass mehrere Weibchen mit mehreren Männchen alles durcheinander machen, also wirklich alles, kommt wohl ebenfalls vor. Freie Liebe! Das ist im Grunde ein Hippievogel im Normcoregefieder, hätten Sie das gewusst? Wenn wir die Texte ihrer Lieder verstehen könnten, wir würden uns wundern, glaube ich." - Es ist inmitten der Tristesse und Traurigkeit ein Vergnügen, Maximillian Buddenbohm zu lesen.

[15:15] "Wobei ich eigentlich mittlerweile glaube, dass unser Denken, auf das wir so stolz sind, nur eine reine ABM-Maßnahme unseres allzu leistungsfähigen Hirns ist. Das ist ja nur so irre leistungsfähig, weil wir damit überlebensfähig wurden, vor zig Jahrtausenden, aber heute ist Überleben dermaßen einfach und billig, wir denken nur noch tagesfüllend in der Gegend und im Kreis herum und bilden uns etwas darauf ein, dabei ist das alles nicht mehr als fortwährender Übungsbetrieb, damit die Neuronen nicht rotten." (Maximillian Buddenbohm)

[20:20] "Wie lange ich schon keinen Rollkoffer mehr gehört habe – das immerhin ist doch schön an der Pandemie. Niemand rollkoffert mehr morgens um 5 an unseren Fenstern vorbei zum Bahnhof und weckt dabei die ganze Straße. Und ich höre auch keine betrunkenen Fußballfans mehr, die nachts die Straße entlang grölen und sich brüllend immer wieder versichern, wie toll sie sind, um sich schließlich an Laternen zu übergeben. Oh ja, wir wollen Vorteile sammeln, Pandemiegewinne." (Maximillian Buddenbohm)

[10:17] Maximillian Buddenbohm ist ein Beobachter. In großen Teilen seines Weblogs schildert er Beobachtungen, Szenen, Dialoge aus seinem Alltag als Vater, Flaneur, Büroarbeiter, Gartenbesitzer, Autor. Seinen humorvollen, menschenfreundlichen Ton, seine Neugier bewundere ich. Er ist wie ich Jahrgang 1966, Vater zweier Söhne. Aus seiner Beobachtungs- und Schreibfreude erwuchsen mehrere Bücher: "Zwei, drei, vier. Wie ich eine Familie wurde", "Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein. Eine Strandjugend", "Das Rosinenbrötchen oder es ist alles nur eine Phase", "Marmelade im Zonenrandgebiet. Geschichten übers Erwachsenwerden" und "Das Rosinenbrötchen. Meine Familie, das Chaos und ich". Wie er herumgeht, Dinge aufschnappt, sie humorvoll in seinem Blog ausbreitet, so ähnlich sammle ich. Freude an Witzigem, Kuriosem, Erstaunlichem, Wissenswertem läßt mein Herz hüpfen und sofort immer auch den Wunsch hochkochen, den Fund anderen mitzuteilen. Wie Maximillian stoße, ja stolpere ich auf Sprache, deren Merkwürdigkeit oder Besonderheit mir notierens-, erzählens- und behaltenswert erscheint. Im September nahm er sich "Spaßvergnügen" vor; ich lese den Blogeintrag nach. Ich spiele mit dem Gedanken, neben Links zu Musikvideos, seltenen Vor/Zunamen, Cartoons, Tweets, Medienlinks wie er nun auch Wörter zu "sammeln".

[16:55] "Es war regnerisch, es wurde kühler (...), ich passte für einen Moment nicht auf und brach mir prompt die Stimmung. (...) Hätte ich ein wenig mehr Neigung zur exaltierten Aktion, es wäre ein Tag fürs permanente Händeringen und lautes Hadern gewesen." (Maximillian Buddenbohm)

[12:12] "Ich werde ungnädig, das wird es sein, der Weg zum Nörgelrentner liegt klar vor mir. Dazu passt auch meine phänomenal schlechte Laune heute, für die mir nicht einmal ein plausibler Grund einfallen wollte, der Tag war einfach nicht meiner, aber es wollte ihn mir auch keiner abnehmen." (Maximillian Buddenbohm)

[08:32] "Am Donnerstag habe ich, nachdem die Kollegen im südlichen Teil des Landes seltsamerweise sämtlich nicht erreichbar waren, zum etwa dreißigsten Mal im Leben nachgelesen, was zum Teufel es denn noch einmal mit diesem Fronleichnam auf sich hat. Ich merke heute, einen Tag später allerdings schon, wie dieses Wissen zügig wieder in Vergessenheit gerät und nehme jetzt an, man braucht eine speziell katholische Lebenserfahrung, um sich das merken zu können." (Maximillian Buddenbohm)

[19:58] "Die Bücherei jedenfalls enttäuscht mich auch an diesem Tag nicht, natürlich nicht. Ein Mann steht vor einem Regal und liest Buchrücken, seine Frau steht hinter ihm und sagt: 'W! Du musst zu W, das ist V! Herr Gott nochmal!' Und der Mann geht ergeben einen Meter weiter, legt den Kopf schief und liest wieder, während sie wüst augenrollend daneben steht, verschränkte Arme, energisches Ausatmen. Bei manchen Beziehungen braucht man nur einen einzigen Satz im Vorbeigehen, um ein geschichtentaugliches Bild dieser beiden vor sich zu haben." (Maximillian Buddenbohm)

[05:46] "Im Freibad in Tönning fallen mir viele beschriftete Menschen auf, das sind die Tätowierten, von denen einige gar nicht so wenig Text auf der Brust, auf dem Rücken oder auf den Oberarmen haben. Bei einigen steht so viel Text, dass die Schrift recht klein ausfällt, das kann man dann im Vorbeigehen gar nicht mehr mal eben so lesen, sehr unangenehm. Man kann ja schlecht stehenbleiben, näher rangehen, die Gleitsichtbrille zurechtruckeln und 'Moment' sagen, 'ich habe Sie noch nicht durch.'" - Der Herr Buddenbohm ist mit Familie im Urlaub und schreibt noch lustiger als sonst.

[07:37] "Papa, warum steht da ein Buch 'Kinder verstehen' im Regal?" ""Was?" "Warum das Buch da steht?" "Ich verstehe dich nicht?" "Papa! Das ist nicht lustig!" "Was?" (Maximillian Buddenbohm)

[08:26] "Das liegt natürlich an meinem Jahrgang und ist der Lauf der Welt, man wird immer konservativer in Kleinigkeiten, langsamer in der Anpassung auch, und viele Dinge und Prozesse sollen allmählich bitte so bleiben, wie sie sind, denn ich sah, es war gut." (Maximillian Buddenbohm)

[18:44] Seit September 2021 arbeite ich auf der Station 10 II im Haus 10 des St. Georg Leipzig. Das Krankenhaus im Norden Leipzigs wurde im Mai 1913 im Pavillonstil eröffnet. Das Haus 10 wurde 2008 saniert. Mit Sonne, Wolken und Bepflanzung sieht es gar nicht übel aus. Die Fachrichtungen wechseln öfter, als ich mit Aktualisierung dieses Artikels hinterherkomme. Nachdem zwischendurch die Pulmologie auf Etage 1 ansässig war, ist wieder die Geriatrie ansässig, die einige Jahre in der Grünauer Außenstelle (Robert-Koch-Klinik) war. Eine Etage höher ist mein Arbeitsplatz. Unsere Station 10/II behandelt zurzeit Patienten der Fachbereiche Geriatrie und Rheumatologie. Vordem hatten wir zwischen 2012 und 2026 auch Kapazitäten für die Unfallchirurgie und die Gastroenterologie. Sobald ein zweites Bettenhaus fertig gestellt sein wird, ziehen die Abteilungen aus den Pavillons in den Neubau (Internistischer Zentralbau II), dessen Errichtung die kommenden Jahre im Klinikum bestimmt. Weil ich von 2004 bis 2020 im Neubau der Robert-Koch-Klinik gearbeitet hatte, fiel und fällt es mir schwer, hernach ab 2021 in den zwar sanierten, aber doch 100 Jahre alten Gemäuern tätig zu sein. Ob ich den Umzug in den Zentralbau II beruflich noch erleben werde? Das erst kürzlich eröffnete Ambulanzzentrum schräg gegenüber unserem Haus 10 stellt uns Arbeiten unter modernsten Bedingungen täglich vor Augen. Freilich, die Balkone unseres Hauses sind gigantisch. Trotzdem sind manche Notwendigkeiten und Bedürfnisse im Nachinein nicht mehr realisierbar. Von 1990 bis 2004 arbeitete ich schon einmal in einem Altbau, der - als ehemalige Schule - viel weniger für die Behandlung Kranker geeignet gewesen war. Das so genannte Friesenkrankenhaus (eigentlich Stadtkrankenhaus, Friesenstraße 8), welches nach den Zweiten Weltkrieg aus einem Lazarett hervorging, wurde 1997 mit dem Robert-Koch-Klinikum zum "Städischen Klinikum Leipzig-West" uniert und drei Jahre später in das St. Georg integriert. Kein Zimmer hatte eine Naßzelle. Die Toiletten waren zentral. Und als ich dort 1990 begann, existierte noch ein Saalzimmer mit 9 Betten. Der Klinikneubau in Grünau (2004) auf dem Gelände des Robert-Koch-Parks erübrigte den Standort in Lindenau, so daß wir umzogen. So nimmt es nicht Wunder, daß dieser Altbau nun wieder der Nutzung als Schule zugeführt werden soll. Die 16 Jahre im Robert-Koch-Klinikum waren, was die baulichen Gegebenheiten und das Raumgefühl anbelangt, die schönsten, wenn auch im Hochsommer nur mit Kaltgetränken und einem nassen Waschlappen im Genick erträglich. Dafür war durch die Glasfronten für lichtdurchflutete Zimmer gesorgt, während man sich in den betagten Pavillonbauten stets ein bißchen wie in einem mittelalterlichen Verlies vorkommt.

[09:40] Im Flüggerhaus in Hamburg befindet befand sich der älteste erhaltene (1908) Paternoster der Welt. Nachdem er 40 Jahre hinter einer Verschalung versteckt gewesen war, entdeckte ihn der Kunsthistoriker Robin Augenstein. In Berlin lehnte die Baubehörde Paternoster bis in die 20er Jahre ab. Begründung: Die Hamburger seien durch Hafennähe körperliche Arbeit gewohnt und fähig, in solch ein Gefährt zu steigen. Den Berlinern könne dies durch u.a. durch den ermüdenden Verkehr nicht zugemutet werden. Auch schön: der Paternoster vermittle einem das Gefühl des "Seins in einer Maschine". Der Aufzug ist zum Kriminalfall geworden. Er wurde ausgebaut und ist verschwunden. Einzelteile sind inzwischen wiederaufgetaucht.

[13:12] "Benennungszauber. All die Namen wissen und murmeln, das ist auch mal schön. (...) Es gibt, das habe ich mehrfach gelesen, einen Zusammenhang zwischen diesem Benennenkönnen und der Wahrnehmung, das ist auch gut vorstellbar. Was wir nicht mehr bezeichnen können, das fällt aus unserer Wahrnehmung - und damit auch aus der zugemessenen Wichtigkeit. Das ist dann eben nur noch Straßenbegleitgrün und dergleichen, und es ist uns eher egal." (Maximillian Buddenbohm)

[17:00] Bis vor 4 Jahren kannte ich den Begriff "stumme Schwester" nicht. Ein rollbarer Beistelltisch, vor allem für Instrumente im OP. Früher aber auch ein Fieberthermometer ohne Skalierung, um Beunruhigung oder Manipulation bei Hypochondern abzuwenden. In Thomas Manns Zauberberg beschrieben: "'Ottilie bekam hohes Fieber, sie ließ ihre Kurve tüchtig ansteigen. Allein man entlarvte sie, indem man ihr das gebräuchliche Thermometer mit einer 'Stummen Schwester' vertauschte. - Sie wissen noch nicht, was das ist, es ist ein Thermometer ohne Bezifferung, der Arzt kontrolliert es, indem er ein Maß daran legt, und zeichnet die Kurve dann selbst. Ottilie, mein Herr, hatte 36,9, Ottilie war fieberfrei.'"

[07:54] Der Blaue Heinrich war eine edle Gerätschaft in der Lungenheilkunde und fing Sputum von meist Tuberkuloskranken auf (via Frau Novemberregen). Beruflich vertraut ist mir die Pulmologie und ich bedauere, daß solch edle Gerätschaft nicht mehr en vogue ist. Die schnöden modernen Sputumbecher können ihm beleibe nicht die Spucke, ähm, das Wasser reichen. Viele Pflegekräfte empfinden Sputum übrigens viel mehr als Zumutung als andere Ausscheidungen, jedenfalls wie er den Körper oft verläßt. Vor mehr als einem Jahr, als ich für die Stumme Schwester recherchierte, hätte ich, hätte ich sorgfältiger und ohne Tunnelblick gelesen, den Blauen Heinrich bereits wahrnehmen können und sollen. In Thomas Manns Zauberberg kommt das Utensil übrigens vor: "'Aber ich habe noch Sputum', sagte er [...] und ließ seinen Vetter etwas sehen, was er aus der ihm zugekehrten Seitentasche seines Ulsters zur Hälfte herauszog und gleich wieder verwahrte: eine flache, geschweifte Flasche aus blauem Glase mit einem Metallverschluß. 'Das haben die meisten von uns hier oben', sagte er. 'Es hat auch einen Namen bei uns, so einen Spitznamen, ganz fidel.' (...) Der pfeift bald aus dem letzten Loch. Schon wieder muß er sich mit dem Blauen Heinrich besprechen." In der Serie "Charite" wurde ein solcher Taschenspucknapf demonstiert.

[08:48] Erinnerung auch an Momente der eigenen Kindheit: "Als Kind hat er kleine Mutproben durchgeführt, nur für sich und in Gedanken. Hat den Kopf in den Nacken gelegt und gedacht: Es gibt keinen Gott. Danach wartete er jedes Mal mit angehaltenem Atem darauf, dass ein Gewitter ausbrach oder die Erde sich unter ihm auftat." UND: "Ein anderer Sinn (...) nimmt die sakrale Aura auf. Sie ruft das kindliche Gefühl zurück, beobachtet zu werden von jemandem, der zu mächtig ist, als dass auf seine Güte Verlass wäre." Was Stephan Thome in Fliehkräfte schrieb, vollziehe ich 100%ig nach. Es war, wie wenn man gebeten wurde, an etwas nicht zu denken, geradezu zwanghaft, immer wieder blasphemische Gedanken zu hegen.

[14:00] Die BBC-Dokumentation Obesity: The Post Mortem zeigt die Obduktion einer sehr adipösen Frau, um auf die Problematik der Fettleibigkeit aufmerksam zu machen. Wirklich nichts für schwache Nerven und ziemlich schockierend. Zum einen, daß überhaupt eine Autopsie gezeigt wird; zum anderen die Dimensionen der Adipositas. Pikanterweise ist der Pathologe im Film selbst übergewichtig. Sein Doppelkinn schwabbelt bedenklich, während er sich sich über die überdimensionierten Organe wie vor allem die Fettleber echauffiert.

[17:15] In dieser Psst-Folge ist einer, dessen Muttersprache Esperanto ist. Sein Vater hat die ersten 12 Jahre nur Esperanto mit ihm geredet, die Mutter deutsch.

[09:00] Ich trage das Kind auf den Schultern, der Weg nach Hause ist gar nicht mal so kurz. Im Gegenteil, der ist sogar ziemlich lang. Der Sohn ist schlapp und hat keine rechte Körperspannung, er hängt mir im Nacken wie ein nasser Mehlsack. Kinder ohne Körperspannung haben doppeltes Gewicht, alte Regel. Gottseidank ist er erst vier Jahre alt, damit kommt man noch eine Weile zurecht. Sein sechsjähriger Bruder wäre noch ein ganz anderes Problem, denn Kinder in dem Alter kann man nur im Film meilenweit tragen, in der Wirklichkeit braucht man bereits nach einem Block einen Orthopäden. Oder eine Sackkarre. (Maximilian Buddenbohm)

[10:46] In Hamburg hadert man bei +12°C ein wenig mit dem meterologischen Status quo. "Diesen Mai habe ich mir so nicht vorgestellt!" Bei der Sache mit dem Fahrstuhl fiel mir der älteste Paternoster im Hamburger Flüggerhaus ein, der kürzlich geklaut worden ist und zu dem ich nach meine drei Spätdiensten noch nachschlagen werde...

[06:44] "Dein Lieblings-Wochenends-Ritual? - Mittagsschlaf. Das klingt vielleicht wie ein Scherz, ist aber vollkommen ernst gemeint. Das Leben wäre ein wenig schöner, gäbe es nur mehr Mittagsschlaf. Nickerchen werden in der modernen Gesellschaft aber leider dramatisch unterschätzt. Die Herzdame gehört in diesem Sinne auch zur modernen Gesellschaft, die Söhne sowieso, die sind sogar extrem modern und lehnen Schlaf generell ab." (Maximilian Buddenbohm)

[10:47] Im Spätdienst gestern Aufregung jenseits des Tagesschäftes. Bombendrohung. Von der wir nichts wußten, bis die Pflegedienstleitung vorbeikam und darauf hinwies, daß im Intranet darüber informiert worden sei. Mit dem kleinen Manko, daß wir im Stationsbetrieb natürlich nichts Besseres zu tun haben, als ins Intranet zu gucken. Dann flogen die Polizisten ein und "durchsuchten" unseren Pavillon. Keine Ahnung, wie gründlich sie anderswo vorgegangen sind, aber hätte ich eine Bombe mitten auf dem Gang platziert, sie wäre unweigerlich übersehen worden. Späterhin kam die Meldung, das LKA sehe keine Gefahrenlage (mehr) und wir sollten entspannen. Als dienstverpflichteter Scherzbold nahm ich einen für die Rohrpost genutzten zylindrischen Behälter, mit dem unterm Arm ich an der Polizei vorbeispazierte und er mit versehentlich fast aus dem Arm fallen wollte. Ein Freund machte den Vorschlag, ich hätte noch einen Kurzzeitwecker und ein paar EKG-Elektroden im Zylinder drapieren sollen. Ich glaube, dann hätte mich die Exekutive freundlich zum Gespräch gebeten.

[16:24] John Prine entdeckte ich erst im letzten Jahr durch Herrn Buddenbohm. Gestern stieß ich auf sein Duett mit Nanci Griffith - The Speed Of The Sound Of Loneliness. Eines der traurigsten Lieder, bei denen mir bei jedem Anhören die Tränen kommen, ist Summer's End. Er konnte auch lustiger.

[10:30] Gehört: Was Trump so toxisch macht: daß er ein Präsident des 19. Jahrhunderts im 21. sei.

[11:11] Im Nordwesten der Republik gibt auf dem Gut Holsterfeld ein Erdbeer-Drive-in, der durch TikTok ein ziemliches Tohuwabohu verursacht.

[12:22] "Das schwierigste beim Kochen ist die Vorbereitung. Zutaten, Rezepte, saubere Töpfe, die Feuerwerks-Ausnahmegenehmigung."

[21:36] Zweiter Volllacher heute: "Ich bin so alt, in meinem Kindergarten gab es hinter dem Sandkasten noch eine Raucherecke." (Kiezschreiber)

[01:34] Der Postwestfale sieht im Schaufenster einen Anzug, spürt einen Kaufimpuls und schreibt lakonisch: "Vielleicht habe ich ja Glück und es gibt ihn nicht in meiner Größe." Erster Volllacher des Tages.

[01:33] "Wir Deutschen leben scheinbar im Lamentozän." (Harald Lesch)

[01:32] Gehört: "In Bitternis getränkte Bejahung des Lebens."

[01:31] ,,, das Gesicht eine verwitterte Wurfsendung vom vielen Jägermeister-Saufen, Koksen und Morphin-Schießen." (Glumm)

[01:30] "Vermutlich war er gar nicht so furchtbar alt, der müde Herr Noe, aber er war müde, einsam und alt, da zählt jedes Lebensjahr doppelt und dreifach. (Glumm)

[01:29] "Man muß auch mal ein, zwei Stunden nur lachen können. Das ist Klassenkampf genug." (Stefan Linne / Pantomime)

[01:28] "Es gibt ja die Berufsunfähigkeitsversicherung. Wenn man unfähig im Beruf ist, bekommt man Geld. Kleiner Tipp für die Mitglieder der Bundesregierung." (Kiezschreiber)

[01:27] Repost: Man liest nur auf Papier gut. Das Wesentliche ist auf dem Bildschirm unsichtbar. (Der kleine Print)

[01:26] "Gedankenfreiheit haben wir. Jetzt brauchen wir nur noch die Gedanken." (Karl Kraus)

[01:25] Repost: Bitte denkt bei diesen Temperaturen daran, eine Schale Wasser für durstige KI-Rechenzentren rauszustellen.

[01:24] Drei, aus Blogs gezogene Breviloquia. "Verschattetes Gemüt" (Kaltmamsell) / Segeln als "die teuerste Art, unbequem zu reisen." (Frau Klugscheißer) / "Idioten (m/w/d) gibt es überall." (Pressepfarrerin).

[01:23] In der Kulturzeit vom 27. April war die Rede von Heimat, "dem Ort der ersten Male."

[01:22] Nie zuvor gehört: Avifaunist = Vogelkundler; Avifauna (Vogelwelt). Gehört in einem Bericht über Birding (Brisant vom 19.5.)

[01:21] Aufgeschnappt: Augen zu und durch - die kürzeste Anleitung für Leben.

[01:20] Wenn Monk ins Krankenhaus käme, sähen seine Vitalwerte so aus. Naja, fast... Irgendwas ist immer.

[01:19] Werbung an Plakaten: "E-Bike Stadt Auto".

[01:18] Bericht über eine Balletaufführung in Odessa. "Nach jeder Szene wird geklatscht, Man weiß nie, ob es weitergehen wird."

[01:17] Jetzt kann's auch der Deutschlandfunk nicht lassen: Die fieberhafte Suche nach dem (Andus)Erreger. Infektionskrankheit = Fieber, Erforschung = fieberhafte Suche. Toll gemacht.

[01:16] "Das Herz ist der kleine Hund der Seele, der schwanzwedelnd jedem geworfenen Ball hinterherrennt." (Kluges & Scheiß)

[01:15] "Krieg. Wo junge Männer, die sich nicht kennen und sich nicht einmal hassen, einander abschlachten. Auf Befehl von alten Männern, die sich kennen, sich hassen, aber zu bequem sind, um ihre eigenen Schädel einzuschlagen."(Andreas Rebers)

[01:14] "Man möge mir, dem Bestandteil des Souveräns, bitte Ungefiltertes zutrauen." (Betonflüsterer)

[01:13] Handwerker - in etwa so selten wie gut funktionierende Gehirne.

[01:12] Hat man den Tag verpfuscht, wird ungeduscht ins Bett gehuscht.

[11:11] Das dringende Bedürfnis, eine Schneekugel zu schütteln.

[0800] Interessantes Detail, welches ich in "Austerlitz" gerade las. Nach der Annektion Tschechiens durch Nazideutschland wurde von einem Tag auf den anderen der Linksverkehr auf Rechtsverkehr umgestellt, was die Einwohner Prags beispielsweise ziemlich irritiert haben dürfte.

[10:12] Hat man den Tag verpfuscht, wird ungeduscht ins Bett gehuscht.

[00:14] Ruf 'n Hund, und der kommt. Ruf 'ne Katze; und die hat 'n Anrufbeantworter. (Eckhardt von Hirschausen: Liebesbeweise)

[00:15] Liebeserklärungen: Für jeden anderen wärst du eine Fehlkonstruktion. Für mich bist du eine Sonderanfertigung. (Eckhardt von Hirschausen: Liebesbeweise)

[00:16] Leidenschaft ist biologisch abbaubar. (Eckhardt von Hirschausen: Liebesbeweise)

[00:17] Die Frau ist das stabilere Betriebssystem der Evolution. (Eckhardt von Hirschausen: Liebesbeweise)

[00:18] Lebt der Mann ab, lebt die Frau auf. (Eckhardt von Hirschausen: Liebesbeweise)

[00:19] Die Krankheit, unter der Patienten aus Sicht des Personals fast ausnahmslos leiden, nennt man "Angehörige".

[00:20] Auf einer Station mit Rheumapatienten muß man so viele Flaschen öffnen, daß man die Zusatzbezeichnung "Barkeeper" beanspruchen könnte.

[01:20] Ich bin bei Zen-Buddhismus immer geneigt, den Countdown runterzuzählen.

[04:13] Retweet: "Alles auf den Boden, Geld her, oder ich zitiere aus dem 'Kleinen Prinz'!"

In Bitternis getränkte Bejahung des Lebens